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Sonntagsbackverbot: Handwerkskammer fordert faire Regeln für Bäckerbetriebe

 

Die Handwerkskammer Reutlingen schließt sich der Forderung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) an und verlangt von der Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag zugesagte Aufhebung des Sonntagsbackverbots für Bäcker und Konditoren zügig umzusetzen. Handwerksbäckereien dürfen sonntags nur drei Stunden produzieren, während Backshops unbegrenzt aufbacken dürfen. Aus Sicht der Kammer ist die derzeitige Regelung nicht mehr zeitgemäß und führt zu einer spürbaren Ungleichbehandlung handwerklicher Betriebe gegenüber Backstationen, Tankstellen und Filialkonzepten.„Es ist schwer nachvollziehbar, dass sonntags vielerorts aufgebackene Brötchen verkauft werden dürfen, der klassische Handwerksbäcker aber in seiner eigenen Backstube an enge Grenzen stößt“, sagt Alexander Wälde, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen. „Wenn im Koalitionsvertrag steht, dass das Sonntagsbackverbot aufgehoben werden soll, dann erwarten unsere Betriebe zu Recht, dass diese Zusage auch umgesetzt wird.“ Wälde schließt sich damit der Kritik von ZDH-Präsident Jörg Dittrich an. Dieser hatte deutlich gemacht, dass es nicht um eine grundsätzliche Ausweitung der Sonntagsarbeit gehe, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen und praxistaugliche Regeln für das Lebensmittelhandwerk. „Niemand stellt den Schutz des Sonntags infrage“, betont Wälde. „Aber es kann nicht sein, dass handwerkliche Bäckereien gegenüber anderen Anbietern benachteiligt werden. Das sorgt für Unmut in den Betrieben – und dafür habe ich großes Verständnis.“Diese Kritik teilt auch Jörg Schmid, Bäckermeister und Betriebswirt (HwO) in der Bäckerei Schmid GmbH aus Gomaringen. Sein Betrieb stehe dem Sonntagsbackverbot bereits seit vielen Jahren sehr kritisch gegenüber. Aus seiner Sicht sei die Regelung längst nicht mehr zeitgemäß und führe zu einer ungerechtfertigten Benachteiligung des Bäckerhandwerks. „Es ist kaum nachvollziehbar, warum ausgerechnet Bäckereien an dieser Regelung festhalten müssen, während in anderen Bereichen – beispielsweise in der Gastronomie, an Tankstellen, in Krankenhäusern, an Flughäfen oder in vielen anderen Dienstleistungsbranchen– sonntags ganz selbstverständlich gearbeitet wird“, sagt Schmid. Faire Wettbewerbsbedingungen sähen aus seiner Sicht anders aus. Für seinen eigenen Betrieb hätte eine Aufhebung des Sonntagsbackverbots zwar nur geringe praktische Auswirkungen, da die bestehenden Möglichkeiten bereits heutegroßzügig ausgeschöpft würden. Dennoch wäre die Abschaffung für Schmid ein wichtiges Signal an das gesamte Handwerk. Sie würde den Betrieben mehr Flexibilität geben, ihre Produktion sinnvoll und bedarfsgerecht zu organisieren.Dass die Frage in den Betrieben durchaus differenziert gesehen wird, zeigt die Einschätzung von Hubert Berger von der BioBäckerei Berger in Reutlingen. Für ihn hat der Sachverhalt zwei Ebenen. Einerseits könne er den Wunsch nachvollziehen, dass sich der Staat an dieser Stelle stärker zurückhält und es den Bäckereien selbst überlässt, ob sie mit der derzeitigen Drei-Stunden-Regelung beim Sonntagsverkauf auskommen oder länger öffnen möchten. Damit wäre aus seiner Sicht auch eine Gleichstellung mit Tankstellen gewährleistet. Andererseits verweist Berger auf den Schutz des Sonntags: Dessen Aushöhlung dürfe nicht einfach weitergehen, weil am Ende häufig sozial eher schwächere Beschäftigte betroffen seien, die dann arbeiten müssten. Gesellschaftlich sei das keine gute Entwicklung. Für seinen eigenen Betrieb sieht Berger aktuell keinen Änderungsbedarf. „Ich persönlich komme mit der jetzigen Regelung gut zurecht und würde auch nichts ändern“, sagt er. Zugleich sehe er aber, dass sich die Entwicklung kaum aufhalten lasse. In vielen europäischen Nachbarländern gebe es bereits deutlich liberalere Regelungen. „Kurz gesagt: Ich brauche und wünsche keine Änderung, grolle aber auch nicht bei einer Änderung“, so Berger.Gerade kleinere und mittelständische Bäckereien in der Region stünden unter erheblichem Druck: steigende Kosten, Fachkräftemangel, verändertes Einkaufsverhalten und harter Wettbewerb mit großen Anbietern machten den Betrieben bereits genug zu schaffen. Umso wichtiger sei es, ihnen keine zusätzlichen Hürden aufzubauen,die mit der Realität am Markt kaum noch vereinbar seien. Unsere Bäckerinnen und Bäcker stehen früh auf, bilden aus, sichern Nahversorgung und schaffen Qualität vor Ort“, Kammerpräsident Wälde. „Sie brauchen keine Sondervorteile, sondern faire und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Politik sollte den Koalitionsvertrag an dieser Stelle ernst nehmen und endlich handeln.“ Die Handwerkskammer Reutlingen spricht sich deshalb für eine klare gesetzliche Regelung aus, die handwerklichen Bäckereien mehr Spielraum gibt und gleichzeitig den Schutz der Beschäftigten berücksichtigt. Flexibilität und faire Arbeitsbedingungen dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, so Wälde. „Viele Beschäftigte schätzen flexible Modelle, Zuschläge und freie Tage unter der Woche. Entscheidend ist, dass Betriebe und Mitarbeitende gemeinsam praktikable Lösungen finden können.“

Posted by on 4. August 2026.

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Categories: Allgemein

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