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Wertvoller Austausch auf schwierigen Wegen / Seit 25 Jahren unterstützt die Angehörigengruppe Mittelhessen e.V. Familien und Freunde von psychisch Erkrankten in Kooperation mit dem UKGM in Gießen

 

Eine typische Geschichte: Lara, die Tochter von Walter Henning und seiner Frau, Katharina, war gerade auf der Zielgeraden Richtung Abitur, als ihre Welt aus den Fugen geriet und eine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde. Alle Pläne, die so gesetzt schienen, wie Abi machen, studieren, raus ins Leben und eine gute Zukunft gestalten, fielen zusammen wie ein Kartenhaus. Für Lara, aber auch ihre ganze Familie, begann ein steiniger Weg im Umgang mit dieser Erkrankung.

\“Bis dahin war ja niemand aus der Familie mit psychischen Erkrankungen vertraut\“, erzählt Gerhard Weißler, seit vielen Jahren aktiv in der Selbsthilfegruppe von Angehörigen.\“Ein gebrochenes Bein, da kann man sich etwas drunter vorstellen. Aber diese Art von Erkrankung verändert oft auch das Verhalten der betroffenen Person und man weiß erstmal gar nicht, damit umzugehen.\“\“Der erste Impuls ist, dass man die erkrankten Menschen wieder dahin bringen möchte, wo sie mal waren, aber das ist durch die Erkrankung oft nicht möglich. Man muss gemeinsam neue Horizonte finden und lernen zu begleiten, statt ständig zu intervenieren\“, resümiert seine Kollegin, Renate Grolig, nach vielen Gesprächen in der Selbsthilfegruppe.

Leichter gesagt als getan, erklärt Dr. med. Bernd Hanewald, leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKGM in Gießen:\“Angehörige müssen sich häufig von früheren Plänen und Erwartungen verabschieden und sich auf eine neue, oft sehr fordernde Lebenssituation einstellen. Dabei geht es nicht darum, erkrankte Menschen allein zu lassen, sondern darum, sich in besonders belastenden Momenten auch selbst schützen und auf die eigenen Grenzen achten zu dürfen. Diese Form der Abgrenzung ist kein Rückzug aus einer Verantwortung, sondern ein Ausdruck von Fürsorge – für sich selbst und damit auch für die Erkrankten. Denn nur wer auf die eigenen Kräfte achtet, kann auf Dauer verlässlich da sein. Studien zeigen, dass Angehörige psychisch erkrankter Menschen oft erheblich belastet sind. Nicht selten berichten sie über Schlafstörungen, körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder über depressive Verstimmungen.\“

Helfen kann hier vor allem, informiert zu sein und das auch zu bleiben.\“Es ist gut, wenn sich dieÄrzte Zeit nehmen und die Erkrankung erklären. Was passiert mit den Betroffenen? Wie zeigt sich das und wie kann man das positiv begleiten? Genauso wichtig ist aber auch der Kontakt zu anderen Angehörigen. Wie gehen die damit um? Was kann man für sich selbst davon mitnehmen? Und auch zuwissen, dass man damit nicht allein ist, kann schon sehr erleichtern.\“, berichtet Susanne Bresenitz, ein weiteres Mitglied im Vorstand der Angehörigengruppe.

Vor diesem Hintergrund wurde vor nunmehr 25 Jahren der Verein Angehörigengruppe Mittelhessen e.V. gegründet. Die Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die der Selbsthilfegruppe für ihr monatliches Treffen eigens einen Seminarraum zur Verfügung stellt, besteht sogar schon seit 1994. Dr. Bernd Hanewald:\“In der ersten dreiviertel Stunde begleite ich das Treffen mit Informationen zu Krankheitsbildern, Medikamenten oder etwa zu Fragen bei Ablösungsprozessen. In dieser Zeit steht auch eine pflegerische Mitarbeiterin aus dem Haus unterstützend zu Verfügung. Themenwünsche kommen auch gerne aus der Gruppe. Im Anschluss bleibt die Gruppe für weitere 45 Minuten in eigener Runde zusammen, um sich im Sinne einer Selbsthilfegruppeuntereinander auszutauschen.\“

Mit diesem Format bietet die Angehörigengruppe sowohl medizinische Informationen und Hintergründe als auch den Kontakt zu anderen Betroffenen und die Möglichkeit von deren Erfahrungen zu profitieren. Die Teilnahme an den rund 90-minütigen Treffen ist aber auch für die Mediziner ein Gewinn, erklärt Hanewald:\“Für uns ist es wichtig, dass unsere Ärztinnen und Ärzte in gewissen Abständen an der Gruppe teilnehmen und die Angehörigen mit ihren Sorgen und Fragen erleben. Die Hintergründe kennen zu lernen, hat tatsächlich einen Weiterbildungseffekt, der wichtig ist, da wir in der Klinik imRahmen stationärer Behandlungen häufig auch Angehörigengespräche anbieten.\“

Für Gerhard Weißler ist die räumliche und fachliche Anbindung an die Klinik ein großes Plus:\“Während andere Selbsthilfegruppen sich in Nebenräumen von Gaststätten treffen müssen, haben wir hier unseren eigenen Raum. Sogar im Aufzug findet man den Hinweis auf das Angehörigenbüro auf Ebene 2.Wir fühlen uns willkommen, gut aufgehoben und sind in jüngster Zeit sogar in Forschungsprojekte mit eingebunden.\“

Wer Kontakt zur Angehörigengruppe aufnehmen möchte, findet alle erforderlichen Infos unter https://www.angehoerige-mittelhessen.de

Pressekontakt:

Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM)
Christine Bode | Kommunikation | Pressesprecherin
T. +49 641 985- 40013 | christine.bode@uk-gm.de

Original-Content von: RHÖN-KLINIKUM AG, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 12. Februar 2026.

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Categories: Allgemein

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