MEW: nEHS-Versteigerungen benachteiligen mittelständische Unternehmen
Die aktuellen Entwicklungen bei den nEHS-Versteigerungen setzen mittelständische Unternehmen zunehmend unter Druck. Die MEW fordert deshalb eine sofortige Reform des Auktionsdesigns. Das bestehende Verfahren sei unfair, mittelstandsfeindlich, unnötig teuer und zu kompliziert.
Die aktuellen Entwicklungen bei den Versteigerungen nationaler Emissionszertifikate (nEZ) zeigen aus Sicht des MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland erneut mit aller Deutlichkeit: Das bestehende Auktionsdesign ist weder praxistauglich noch fair für mittelständische Unternehmen.
Nachdem die erste Versteigerung der nationalen Emissionszertifikate für 2026 am 1. Juli bereits massiv überzeichnet war, hat sich die Situation bei den nachfolgenden Terminen noch weiter verschärft. An jedem Auktionstag werden zunächst rund 10,67 Millionen Zertifikate in einem Preiskorridor 55 und 65 Euro angeboten. Sollte die 65 Euro-Regel greifen, das heißt eine ausreichende Gebotsmenge ist auf dem Höchstpreis von 65 Euro pro Zertifikat abgegeben worden, wird die Tagesmenge verdoppelt auf rund 21,34 Millionen Zertifikate. Dafür fällt jedoch am Ende der ursprünglichen Auktionsperiode ein Auktionstag weg.
Während bei der ersten Auktion Gebote über ein Volumen von rund 292 Millionen Zertifikaten abgegeben wurden, sind bereits heute (5. August 2026) in der sechsten Auktion Gebote über ein Volumen von rund 535 Millionen Zertifikaten zum Höchstpreis eingereicht worden. Die Zuteilungsquote sankdementsprechend von 7,3 Prozent zu Beginn auf nur noch knapp unter 4
Prozent. Hinzu kommt, dass sich die ursprünglich geplanten 18 Auktionstage durch die Anwendung der 65 Euro-Regel auf nur noch elf Auktionstage verringert haben und somit die Auktionen bereits am 9. September beendet sein werden. Weitere Zertifikate können die betroffenen Unternehmen erst wieder im November und Dezember dieses Jahreszum Festpreis in Höhe von 68 Euro erwerben. Falls nach Jahresabschluss weitere Zertifikate fehlen sollten, erhöht sich der Preis auf 70 Euro.
Eine weitere Problematik besteht darin, dass jeder Bieter am Vortag vor dem Auktionstag finanzielle Sicherheiten für sein gesamtes Gebot bei der organisierenden European Energy Exchange (EEX) hinterlegen muss. Im Fall der Nutzung eines Intermediäres sogar noch einen Tag früher. Gleichzeitig ist aufgrund der niedrigen Zuteilungsquote absehbar, dass er am Ende nur einen Bruchteil der beantragten Zertifikate erhält.
„Die Entwicklung der nEHS-Versteigerungen bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen: Dieses Verfahren ist unfair, mittelstandsfeindlich und unnötig kompliziert. Unternehmen müssen Sicherheiten für ihr gesamtes Gebot hinterlegen, erhalten am Ende aber nur einen Bruchteil der beantragten Zertifikate. Das bindet Liquidität in erheblichem Umfang und trifft besonders den Mittelstand. Daher muss das Verfahren dringen reformiert werden“, erklärt Thomas Johannsen, Geschäftsführer des MEW.
Aus Sicht des MEW ist besonders problematisch, dass verpflichtete Unternehmen zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben auf die Zertifikate angewiesen sind, zugleich aber auch viele nicht nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) verpflichtete Akteure Zugang zum Primärmarkt haben. Dadurch wird das verfügbare Angebot für die eigentlich verpflichteten Unternehmen zusätzlich verknappt. Hierdurch drohen zusätzliche Sekundärmarkteffekte, die den Erwerb der Zertifikate für die eigentlich verpflichteten Unternehmen weiter erschweren und verteuern.
„Zertifikate, die Unternehmen zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflichten benötigen, dürfen nicht zum Spielball von Vorrats-, Handels- oder Arbitragestrategien werden. Der Primärzugang muss den verpflichteten Unternehmen und ihren Dienstleistern dienen – nicht anderen Marktakteuren, die aus der Knappheit ein Geschäftsmodell machen“, fordert Johannsen.
Dieses fragwürdige Geschäftsmodell wird sogar von politischer Seite gefördert, denn erste Ideen für die Regelungen im kommenden Jahr beinhalten zwar eine Beibehaltung des Auktionskorridors, jedoch eine Erhöhung der Nachkaufpreise auf 73 Euro im Jahr 2027 und sogar 75 Euro im Jahr 2028.
Der MEW sieht weiterhin erheblichen Reformbedarf und fordert die Bundesregierung und die zuständigen Behörden auf, die Kritik der betroffenen Unternehmen ernst zu nehmen und das Verfahren zu anzupassen. Neben der Verringerung der Sicherheiten auf ein angemessenes Niveau in Relation zu der tatsächlichen Zuteilungsmenge, fordert der MEW eine Beibehaltung der Nachkaufpreise im Jahr 2027. Denn es muss allen bewusst sein: jede Preiserhöhung zahlt letztlich der private Endverbraucher.
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