StimmungsBAUrometer 2025: Baubranche im Anpassungsmodus
Wesseling, 26. Februar 2026– 73 Prozent der Bauunternehmen bewerten ihre Geschäftslage 2025 als gut oder eher gut (Abb. 1) – damit bleibt die Branche mehrheitlich stabil, erreicht jedoch nicht mehr das Niveau der Vorjahre (2023 und 2024: jeweils 81 Prozent; 2022: 86 Prozent). Für das StimmungsBAUrometer 2025 hat die Unternehmensberatung BauPlus GmbH Consulting gemeinsam mit dem Berater-Team Bau e.V. deutschlandweit Unternehmen unterschiedlicher Größen und Wirtschaftszweige aus der Baubranche anonym zu ihrer aktuellen Lage sowie zu ihren Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 befragt; mehr als130 Unternehmen beteiligten sich an der Erhebung. „Die Bauwirtschaft befand sich 2025 in einem Anpassungsmodus. Es war kein Boomjahr, aber auch kein flächendeckendes Krisenjahr. Viele Unternehmen arbeiteten intensiv an ihrer internen Stabilisierung – an Effizienz, Prozessen und strategischer Neuausrichtung“, ordnet Dr. Michael Rheindorf, Geschäftsführer bei BauPlus, die Ergebnisse ein.
2025: Stabilisierung bei anhaltenden Strukturthemen
Ein differenzierteres Bild zeigt die sogenannte Heatmap-Auswertung (Abb. 2). Während 2024 noch eine nahezu gleichverteilte Stimmungslage vorlag, verschieben sich die Einschätzungen 2025 stärker in Richtung positiver Erwartung bei teils herausfordernder aktueller Lage. „Die Branche zeigt damit keine Rezessionsdynamik, sondern eine Phase der Neujustierung“, sagt Michael Schwinn, Berater und Prokurist bei BauPlus und verantwortlich für das BAUrometer.
Strukturell haben sich die größten Herausforderungen im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Politische Rahmenbedingungen (62 Prozent ungelöst, Abb. 3), wie beispielsweise die bislang nicht spürbare Umsetzung angekündigter Investitions- und Reformmaßnahmen, und lange Genehmigungszeiten (56 Prozent ungelöst) zählen weiterhin zu den dominierenden Problemfeldern. Auch der Fachkräfte- und Personalmangel bleibt ein zentrales Sorgenkind: 45 Prozent der Unternehmen sehen hier weiterhin keine Lösung (Abb. 4). Zusätzlich verschärfen steigende Fehlzeiten die Situation in vielen Betrieben.
Konjunkturelle Sondereffekte wie Materialverfügbarkeit oder Lieferketten spielen hingegen kaum noch eine Rolle. Auch Finanzierungsfragen verlieren an Gewicht: Die Bewertung von Zinsentwicklungen und Liquiditätsrisiken fällt deutlich geringer aus als im Vorjahr. „Die Branche zeigt sich robuster als 2024. Finanzierungsthemen dominieren nicht mehr das Stimmungsbild. Gleichzeitig bleibt die Bauwirtschaft stark abhängig von politischen und investiven Impulsen“, so Schwinn.
Deutliche Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen
Die Spreizung innerhalb der Branche bleibt 2025 bestehen. Im Tiefbau liegt der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als gut oder eher gut bewerten, mit rund 80 Prozent über dem Durchschnitt; Infrastruktursparten wie Straßen- und Bahnbau erreichen sogar 86 Prozent positive Einschätzungen. Im Wohnungsbau hingegen liegen die Positivwerte unter 60 Prozent, begleitet von einem erhöhten Anteil negativer Bewertungen. Der Rohbau zeigt sich ausgeglichen – positive und negative Einschätzungen halten sich nahezu die Waage. Auch die Unternehmensgröße wirkt stabilisierend: Während 65 Prozent der Kleinstunternehmen ihre Geschäftslage positiv bewerten, sind es bei Großunternehmen über 80 Prozent.
2026: Erwartungen hellen sich auf
Die Prognose für 2026 zeigt eine spürbare Stabilisierung (Abb. 5). 28 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, nur noch 17 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Damit halbiert sich der Anteil klar pessimistischer Erwartungen nahezu im Vergleich zu 2024. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Unternehmen, die einen Anstieg der Mitarbeiterzahl planen, im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 12 Prozent erhöht.
Politische Rahmenbedingungen bleiben auch 2026 das dominierende Risiko, insgesamt fällt die Risikointensität jedoch geringer aus als in den Vorjahren. Der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Thema, während Finanzierungsthemen branchenweit weniger stark belasten.
Fokus auf Effizienz, Organisation und Technologie
Viele Unternehmen nutzen die aktuelle Phase zur internen Weiterentwicklung. Prozessoptimierung, organisatorische Anpassungen und eine stärker zahlenbasierte Unternehmenssteuerung gewinnen an Bedeutung.
Digitalisierung wird weiterhin mehrheitlich als Chance eingeordnet. Auch die strategische Relevanz von Künstlicher Intelligenz nimmt weiter zu. Insbesondere in der Kalkulation sowie weiteren kaufmännischen Bereichen – etwa in Angebotswesen, Verwaltung, Buchhaltung und Controlling – erwarten Unternehmen Effizienzgewinne. Direkt operative Baustellenprozesse stehen bislang weniger im Fokus.
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