Pflichtaufgaben und Chancen für die Versicherungsbranche im Jahr 2026

1. KI-Skalierung wird zum Erfolgsfaktor: 2026 wird es für Versicherer darum gehen, KI weiter zu skalieren und stärker in Kernprozesse wie Underwriting, Schadensbearbeitung, Betrugserkennung und Kundenservice zu integrieren. Obwohl sich der Fachkräftemangel leicht abschwächt, ist das dringend notwendig, um effizienter zu werden und dem hohenMargendruck in der Branche zu begegnen. Zumal KI auch von Kundinnen und Kunden sehr gut angenommen wird: Viele Menschen nutzen beispielsweise KI-basierte Mental-Health-Apps wie Alera, um individuelle Unterstützung zu erhalten, und teilen dabei sehr persönliche Daten. Datenschutz wird dabei oftnachrangig bewertet, wenn der Nutzen der KI-Anwendung klar erkennbar ist – diesen Wandel sollten Versicherer verstehen und gezielt für sich nutzen. Besonders groß ist das Potenzial von Agentic AI, die in den nächsten Jahren viele Entscheidungen im Arbeitsalltag autonom treffen können wird. Voraussetzung dafür sind allerdings ein „Trusted AI“-Ansatz mit menschlicher Aufsicht und erklärbaren, überprüfbaren KI-Ergebnissen sowie die weitere Modernisierung von Legacy-Systemen und eine hohe Datenqualität.
2. Partnerschaften gewinnen durch Open Finance an Bedeutung: Mit der FiDA-Verordnung (Financial Data Access) verpflichtet die EU Finanzdienstleister zu einem Datenaustausch, was Versicherern große Chancen eröffnet. Sie können ihre Angebote mithilfe der Daten, die sie von Dritten beziehen, stärker personalisieren und innovative neue Angebote entwickeln. Dafür dürfen Versicherer die Verordnung allerdings nicht als lästige Pflicht betrachten und lediglich die Erfüllungder Anforderungen anstreben – das würde sie auf die Rolle als Datenlieferant beschränken. Neue Geschäftsmodelle und innovative Services entstehen nur, wenn sie Datenpartnerschaften aufbauen und Teil von Ökosystemen werden.
3. Embedded Insurance wird zum Wachstumstreiber:Ähnlich gelagert wie Open Finance ist das Geschäft mit Embedded Insurance, also die Integration von Versicherungsdiensten in die Produkte und Services anderer Unternehmen. Dieser Bereich ist einer der Wachstumstreiber der Branche und erlaubt es Versicherern, potenzielle Kundinnen und Kunden genau dort zu erreichen, wo sie ohnehin digital unterwegs sind und unmittelbaren Bedarf an Versicherungsschutz haben: beim Kauf teurer Elektronikartikel (Geräteversicherung oder Garantieverlängerung), beim Buchen von Reisen (Stornoversicherung) oderbeim Abonnieren von Mobilitätsservices (Pay-per-Use-Kfz-Versicherung). Auch Cyber- und Haftpflichtversicherungen werden zunehmend über digitale Plattformen und Marktplätze von Dritten abgeschlossen, wie überhaupt der größte Teil des Embedded-Geschäfts online stattfindet. Weil sich Deckungen datengetriebengut ermitteln lassen und die Akquisekosten gering sind, ist das Business attraktiv und als Umsatz- und Margentreiber nicht zu unterschätzen.
4. Der Regulierungsdruck wächst und wächst: Mit dem EU AI Act und der EIOPA Opinion, die die Governance-Anforderungen auch für KI-Systeme mit begrenzten oder minimalen Risiken präzisiert, ist der regulatorische Rahmen für den KI-Einsatz abgesteckt. Nun muss die Umsetzung erfolgen, da etwa beim AI Act im neuenJahr die Fristen für Hochrisiko-Systeme ablaufen. Darüber hinaus müssen Versicherer den Digital Operational Resilience Act (DORA) weiter angehen, der neue Standards für IT-Resilienz, Drittparteienmanagement und Incident Reporting definiert, und sich auf die FiDA-Verordnung vorbereiten, die voraussichtlich ab 2027 zu erfüllen ist. Es gibt in regulatorischen Fragen also viel zu tun, zumal die BaFin zunehmend auf Diskriminierungsrisiken durch automatisierte Entscheidungen hinweist und Nachweise für Fairness und Nachvollziehbarkeit einfordert. Der Regulierungsdruck nimmt damit weiter zu – ist für Versicherer aber auch eine Chance, sich über die reine Compliance hinaus als vertrauenswürdige Anbieter zu positionieren und innovative Produkte, Services und Partnerschaften zu gestalten.
5. Gen Z rückt in den Fokus, aber die Silver Economy wächst: Die Verbesserung der Customer Experience (CX) ist für die meisten Versicherer eine strategische Priorität – nicht zuletzt, um die digital-affine Generation Z besser ansprechen zu können. Investments fließen daher verstärktin zentrale Engagement-Plattformen und KI-basierte Assistenten für die Beratung und Schadensmeldung. Dennoch wird sich das Geschäft nicht völlig auf die digitalen Kanäle der Versicherer verlagern: Zum einen bleibt der persönliche Kontakt mit Maklern und Vertretern gerade in Deutschland äußerst wichtig, zum anderen werden Kundinnen und Kunden immer älter, sodass die Präferenzen der Silver Economy ein hohes Gewicht haben. Entscheidend für den Erfolg von Versicherern ist somit ein starker Hybrid-Vertrieb, digital und persönlich, bei dem die CX auf allen Kanälenmodernisiert wird – ohne jedoch komplett auf Apps&Co. zu wechseln.
6. Klima-Risiken verlangen nach neuen Ansätzen: Die Klimakrise mit ihren immer häufiger auftretenden Extremwetterereignissen stellt Versicherer vor neue Herausforderungen bei der Modellierung und Absicherung von Risiken. Frühwarnsysteme und parametrische Lösungen, die Wetterdaten wie Niederschlagsmengen, Windstärken und Temperaturen auswerten und in Underwriting sowie Schadensmanagement integrieren, gewinnen an Bedeutung. Die Versicherungsbranche setzt sich dafür ein, dass Prävention und Eigenvorsorge gestärkt werden, bevor eine Pflichtversicherung für Elementarschäden eingeführt wird. Die politischeDiskussion um eine solche Pflichtversicherung ist weiterhin offen; die Branche fordert, dass gezielte Präventionsmaßnahmen und baulicher Schutz Vorrang haben sollten.
„Versicherer stehen 2026 vor der Herausforderung, durch Digitalisierung und Automatisierung weitere Effizienzpotenziale zu erschließen, um ihre Margen in einem fragilen makroökonomischen Umfeld und angesichts steigender Klimarisiken zu stabilisieren“, betont Elischa Göttmann, Principal Solutions Consultant bei Pegasystems. „Künstliche Intelligenz und datengetriebene Services sind dabei die entscheidenden Helfer, müssen aber mit Fokus auf Governance und Compliance umgesetzt werden. Darüber hinaus steckt in Partnerschaften und der Teilhabe an digitalen Plattformen, Markplätzen und Ökosystemen weiterhin Wachstumspotenzial – dennoch lautet das Motto eher‚Back to the Core‘, also den Fokus auf das Kerngeschäft auszurichten.“
Dieses Listicle und das Bild in höherer Auflösung können unter www.brandmacher.de/company/pegasystems abgerufen werden.
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