Von 15.000 bis 200.000: Große Kontroverse um die Iran-Demo in München
Die von Behörden genannten Teilnehmerzahlen zur Demonstration iranischer Exilierter in München am Samstag, dem 14. Februar, haben eine Kontroverse ausgelöst und insbesondere in den sozialen Medien – sowohl unter Iranerinnen und Iranern als auch unter Fachleuten für solche Schätzungen – zu zahlreichen Debatten geführt.
Am Samstag, zeitgleich mit dem zweiten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz, veranstalteten iranische Exilierte auf dem großen Platz Theresienwiese eine Demonstration gegen die in Iran herrschende Theokratie. Bei der Kundgebung forderten die Teilnehmenden den Sturz des Regimes in Iran.
Zu den Rednern der Versammlung zählten Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs Irans, der 1979 durch eine Volksrevolution gegen ein diktatorisches und korruptes System gestürzt wurde, sowie der US-Senator Lindsey Graham (Republikaner, Bundesstaat South Carolina). Für die Kundgebung war bereits seit Wochen geworben worden.
Laut Berichten nannte die Münchner Polizei zunächst 15.000 Teilnehmende, anschließend 80.000 und schließlich überraschend 250.000.
Diese Angaben wurden von vielen Teilnehmenden, Aktivistinnen und Aktivisten in den sozialen Medien sowie von Personen, die die Veranstaltung online verfolgten, deutlich in Frage gestellt und haben umfangreiche Diskussionen ausgelöst.
Die Theresienwiese umfasst rund 420.000 Quadratmeter und fasst bei einer klassischen Berechnung in maximaler Kapazität und Dichte etwa 400.000 Menschen.
Viele Personen haben mit Luftaufnahmen, Fotos von oben und Long-Shots aus der Spitzenzeit der Veranstaltung darauf verwiesen, dass lediglich begrenzte Bereiche der Theresienwiese gefüllt gewesen seien, und damit die polizeiliche Einschätzung zur Größenordnung der Teilnahme ernsthaft angezweifelt.
Andere stellten die gemeldete Zahl durch Vergleiche mit der in der Vergangenheit an diesem Ort beobachteten Personendichte in Frage und argumentierten, die reale Teilnehmerzahl habe eher bei etwa 15.000 bis 20.000 gelegen. Auch mehrere Anwohner in der Umgebung der Theresienwiese, die sehr große Versammlungen an diesem Ort aus eigener Erfahrung kennen, erklärten, am Samstag keinerlei Anzeichen für ein derartiges Ausmaß wahrgenommen zu haben. Sie führten an, dass der Transport einer so großen, dicht gedrängten Menschenmenge erhebliche Belastungen für den Verkehr und die öffentlichen Verkehrsmittel Münchens hätte verursachen müssen – etwas, das sie nicht beobachtet hätten. Zudem habe es keinerlei Hinweise auf lange Reihen von Reisebussen gegeben, die eine derart hohe Zahl an Menschen plausibel hätten zum Veranstaltungsort bringen müssen.
Viele Aktivistinnen und Aktivisten haben der Münchner Polizei Schreiben übermittelt und eine Erklärung zu der genannten Zahl sowie zur Methode der Schätzung gefordert.
Zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteureäußerten zudem starke Sorge über extremistische und rassistische Inhalte im Rahmen der Kundgebung und verlangten eine Stellungnahme des Veranstalters, Munich Circle e.V.. Videoclips dokumentieren, dass Parolen wie\“Wir sind Arier, wir beten keine Araber an\“oder\“Tod den Linken\“von Teilnehmenden sowieüber Megafone der Organisatoren skandiert worden seien.
Reza Pahlavi war außerdem Gast eines begleitenden Gesprächsformats im Umfeld der Münchner Konferenz, moderiert von der bekannten CNN-Journalistin Christiane Amanpour. In diesem Gespräch wurde Pahlavi mit mehreren Fragen konfrontiert – unter anderem zu früheren Behauptungen, wonach sich zahlreiche Sicherheitskräfte in Iran ihm angeschlossen hätten, zur diktatorischen Bilanz seines Vaters sowie zu aggressiven Angriffen aus seinem Umfeld gegen andere iranische Aktivisten der Zivilgesellschaft in den sozialen Medien. Er wich klaren Antworten auf diese Fragen aus. In der anschließenden Sitzungdesselben Gesprächsformats sagte Senator Lindsey Graham, der Pahlavi zuvor in Washington getroffen hatte, auf die Frage, ob er als führender republikanischer Senator der US-Regierung empfehlen würde, Pahlavi zu unterstützen, ausdrücklich:\“Nein.\“
Pressekontakt:
Martin Patzelt, ehem. Mitglied des Deutschen Bundestages
E-Mail: martin.patzelt.dsfi@gmail.com
Original-Content von: Unabhängige Humanitäre Hilfe e.V. (UNHH e.V.), übermittelt durch news aktuell
Categories: Allgemein
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