Terre des Hommes warnt vor Kinderrechtsverletzungen / Anlässlich der Abstimmung im Deutschen Bundestag zu den GEAS-Anpassungsgesetzen

Terre des Hommes kritisiert, dass die Bundesregierung insgesamt auf eine harte Umsetzung der Reform setzt, die teilweise sogarüber europäische Vorgaben hinausgeht. Vorgesehen ist unter anderem eine deutliche Ausweitung freiheitsbeschränkender und freiheitsentziehender Maßnahmen, teilweise auch gegenüber Kindern und Familien. So sollen die Bundesländer künftig sogenannte\“Aufnahmeeinrichtungen zur Durchführung von Verfahren zur Sekundärmigration\“einrichten können. In diesen Sonderzentren sowie in anderen Aufnahmeeinrichtungen können Verbote zum Verlassen der Einrichtungen angeordnet werden – während der Nachtzeit auch für Kinder und Familien, die bis zu sechs Monate in solchen Einrichtungen untergebracht werden können.\“Große Sonderunterbringungen bedeuten Isolation, Ausgrenzung und Stigmatisierung geflüchteter Kinder\“, erklärt Joshua Hofert, Vorstandssprecher von Terre des Hommes.\“Das sehen wir bereits heute in sogenannten AnkER-Zentren. Solche Bedingungen sind für die psychische Gesundheit und Entwicklung von Kindern hochproblematisch. Sie erschweren den regulären Schulbesuch, verhindern soziale Teilhabe und verzögern Integration.\“
Die europäische Asylreform darf nicht zu einer weiteren Entrechtung geflüchteter Kinder führen.\“Statt Abschottung braucht es ein solidarisches Aufnahmesystem, das Schutzsuchende menschenwürdig behandelt sowie Kinder und ihre Familien wirksam schützt\“, betont Hofert.\“Besonders wichtig ist, dass unbegleitete Minderjährige, die ohne elterliche Begleitung und den Schutz ihrer Familie einreisen, auch unter Anwendung der neuen GEAS-Regelungen besonders geschützt werden. Die Erstzuständigkeit der Jugendämter und eine rechtliche und unabhängige Vertretung müssen konsequent umgesetzt werden. Die Alterseinschätzung unbegleiteter Minderjähriger muss weiterhin durch die Jugendämter erfolgen. Bei Zweifeln ist von Minderjährigkeit auszugehen\“, so Hofert.
Positiv bewertet Terre des Hommes einzelne Verbesserungen im Gesetzesentwurf, etwa den erweiterten Zugang zur Gesundheitsversorgung für geflüchtete Kinder sowie die Einführung eines unabhängigen Monitoring-Mechanismus. Insgesamt werde der Gesetzentwurf jedoch dem Anspruch, das Kindeswohl vorrangig zu berücksichtigen, nicht gerecht.
Hintergrund:
– Der Gesetzgebungsprozess stellt die größte Reform des deutschen Asylrechts seit 1993 dar. Er dient der Umsetzung der EU-weiten Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS), deren Regelungen ab Juni 2026 in allen Mitgliedstaaten anwendbar sein sollen.
– Mehrfach hat Terre des Hommes während des Verfahrens zu den Änderungen des europäischen Asylrechts Stellung bezogen und schwerwiegende kinderrechtliche Bedenken geäußert, unter anderem in diesem Positionspapier (2025) (https://www.tdh.de/fileadmin/user_upload/Verein/01_Informieren/Themen/Flucht/POSITIONSPAPIER_KR_GEAS_SEPTEMBER_2025.pdf) und in diesem Factsheet (2025) (https://www.tdh.de/fileadmin/user_upload/Verein/01_Informieren/Themen/Flucht/Aktionsmaterial/Factsheet_GEAS_Aktion_WEBSITE.pdf).
– Terre des Hommes weist außerdem in verschiedenen Publikationen (http://www.tdh.de/informieren/themen/kein-ort-fuer-kinder) auf die Lebenssituation von geflüchteten Kindern in nicht kindgerechten Unterbringungsstrukturen hin.
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Terre des Hommes steht für eine\“Erde der Menschlichkeit\“. Klimawandel, Kinderarbeit, Krieg und Vertreibung – wir machen Kinder und Jugendliche stark und schützen sie mit unseren Projekten vor Gewalt und Ausbeutung. Wir leisten humanitäre Hilfe und verbessern die Lebensbedingungen von Kindern weltweit. Was uns dabei besonders wichtig ist: Wir arbeiten mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen und setzen gemeinsam mit Kindern ihre Rechte durch. Als Kinderrechtsorganisation sind wir unabhängig von Regierungen, Wirtschaft, Religionsgemeinschaften und Parteien. Wir fördern derzeit über 400 Projekte für Kinder und Jugendliche in 47 Ländern.
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