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Sicherung der Liquidität steht vor Schuldentilgung

 

Redakteur: Herr Engel, Sie arbeiten mit vielen Selbständigen und Freelancern mit Schulden. Was ist das typische Bild, wenn jemand zum ersten Mal zu Ihnen kommt?
Herr Engel: Viele kommen zu mir, wenn das Konto längst im roten Bereich ist und die Angst dominiert. Sie haben „Freelancer Schulden“ oder „Selbständige Schulden“ aus Steuern, Krankenkasse, Lieferantenrechnungen – und das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken. Nach außen laufen die Projekte oft noch, aber innenbrennt es lichterloh.

Redakteur: Sie sagen häufig den Satz: „Liquidität vor Schuldentilgung.“ Was meinen Sie damit genau?
Herr Engel: Wenn ein Selbständiger seine gesamte Liquidität sofort in die Schuldentilgung steckt, zerstört er damit oft seine eigene Handlungsfähigkeit. Dann ist kein Geld mehr da für Miete, Versicherungen, Tools, Marketing oder den eigenen Lebensunterhalt. Und ohne funktionsfähiges Business gibt es langfristig keine Chance, Schulden abzubauen.

Redakteur: Das klingt erst einmal kontraintuitiv– Gläubiger wollen ja bezahlt werden.
Herr Engel: Natürlich. Aber Gläubiger haben mehr von einem Schuldner, der in zwei, drei Jahren wieder solide verdient, als von jemandem, der morgen zahlungsunfähig ist. Mein Ansatz ist: Erst die Liquidität sichern, die Firma stabilisieren – dann planbar und ehrlich Schulden regulieren. Das ist wirtschaftlich sinnvoller und moralisch sauberer, als bis zum letzten Cent zu zahlen und dann doch in die Insolvenz zu rutschen.

Redakteur: Wann empfehlen Sie„sanieren statt Insolvenz“?
Herr Engel: Immer dann, wenn das Geschäftsmodell grundsätzlich funktioniert oder wieder zum Laufen gebracht werden kann. Viele Freelancer und Selbständige haben keine Umsatz-, sondern vor allem Struktur- und Liquiditätsprobleme: zu niedrige Preise, schlechte Vertragspraxis, zu hohe Fixkosten, fehlende Rücklagen. Wenn wirdiese Punkte anpacken, kann man „Freelancer Schulden“ oder „Selbständige Schulden“ oft ohne sofortiges Insolvenzverfahren in den Griff bekommen.

Redakteur: Wie gehen Sie dabei konkret vor?
Herr Engel: Zuerst kommt die schonungslose Bestandsaufnahme: Einnahmen, Ausgaben, Schulden, Verträge. Dann priorisieren wir: Welche Zahlungen sichern das Überleben der Firma? Wo können wir Raten oder Stundungen verhandeln? Parallel schauen wir, wie sich das Geschäft schnell stabilisieren lässt – etwa durch Fokussierung auf profitable Leistungen oder klare Preisanpassungen. Am Ende steht ein realistischer Plan, der beides verbindet: Firmenrettung und Schuldenabbau.

Redakteur: Kritiker sagen manchmal:„Wer Schulden hat und erst die eigene Liquidität schützt, drückt sich vor Verantwortung.“ Was entgegnen Sie?
Herr Engel: Verantwortung heißt für mich, ehrlich auf die Zahlen zu schauen und eine Lösung zu wählen, die dauerhaft trägt. Wenn ein kleiner Selbständiger aus Angst vor Vorwürfen seine eigene Existenz zerstört, hilft das weder ihm noch den Gläubigern. Verantwortungslos ist es eher, ohne Plan weiterzuwursteln, bis nichts mehr geht.

Redakteur: Sie sprechen also von einer moralischen Pflicht zur Sanierung?
Herr Engel: Ja. Wer als Unternehmer Verantwortungübernimmt, muss dafür sorgen, dass sein Geschäft überlebensfähig bleibt. Dazu gehört, die eigene Arbeitskraft und die Liquidität zu schützen. Nur dann kann man Gläubiger später fair bedienen. Moralisch problematisch fände ich es, sich wegzuducken, Vermögen zu verschieben oder leichtfertig Versprechen zu machen, die man nie halten kann. Seriöse Sanierung ist das Gegenteil: Transparenz, klare Grenzen und machbare Zusagen.

Redakteur: Sie sprechen in Ihrer Beratung auch gelegentlich die Option Ausland an. Viele denken da sofort an„Flucht vor den Schulden“. Wie sehen Sie das?
Herr Engel: Man muss trennen: Es gibt dubiose Angebote, die suggerieren, man könne einfach ins Ausland gehen, alles zurücklassen und sei alle Schulden los. Das ist rechtlich wie moralisch höchst problematisch. Aber es gibt auch legitime Fälle, in denen eine Verlagerung der Tätigkeit oder des Firmensitzes ins Ausland Teil einer seriösen Neuausrichtung ist – etwa, wenn Kunden und Märkte tatsächlich überwiegend im Ausland liegen oder dort bessere rechtliche Rahmenbedingungen für eine Sanierung bestehen.

Redakteur: Und warum meinen Sie, dass gerade kleinen Selbständigen und Freelancern diese Option nicht von vornherein abgesprochen werden darf?
Herr Engel: Großkonzerne praktizieren Standortverlagerungen seit Jahrzehnten – sei es aus steuerlichen Gründen, wegen Arbeitskosten oder rechtlicher Rahmenbedingungen. Niemand würde ernsthaft sagen: „Das ist grundsätzlich moralisch verboten.“
Wenn ein kleiner Freelancer oder eine Einzelunternehmerin in einerähnlichen Situation ist – etwa, weil ein anderer EU-Staat ein realistischeres Sanierungsumfeld bietet oder der Hauptmarkt dort liegt –, halte ich es für völlig legitim, diese Option zu prüfen. Es darf nicht sein, dass internationale Strategien nur für Konzerne „erlaubt“ sind, während man den Kleinen ein schlechtes Gewissen macht, wenn sie überhaupt darüber nachdenken. Entscheidend sind Rechtstreue, Transparenz und der ernsthafte Wille, die eigene Existenz auf eine seriöse Basis zu stellen.

Redakteur: Was sagen Sie Gläubigern, die das vielleicht als „Trickserei“ empfinden?
Herr Engel: Gute Gläubigerkommunikation ist zentral. Ich vertrete klar die Position: Ein Schuldner, der offen kommuniziert, einen realistischen Sanierungsplan vorlegt und sich an Vereinbarungen hält, handelt fair. Das kann auch bedeuten, dass er seinen Standort verändert, sein Geschäftsmodell anpasst oderneue rechtliche Rahmenbedingungen nutzt – solange er nicht einfach versucht, sich heimlich seiner Verpflichtungen zu entziehen.

Redakteur: Das heißt, auch bei einer Verlagerung ins Ausland kann Verantwortung gewahrt bleiben?
Herr Engel: Genau. Wenn eine Verlagerung sauber geplant, rechtlich korrekt und mit Blick auf eine langfristig tragfähige Tätigkeit erfolgt, kann das im Interesse aller sein: Der Unternehmer sichert seine Existenz, bleibt handlungsfähig und kann in einem klaren Rahmen leisten, was wirtschaftlich möglich ist. Die Alternative wäre oft: Totalausfall, jahrelange Überschuldung und am Ende doch eine Insolvenz ohne nennenswerte Quote.

Redakteur: Was raten Sie jemandem, der diesen Text liest und sich wiedererkennt: Freelancer Schulden, Selbständige Schulden, Angst vor Insolvenz?
Herr Engel: Der wichtigste Schritt ist: Holen Sie sich frühzeitig Hilfe. Warten Sie nicht, bis Konten gesperrt sind oder der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht. Je früher wir sprechen, desto größer ist die Chance, Ihre Firma zu retten und Ihre Schulden geordnet zu regulieren – ob durch eine nationale Sanierung, einen Vergleich oder,in seltenen Fällen, durch eine seriös vorbereitete Lösung mit Auslandsbezug.

Redakteur: Und was können Betroffene konkret von Ihnen erwarten?
Herr Engel: Eine ehrliche Analyse, einen klaren Plan und eine Begleitung, die sowohl die wirtschaftliche als auch die moralische Dimension ernst nimmt. Ich helfe Ihnen, Ihre Liquidität zu schützen, Ihre Optionen – einschließlich Ausland – sauber zu prüfen und einen Weg zu wählen, den Sie vor sich selbst und Ihren Gläubigern vertreten können.

Redakteur: Herr Engel, vielen Dank für das Gespräch.

Posted by on 12. Juni 2026.

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Categories: Allgemein

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