Lebensversicherung im Rückzug: Der Vertragsbestand sinkt seit 2015 um mehr als sechs Millionen, während die Summe der Risikopolicen weiter wächst

Weniger Verträge bei höherer Summe bedeutet: Wer abschließt, sichert größere Beträge ab. Damit rückt eine Gestaltungsfrage in den Vordergrund, die vor Jahren zweitrangig war — nämlich ob dieVersicherungssummeüber die Laufzeit konstant bleibt oder fällt.
Ob dahinter weniger Neuabschlüsse oder auslaufende Altverträge stehen, lässt sich aus den beiden Kennzahlen nicht ableiten. Sichtbar ist nur die Richtung: weniger Verträge, höhere Summen.
Besonders häufig stellt sich diese Frage bei Immobilienfinanzierungen, weil dort Restschuld und Absicherungsbedarf zeitlich auseinanderlaufen.
Fallende oder konstante Summe— die Entscheidung fällt am Anfang
Bei einer fallenden Variante sinkt die Versicherungssummeüber die Laufzeit, meist parallel zur Restschuld eines Kredits. Der Beitrag ist niedriger, weil das Risiko des Versicherers mit jedem Jahr kleiner wird. Ob sich eineKopplung der Police an eine Immobilie oder einen Kreditlohnt, hängt deshalb vor allem vom Tilgungsverlauf ab.
Eine konstante Summe bleibt dagegen bis zum Ende gleich hoch. Sie kostet mehr, deckt aber auch das ab, was neben der Restschuld steht: laufende Lebenshaltung, Ausbildung, ein wegfallendes Einkommen. Wer nur die Restschuld absichert, hat den Kredit gerettet und die Familie nicht.
„Die Summe wird fast immer am Kredit bemessen, weil die Bank die Frage stellt. Der tatsächliche Bedarf entsteht aber nicht am Kreditvertrag, sondern am Haushaltseinkommen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Was die Verbandsstatistik ausweist
Nach Angaben des Gesamtverbands ergibt sich folgendes Bild:
Die Versicherungssumme aus Risikolebensversicherungen lag 2025 bei 904,6 Milliarden Euro.
Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 2,3 Prozent.
Der Vertragsbestand sank von rund 86,7 Millionen im Jahr 2015 auf 80,3 Millionen im Jahr 2024.
Die Zahl der Neuabschlüsse ging im selben Zeitraum von 5,1 Millionen auf 4,3 Millionen zurück.
Trotz der wachsenden Gesamtsumme sieht der Verband weiterhin Ausbaubedarf bei der Höhe der einzelnen Absicherung.
Sechs Millionen Verträge weniger, aber kein Rückzug aus der Absicherung
Der Rückgang um mehr als sechs Millionen Verträge betrifft die Sparte als Ganzes, also auch kapitalbildende Formen. Diese haben in der Niedrigzinsphase an Attraktivität verloren.
Dass die Summe der reinen Risikoabsicherung im selben Zeitraum wächst, spricht deshalb eher für eine Verschiebung als für einen Rückzug: weg von der Kapitalanlage im Versicherungsmantel, hin zur reinen Absicherung des Todesfallrisikos.
Woran sich der eigene Bedarf bemisst
Die Zahlen für das laufende Jahr legt der Verband üblicherweise im Frühjahr 2027 vor.
Für die eigene Police gibt es einen gängigen Anhaltspunkt: das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens, zuzüglich offener Verbindlichkeiten. Wer eine ältere Police hat, sollte prüfen, ob die damals gewählte Summe noch zur heutigen Lebenssituation passt — Einkommen, Kinder und Kredite verändern den Bedarf, die Police passt sich nicht von selbst an.
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