Kommentar von\“nd.DerTag\“über alten Atommüll und neue Pläne

In Jülich liegt also seit 40 Jahren Atommüll. Es hat 13 Jahre gedauert, einen neuen Platz dafür zu finden, und wann und wo er am Ende gelagert wird, steht in den Sternen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit einem Gefahrstoff sieht anders aus.
Deswegen mutet es irrational an, dass es in Deutschland neue Atomüberlegungen gibt. Angeschoben von Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron wird wieder über Atomkraft nachgedacht. Zur Erinnerung: Das französische Atomkraftwerk Flamanville brauchte eine Bauzeit von fast 20 Jahren und kostete mehr als 13 Milliarden Euro. Geplant war eine Bauzeit von sieben Jahren und Kosten von 3,3 Milliarden Euro. Nun will man aber heute keine großen Atomkraftwerke bauen, sondern\“Small Modular Reactors\“(SMR). Sie werden als Wunderwerke angepriesen, sollen klein sein, in Fabriken gefertigt werden können und nur wenig Müll produzieren. Bisher gibt es allerdings, bis auf Projekte in China und Russland, über die wenig bekannt ist, keine funktionierenden SMR-Reaktoren, sondern nur Pläne. Dass diese allzu schnell umgesetzt werden können und Deutschland oder Europa zügig aus Energieabhängigkeiten heraushelfen können, ist ausgeschlossen. Ganz davon abgesehen verbieten sich neue nukleare Pläne in Deutschland, selbst wenn sie nur strahlenden Abfall in der Größe einer Streichholzschachtel verursachen, solange keine vernünftige und abschließende Lösung für den alten Müll gefunden worden ist.
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