Viele Betriebe warten zu lange–dabei ist frühzeitiges Handeln der Schlüssel

Engel: Die Lage ist angespannt, aber nicht hoffnungslos. Ich sehe zwei Gruppen von Betrieben: Die einen haben ihre Hausaufgaben gemacht– sie haben Liquiditätsreserven, eine aktive Forderungsverwaltung und frühzeitig mit ihren Banken gesprochen. Die andere Gruppe hat die Warnsignale ignoriert, bis es fast zu spät war. Besonders das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe leiden unter Umsatzrückgängen von 7,3% bzw.3,8%. Bei vielen Betrieben kommen jetzt die alten Corona-Hilfen zurück – Rückzahlungen, die genau dann fällig werden, wenn die Auftragsbücher leerer sind.
Redakteur: Welche Fehler sehen Sie am häufigsten, wenn Betriebe in die Krise geraten?
Jörg Engel: Der größte Fehler ist das Zu-lange-Warten. Viele Unternehmer hoffen, dass sich die Lage von selbst verbessert – aber Liquiditätsprobleme verschwinden nicht durch Hoffen. Ein weiterer Fehler: Sie versuchen, alte Schulden aus der aktuellen Liquidität zu bedienen. Das ist, als würde man ein leckes Boot mit einem Eimer leer pumpen, während neue Löcher entstehen. Die Devise muss lauten: Zuerst die aktuelle Betriebsfähigkeit sichern – Löhne, Miete, Material. Für Altlasten wie Corona-Kredite oder Finanzamtsforderungen müssen separate Verhandlungen geführt werden. Genau das beschreibe ich auch in meinem White Paper.
Redakteur: Sie haben ein White Paper zum Thema veröffentlicht. Was können sich Unternehmer darunter vorstellen?
Jörg Engel: Das White Paper „Liquiditätsengpass im Handwerksbetrieb überbrücken\“ist ein praxisorientierter Leitfaden– kein theoretisches Konstrukt. Es enthält konkrete Sofortmaßnahmen für die ersten 72 Stunden, eine Übersicht über Finanzierungsoptionen wie Betriebsmittelkredite oder Factoring, und vor allem einen ausführlichen Abschnitt zum Management von Altlasten. Besonders wichtig: Ichhabe Checklisten und Vorlagen integriert – etwa für Stundungsanträge beim Finanzamt oder für Gläubiger-Gespräche. Das Ziel ist, dass ein Unternehmer das White Paper lesen und am nächsten Tag konkret handeln kann.
Redakteur: Viele Betriebe scheuen den Gang zum Schuldencoach– aus Scham oder weil sie die Kosten fürchten. Ab wann macht externe Hilfe Sinn?
Jörg Engel:Der ideale Zeitpunkt ist immer früher als gedacht. Sobald ein Betrieb merkt, dass er Rechnungen nicht mehr termingerecht zahlen kann, Lieferanten mahnen oder die Bank zurückhaltend wird, sollte er handeln. Ein Schuldencoach oder Krisenberater kostet Geld – aber eine verschleppte Krise kostet ein Vielfaches mehr. Ich vergleiche das immer mit einem medizinischen Befund: Wenn derArzt sagt, Sie haben eine Entzündung, dann warten Sie auch nicht sechs Monate, bis es schlimmer wird. In meinem White Paper habe ich eine Checkliste aufgenommen, mit der Unternehmer selbst prüfen können, ob sie schon Warnsignale Stufe 2 oder 3 haben – also wirklich kritische Signale.
Redakteur: Was raten Sie einem Handwerksbetrieb, der gerade merkt:„Es wird eng\“? Welche drei Schritte sollten sofort kommen?
Jörg Engel: Erstens: Vollständige Transparenz schaffen. Alle Kontostände, alle offenen Forderungen, alle fälligen Verbindlichkeiten auf einen Tisch legen. Zweitens: Prioritäten setzen. Was muss diese Woche unbedingt bezahlt werden? Was kann verhandelt werden? Drittens: Gespräche führen – mit der Bank, mit den größten Gläubigern, mit dem Finanzamt. Viele Betriebe isolieren sich in der Krise, aber genau das Gegenteil ist nötig: Kommunikation. Im White Paper gibt es dafür konkrete Vorlagen – etwa ein Musteranschreiben für Gläubiger oder einen Stundungsantrag beim Finanzamt.
Redakteur: Herr Engel, vielen Dank für das Gespräch.
Jörg Engel: Gerne. Und ein letzter Satz: Eine Krise ist kein Schicksal – sie ist ein Signal. Wer dieses Signal ernst nimmt und strukturiert handelt, kann seinen Betrieb nicht nur retten, sondern langfristig stabiler aufstellen.
Hinweis: Das White Paper„Liquiditätsengpass im Handwerksbetrieb überbrücken\“steht als kostenloser Download zur Verfügung. Es enthält neben dem vollständigen Leitfaden auch Grafiken zur Liquiditätsplanung, Checklisten für die ersten 72 Stunden und praktische Vorlagen für Gläubiger-Gespräche.
Categories: Allgemein
No Responses Yet
You must be logged in to post a comment.