IINews



« | »

Studie: Ukraine richtet Wirtschaft auf EU aus

 

EU wichtigster Handelspartner Kiews; Chancen für Europa bei Rohstoffen, Rüstung und Erneuerbaren; Abhängigkeit von China bei Drohnen; ukrainische Wirtschaft in strukturellem Wandel

RusslandsÜberfall vor vier Jahren hat zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Wirtschaft der Ukraine auf die Europäische Union geführt. Im Zuge dessen hat sich auch ihre Struktur gravierend verändert. Für Europa birgt der ökonomische Wandel in der Ukraine große Chancen. Diese liegen vor allem in den Bereichen Drohnenproduktion und Verteidigungsindustrie, kritische Rohstoffe wie Seltene Erden und erneuerbare Energien. Das sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw).

„Um das volle Potenzial zu heben und gegenüber den USA nicht ins Hintertreffen zu geraten, täte die EU gut daran, in der Ukraine einen entschlossenen, koordinierten und umfassenden Ansatz zu verfolgen“, sagt Olga Pindyuk, Ukraine-Expertin des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und Autorin der Studie. Andernfalls könnten ihre wirtschaftlichen und strategischen Interessen unter die Räder kommen, wie das Rohstoffabkommen der USA mit der Ukraine zeige, so Pindyuk.

Für die Untersuchung hat sich Pindyuk die Handels- und Investitionsströme der Ukraine vor und nach Beginn des russischen Überfalls im Februar 2022 angesehen. Bemerkenswert dabei ist, dass der Außenhandel mittlerweile hauptsächlich mit der EU abgewickelt wird. Der Anteil der EU an den ukrainischen Exporten stieg von 36% im Jahre 2021 auf nicht weniger als 57% im Jahr 2024. Das hat auch mit dem Abbau von Hindernissen für den Handel zwischen der EU und der Ukraine im Gefolge des russischen Überfalls zu tun. Bekanntermaßen gewährte die EU großzügige Ausnahmeregelungen und Zollerleichterungen, um die ukrainische Wirtschaft zu stützen.

Große Abhängigkeit von China bei Drohnen

Gleichzeitig ging die Bedeutung Chinas als Absatzmarkt für ukrainische Waren zurück. Dennoch geriet die ukrainische Rüstungsindustrie – insbesondere bei der Produktion von Drohnen, die im Verteidigungskrieg gegen Russland eine zentrale Rolle spielen – in eine erhebliche Abhängigkeit von chinesischen Zulieferungen und Bauteilen.

„Sollte China – der momentan wohl der engste Verbündete Russlands – eines Tages zum Schluss kommen, dass seinen Interessen besser gedient ist, wenn es den Nachschub an Komponenten für die ukrainische Drohnen- und Rüstungsproduktion einschränkt oder abdreht, könnte die Ukraine in ernsthafte militärische Schwierigkeiten geraten”, warnt Pindyuk.

Sie empfiehlt der EU daher eine noch engere Kooperation mit der Ukraine, um insbesondere bei Drohnen unabhängiger von China zu werden. Erreicht werden könnte dies mit der Einbindung der ukrainischen Drohnenproduzenten in europäische Lieferketten und das europäische Beschaffungswesen für Rüstungsgüter sowie langfristige Verträge mit der Industrie.

Die Ukraine könnte der EU im Gegenzug dabei helfen, durch ihre großen eigenen Vorkommen bei Seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen wie Lithium oder Titan unabhängiger von China und anderen Lieferländern zu werden. Seltene Erden sind für die Digitalisierung und grüne Technologien aberauch für die Rüstungsindustrie essenziell. China verfügt heute de facto über ein Monopol bei ihrer Verarbeitung und hat diese Sonderstellung auch schon als Druckmittel im Handelsstreit mit den USA eingesetzt.

Was die ausländischen Direktinvestitionen betrifft, liegt die Ukraine nach wie vor weit unter ihren Nachbarländern, was natürlich auch mit der schwierigen Sicherheitslage zu tun hat. Allerdings waren die niedrigen Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen schon vor der russischen Invasion einProblem für die Wirtschaft. Die Bestände an ausländischen Direktinvestitionen erreichen in der Ukraine pro Kopf mit rund 1.100 US-Dollar nur rund ein Fünftel des Bestandes in Rumänien und sogar nur ein Sechstel der Bestände in Polen oder Bulgarien. Sogar in der Republik Moldau liegen sie pro Kopf um 50% höher als in der Ukraine.

Robuste Landwirtschaft und größere Rolle des Staates

Strukturell gab es durch den russischen Angriffskrieg große Veränderungen in der ukrainischen Wirtschaft. Als besonders robust hat sich die Landwirtschaft erwiesen, trotz großer Verluste an Agrarflächen und den ständigen Angriffen auf die ukrainische Verkehrsinfrastruktur. Im Jahr 2024 erreichten die Ausfuhren von Agrarprodukten wertmäßig fast wieder das Vorkriegsniveau von 2021.

Schwere Einbußen gab es hingegen bei der Schwerindustrie und in der Metallurgie sowie im Bergbau. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich diese Wirtschaftszweige auf den vom Krieg besonders betroffenen Osten der Ukraine konzentrieren. Stark expandiert hat hingegen der öffentliche Sektor, der sich von 6%des BIP im Jahr 2021 auf rund 20% der Wirtschaftsleistung im Jahr 2024 mehr als verdreifacht hat. „Darin spiegeln sich die enormen Aufwendungen für das Militär und die Rüstungsindustrie im anhaltenden Verteidigungskampf gegen Russland“, erläutert Pindyuk.

Als zukunftsträchtigen Sektor identifiziert die Studie den Bereich Dienstleistungen, vor allem in der IT. In der Informationstechnologie verfügt die Ukraine über große Wettbewerbsvorteile durch hochqualifizierte Fachkräfte in Kombination mit niedrigen Löhnen. „Dadurch ist es gelungen, eineinternational erfolgreiche IT-Industrie aufbauen, die Europa dabei helfen könnte, seinen technologischen Rückstand in diesem Bereich gegenüber den USA und China aufzuholen“, konstatiert Pindyuk.

Die gesamte Studie steht hier zur Verfügung DOWNLOAD (https://wiiw.ac.at/structural-shifts-in-ukraine-s-foreign-trade-and-investment-and-implications-for-eu-ukraine-relations-dlp-7522.pdf)

Pressekontakt:

Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw)
Mag. Andreas Knapp
Telefon: +43 680 1342 785
E-Mail: knapp@wiiw.ac.at

Original-Content von: Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), übermittelt durch news aktuell

Posted by on 24. Februar 2026.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , ,

Categories: Allgemein

No Responses Yet

You must be logged in to post a comment.

« | »




Neueste Beiträge


Seiten



fabino - News von Erzeugern und Herstellern von Lebensmitteln, Getränken und Zutaten