Wie sich der CO2-Preis auf die Heizkosten in Europa auswirkt

Wohngebäude verursachen rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen in der EU. Die Erweiterung des Europäischen Emissionshandelssystems im Rahmen des ETS2 (Emissions Trading System 2) auf den Gebäudesektor soll Anreize schaffen, Heizungen zu modernisieren, Gebäude energetisch zu sanieren und Emissionen langfristig zu senken.
Der geplante Preis für CO2-Emissionen wirkt sich sehr unterschiedlich aus. In Deutschland und anderen west- und nordeuropäischen Mitgliedsstaaten, wo es bereits jetzt einen CO2-Preis gibt, würden die Kosten bei einem zu erwartenden Einstiegspreis von 60 Euro pro Tonne CO2 durchschnittlich um 17 Euro pro Jahr und Haushalt steigen. In Portugal, Irland, Dänemark und Schweden könnte das Heizen sogar billiger werden, weil der CO2-Preis dort schon jetzt oberhalb von 60 Euro pro Tonne liegt.
In Polen, Ungarn, der Slowakei und weiteren osteuropäischen Staaten gibt es noch keinen CO2-Preis und die Haushalte verfügen über geringere Einkommen, sodass die EU-weite Einführung einen sehr viel größeren Effekt hätte. Ein ETS2-Preis von 60 Euro pro Tonne CO2 würde das Heizen für einen Haushalt dort um 100 bis 400 Euro pro Jahr verteuern.
Damit stark betroffene Haushalte durch die Mehrkosten nichtüberlastet werden, braucht es Kompensationsmechanismen. „Für die meisten europäischen Haushalte ist die Einführung des CO2-Preises im Gebäudesektor gut verkraftbar. Wir zeigen, welche Haushalte Unterstützung benötigen werden, weil sie besonders stark von Mehrbelastungen betroffen sein werden. Mit den Einnahmen aus dem CO2-Preis ist allerdings genug Geld vorhanden, um diese Unterstützung zu leisten – wenn die Mitgliedstaaten das Geld treffsicher ausgeben“, sagt Thomas Schwab, Experte der Bertelsmann Stiftung für europäische Wirtschaftspolitik.
Jenseits der Kompensation der Mehrbelastungen von besonders betroffenen Haushalten muss der Umstieg auf klimafreundliche Heizungen staatlich gefördert werden. „Entscheidend für die Verbindung von Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit ist, dass Fördermittel und Entlastungen dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, sagt Sara Hagemann, Wirtschaftsexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisungreichen zwar aus, um die Mehrbelastungen für besonders betroffene Haushalte abzufedern. Aber sie werden nicht reichen, um auch den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen großflächig zu unterstützen.“
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