\“nd.DieWoche\“: Der Spritpreis wirkt – Kommentar zur Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn

Aber ein Fahrgastplus ist natürlich gerade mit Blick auf die Verkehrswende eine sehr gute Nachricht. Zumal es sich nicht nur um zusätzliche Einmalfahrten, angeregt durch Schnäppchen, handelt, sondern vor allem um verlagerten Verkehr von der Straße. Bahnchefin Evelyn Palla verweist auf größere Nachfrage auf Pendlerstrecken, weil Berufstätige wegen der hohen Benzinkosten das Auto stehen ließen. Dass der Spritpreis wirkt, ist übrigens auch durch sozialwissenschaftliche Untersuchungen gut belegt.
Ob der neue Verkehrsminister Steffen Bilger und auch andere Kabinettsmitglieder diese Botschaft verstehen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Anders als bisher müssten die Infrastruktur-Milliarden vorrangig der Schienensanierung zugutekommen und dürften auf keinen Fall in den Ausbau von Straßen gesteckt werden. Zudem sind dauerhaft hohe Spritpreise wünschenswert, auch wenn das in bestimmten, meinungsstarken Kreisen extrem unpopulär ist und kein Politiker das derzeit in den Mund nimmt. Auch weil es mit einem höheren CO2-Preis natürlich nicht getan ist: Der städtische Nahverkehr müsste ausgebaut und preiswerter werden. Zudem müssten gerade auf dem Land, wo es für Pkw kaum Alternativen gibt, Elektroautos für niedrige Einkommen bezahlbar werden.
Die positive Entwicklung bei der DB darf auch nicht dem Zufall wie Donald Trumps Kriegsbefehlenüberlassen bleiben. Es braucht eine gut organisierte und gesteuerte Bahn für Fahrgäste wie für Beschäftigte. Und den Klimazielen würde dies auch helfen. Das wäre mal eine Reform, die ihren Namen verdient und die der DB wie auch ihrem Ruf sehr guttun würde.
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