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\“nd.DerTag\“: Weggehen und dableiben – Kommentarüber die AfD-Zustimmung im Osten und den Widerstand dagegen

 

Wieder einige weniger: Der Modedesigner André Markov, sein Ehemann und seine Mitarbeiter kehren Görlitz und dem Osten den Rücken. Sie verzweifelten am Rechtsruck in der Region, am wachsenden antidemokratischen Ungeist und einer weitverbreiteten Ablehnung alles und aller Fremden. Man wolle sich nicht länger umgeben mit Menschen, die\“andere Menschen diffamieren, beschimpfen, ausgrenzen und bedrohen\“, schreibt der Urenkel eines KZ-Häftlings in einer Erklä­rung, die schmerzt.

Die Entscheidung zum Weggang ist aus Sicht des Betroffenen nur allzu verständlich. In gesell­schaftlicher Hinsicht allerdings ist sie fatal. Die massenhafte Abwanderung junger, gut ausgebil­deter, weltoffener Menschen in den Nachwendejahren und der Zeit seither ist ein maßgeblicher Grund dafür, dass Ressentiment, Verbitterung und die Ablehnung des politischen Systems in weiten Landstrichen Ostdeutschlands die Oberhand gewinnen konnten. Sichtbare Folge ist, dass heute die Zivilgesellschaft vielerorts schwächelt und es in der Kommunalpolitik, in vielen Vereinen oder Kirchgemeinden an tatkräftigen, aufgeschlossenen, Optimismus verströmenden Engagierten zuneh­mend fehlt.

Und doch gibt es weiterhin auch im vermeintlich flächendeckend blau-braunen Osten jene, die\“ihre Menschlichkeit, Nächstenliebe und tiefdemokratischen Werte stabil aufrechterhalten\“, wie Markov schreibt. Es sind Menschen wie der Görlitzer Gastronom, der dem Kabarettisten Uwe Steimle wegen dessen rechter Entgleisungen die Tür weist, wohl wissend, dass er sich damit in der Bürger­schaft kaum Freunde macht. Es sind Menschen wie jene, die vor einiger Zeit in der Initiative\“B96 begradigen\“dem noch immer jeden Sonntag entlang der Bundesstraße protestierenden Oberlausit­zer Dumpfbürgertum die Stirn boten und später den\“Happy Monday\“in Bautzen aus der Taufe hoben.

Auch wenn schon viele weggegangen sind: Diese demokratisch Engagierten gibt es weiterhin. Das sollten auch jene im Hinterkopf haben, die angesichts sich abzeichnender Wahlergebnisse in Sach­sen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern abfällig feststellen, der Osten sei unrettbar verloren. Fast die Hälfte mag AfD wählen. Die andere Hälfte aber tut es nicht. Unter ihnen sind weiterhin viele, die soziokulturelle Zentren am Laufen halten, Bürgerfeste ins Leben rufen, CSDs organisieren oder sich schlicht im Alltag dem verbreiteten Verdruss verweigern. Sie müssen bestärkt werden. Auch wenn hin und wieder einer das Handtuch wirft und wegzieht.

Pressekontakt:

nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

Original-Contentvon: nd.DerTag / nd.DieWoche,übermittelt durch news aktuell

Posted by on 29. Juli 2026.

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Categories: Allgemein

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