Pleite oder Verkauf? Warum so viele Unternehmen keinen Weg aus der Nachfolgekrise finden
In vielen deutschen Unternehmen herrscht Alarmstufe Rot: Tausende Chefs gehen in Rente, aber niemand willübernehmen. Die Nachfolgekrise trifft Handwerk, Mittelstand und Traditionsbetriebe gleichermaßen. Wo früher Familienmitglieder oder motivierte Mitarbeiter einsprangen, entsteht heute eine Lücke, die Firmen in Existenznot bringt. Viele stehen vor der brutalen Entscheidung: verkaufen oderschließen? Und oft bleibt am Ende nur die Insolvenz.
Ganze Branchen gehen verloren, weil es an Nachfolgern fehlt. Viele Firmen sind gesund, aber ohne passendeÜbergabe schlicht nicht überlebensfähig. Wer jetzt nicht aktiv Lösungen sucht, wird vom Markt gefegt. Dieser Beitrag zeigt, warum so viele Unternehmen keine Nachfolger finden.
Verkauf kommt oft zu spät ins Spiel
In der Praxis zeigt sich immer wieder ein zentrales Problem: Der Unternehmensverkauf wird häufig erst dann in Betracht gezogen, wenn die wirtschaftliche Lage bereits angespannt ist. Dabei gilt das Gegenteil als Erfolgsfaktor. Unternehmen lassen sich am besten veräußern, solange sie stabile oder zumindest ausgeglichene Zahlen vorweisen können. Selbst eine schwarze Null kann ausreichen, sofern das Geschäftsmodell tragfähig ist, eine klare Marktposition besteht oder ein belastbarer Kundenstamm vorhanden ist.
Dennoch warten viele Unternehmer zu lange. Statt frühzeitig Optionen zu prüfen, wird die Nachfolgefrage verdrängt oder vertagt. Sobald Umsätze sinken und Margen unter Druck geraten, verschlechtert sich jedoch die Verhandlungsposition erheblich. Potenzielle Käufer werden vorsichtiger, während Handlungsspielräume schrumpfen.
Fehlende Exit-Strategien verschärfen die Krise
Ein weiteres strukturelles Defizit liegt in der mangelnden Vorbereitung. In vielen Betrieben existiert kein klarer Exit-Plan. Dabei wäre es gerade in wirtschaftlich erfolgreichen Phasen sinnvoll, sich regelmäßig mit grundlegenden Fragen auseinanderzusetzen: Wann könnte ein Verkauf sinnvoll sein? Welche Szenarien kommen infrage? Und wer könnte als Käufer überhaupt in Betracht gezogen werden?
Ohne diese strategische Vorarbeit geraten Unternehmer in eine reaktive Rolle. Wennäußere Faktoren wie Branchenkrisen, technologische Umbrüche oder geopolitische Veränderungen hinzukommen, bleibt oft kaum Zeit, um tragfähige Alternativen zu entwickeln. Besonders in Branchen mit strukturellem Abschwung zeigt sich dieses Muster deutlich.
Wenn ganze Branchen unter Druck geraten
Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung macht das Ausmaß sichtbar. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen seit Jahren unter massivem Transformationsdruck. Ähnliches gilt für Teile der Chemieindustrie. In solchen Fällen ist nicht mehr das gesamte Unternehmen automatisch verkäuflich. Stattdessen rücken einzelne Stärken in den Fokus: technisches Know-how, eingespielte Prozesse, qualifizierte Fachkräfte oder spezialisierte Geschäftsbereiche.
Gerade hier liegt jedoch eine häufig unterschätzte Chance. Auch wenn das ursprüngliche Kerngeschäft an Bedeutung verliert, können Teilbereiche weiterhin attraktiv sein. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Potenziale rechtzeitig erkannt und aktiv weiterentwickelt werden.
Insolvenz bedeutet nicht zwangsläufig Stillstand
Sobald ein Insolvenzverwalter eingebunden ist, wird die Situation komplexer, aber nicht zwangsläufig aussichtslos. Zwar sind Entscheidungen dann stärker reglementiert, dennoch besteht häufig ein gemeinsames Interesse daran, möglichst viel Substanz zu erhalten. Dazu zählen Arbeitsplätze ebenso wie technisches Wissen und funktionierende Betriebseinheiten.
In diesem Kontext gewinnen Teilverkäufe an Bedeutung. Unternehmen können einzelne Sparten abstoßen, während andere Bereiche restrukturiert oder neu ausgerichtet werden. Besonders in Zeiten geopolitischer Umbrüche entstehen dabei unerwartete Überschneidungen zwischen Industrien, die zuvor wenig Berührungspunkte hatten.
Fachkräfte bleiben ein entscheidender Wertfaktor
Ein Aspekt wird in deröffentlichen Debatte oft unterschätzt: der Wert der Mitarbeiter. Vor allem qualifizierte Fachkräfte sind branchenübergreifend gefragt. Ob im klassischen Maschinenbau, in der Automobilproduktion oder in der Rüstungsindustrie – technische Fähigkeiten, Produktionskompetenz und industrielle Erfahrung lassen sich vielfach übertragen.
Entsprechend kommt es zunehmend vor, dass ganze Abteilungen oder Standorte von Unternehmen aus anderen Branchenübernommen werden. Der Fokus liegt dabei weniger auf dem bisherigen Produkt als auf dem vorhandenen Know-how. Für betroffene Betriebe kann das eine realistische Alternative zur vollständigen Schließung darstellen.
Nachfolgekrise als strategische Herausforderung
Die aktuelle Nachfolgekrise ist daher kein rein demografisches Problem. Sie ist vor allem Ausdruck fehlender strategischer Planung und unzureichender Anpassung an veränderte Marktbedingungen. Unternehmen, die frühzeitig über Verkaufsszenarien nachdenken, ihre Stärken klar definieren und flexibel auf Branchenverschiebungen reagieren, erhöhen ihre Überlebenschancen deutlich.
Wer hingegen abwartet, riskiert, dass Entscheidungen nicht mehr selbstbestimmt getroffen werden können. In vielen Fällen entscheidet dann nicht mehr die unternehmerische Vision, sondern der äußere Druck über die Zukunft des Betriebs. Genau darin liegt die eigentliche Dramatik der aktuellen Entwicklung.
Über Fabian Zamzau und Michael Polit:
Fabian Zamzau und Michael Polit sind die Geschäftsführer der Otter Consult GmbH. Sie unterstützen Unternehmer dabei, einen qualifizierten Nachfolger für ihren Betrieb zu finden, um ihn im Anschluss gewinnbringend an den Interessenten zu verkaufen. Das Team der Otter Consult GmbH begleitet seine Kunden hierbei bei allen wichtigen Prozessen und Entscheidungen und betreut sie vollumfänglich bis zum Verkauf. Weitere Informationen unter: https://otterconsult.de/
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Vertreten durch: Fabian Zamzau&Michael Polit
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