Umsetzung der EU-Asylreform in Deutschland: Menschenrechtsinstitut kritisiert geplante Freiheitsbeschränkungen für Geflüchtete

Besonders kritisch sieht das Institut die für die Bundesländer optionalen\“Aufnahmeeinrichtungen zur Durchführung von Verfahren der Sekundärmigration\“. Diese Einrichtungen sollen Asylsuchende aufnehmen, deren Verfahren möglicherweise in einem anderen EU-Staat bearbeitet werden, aktuell besser bekannt als sogenannte\“Dublin-Fälle\“. Die EU-Verordnungen sehen solche Zentren nicht vor.\“Die Einrichtung solcher Sekundärmigrationszentren würde die Rechte Schutzsuchender erheblich einschränken. Bei restriktiver Auslegung der Vorgaben könnten einige Geflüchtete die Einrichtungen nicht einmal für Arzt- oder Anwaltsbesuche verlassen\“, sagt Beate Rudolf, Direktorin des Instituts. Das Institut rät dringend davon ab, solche Zentren einzurichten. Auch bei regulären Aufnahmeeinrichtungen empfiehlt es eine zurückhaltende Anwendung von Freiheitsbeschränkungen und eine einfache Beantragung von Einzelfallerlaubnissen zum Verlassen der Einrichtung. Asylsuchende müssen Zugang zu medizinischer und rechtlicher Unterstützung sowie zu Beratungs- und Unterstützungsstrukturen haben. Das gilt insbesondere für besonders schutzbedürftige Personen.
Das Institut fordert auch deshalb ein bundesweit einheitliches, mehrstufiges Verfahren zur Erkennung besonders schutzbedürftiger Geflüchteter.\“Ein solches System würde Deutschland erstmals ermöglichen, eine bedarfsgerechte Versorgung, Unterstützung und Unterbringung zu planen. Die gewonnenen Informationen könnten auch die Integration in Bildung, Ausbildung und Arbeit verbessern\“, erklärt Rudolf.
Zum Hintergrund: Das GEAS umfasst zehn europarechtliche Verordnungen und eine Richtlinie, die Standards für Asylverfahren, Screening, Unterbringung und Versorgung von Asylsuchenden festlegen. Bund und Länder müssen Maßnahmen ergreifen, um die europäischen Vorgaben des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, aber auch menschenrechtliche Verpflichtungen, etwa aus der UN-Behindertenrechtskonvention, zu erfüllen.
WEITERE INFORMATIONEN
Deutsches Institut für Menschenrechte (2025): Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz)
https://ots.de/Wz2nFl
Deutsches Institut für Menschenrechte (2025): Umsetzung der GEAS-Reform: Vulnerabilitäten erkennen und berücksichtigen. Empfehlungen anlässlich der 224. Sitzung der Innenministerkonferenz vom 03.12. bis 05.12.2025.
https://ots.de/oU69cK
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Telefon: +49 30 259 359 453
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