Klinikum Bielefeld schließt Geschäftsjahr 2025 mit Jahresüberschuss ab – Reformen erfordern andauernde Flexibilität

Der deutsche Krankenhausmarkt stand 2025 vor tiefgreifenden Veränderungen. Mit der Krankenhausreform und dem Krankenhausversorgungsverbesserungs-gesetz (KHVVG), das seit 2025 schrittweise umgesetzt wird, erfolgt eine grundlegende Neuausrichtung der Krankenhausfinanzierung und der Versorgungsstrukturen. Steigende Kosten im Energie- und Sachkostenbereich sowiehohe Tarifabschlüsse erhöhen fortlaufend den Druck in der Krankenhauslandschaft.
Das Geschäftsjahr 2025 im Klinikum Bielefeld
Die Umsatzerlöse erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um 15,0 Mio. EUR auf 311,7 Mio. EUR. Diese Veränderung resultiert hauptsächlich aus der Steigerung des Landesbasisfallwerts sowie der Erhöhung des Pflegebudgets infolge einer deutlichen Personalsteigerung verbunden mit den in 2025 stattgefundenen Tarifsteigerungen. Der im Jahr 2024 eigeleitete Konsolidierungsplan aus eigener Kraft mit Projekten in den Bereichen Beschaffung, Personalstruktur, Dienstplanung, OP-Organisation und Reduzierung von Fremdpersonal erreichte sein Ziel von 8 Mio. EUR Aufwandsreduzierungen sowie Restrukturierungenund trug ebenso zur positiven Ergebnisentwicklung bei.
Klinikum Bielefeld gem.GmbH – Geschäftsjahr 2025 (01.01.-31.12.2025)
mit Veränderung zum Vorjahr:
– Patient*innen 150.000 (145.000)
– Umsatz 311,7 Mio. EUR (+0,5%)
– Betriebsergebnis +4,0 Mio. EUR (-4,5 Mio. EUR)
– Jahresergebnis +357.000 EUR (-7,7 Mio. EUR)
Im Jahr 2025 arbeiteten rund 3.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an den drei Standorten des Klinikums Bielefeld. Mit rund 150.000 ambulanten und stationären Patienten und Patientinnen sind die Behandlungszahlen leicht gestiegen.
Im Jahr 2024 begannen die Vorbereitungen zur Umsetzung der Krankenhausplanung und zeigten für die Klinikum Bielefeld gem.GmbH sehr gute Ergebnisse. Die universitäre Ausrichtung wurde in allen Bereichen bestätigt. Die Ausrichtung auf Universitäre Medizin, Forschung und Lehre wurde 2025 weiter voran getrieben:
Besonders hervorzuheben ist die Neuzuweisung der Stammzelltransplantation am Standort Klinikum Bielefeld – Mitte, woraufhin mit den drei Klinikträgern des UK OWL eine gemeinsame Einrichtung des Stammzelltransplantationszentrum entstehen wird. Die Umsetzung wird ein Alleinstellungsmerkmal in Ostwestfalen bedeuten und die Schwerpunktsetzung des Klinikums Bielefeld sowie das gesamte UK OWL als sehr leistungsstarker onkologischer Akutversorger weiter stärken. Darüber hinaus wird damit ein zukunftsbedeutender Forschungssektor in der Entwicklung von zelltherapeutischer (CAR-T Zelltherapie) und personalisierter onkologischer Medizin entstehen, welcher auch die wissenschaftliche Profilierung sowie hochkomplexe Versorgungsmöglichkeiten stärkt.
Im März 2025 wurde das Studierendenhaus\“EduLab\“(Edu = Education und Lab = Laboratory) am Campus Klinikum Bielefeld eröffnet und steht für die Vernetzung von Lehre, Forschung und Krankenversorgung in der curricularen Lehre im Bielefelder Modellstudiengang Medizin. Angehende Medizinerinnen und Mediziner aus ganz OWL finden auf 2.044 Quadratmetern moderne Hörsäle und Seminarräume, eine eigene Mensa, ein Skills Lab mit Trainings-Schockraum zur Simulation von Notfallsituationen, eine Core Unit Labor sowie eine digitale Bibliothek. Zu Beginn des Wintersemesters 2025/2026 konnte die Anzahl der Studierenden bereits auf 360 heranwachsen.
Der Bau des Study Research Center am Klinikum Bielefeld – Rosenhöhe treibt die Ausweitung des Bereiches Forschung am Klinikum Bielefeld voran. Die Kliniken mit universitär berufenen Chefärztinnen und -ärzten, wie in der Kardiologie, der Viszeralchirurgie, Endokrinologie, Rheumatologie, Strahlentherapie sowie der Orthopädie, haben ihre Forschungsinfrastruktur aufgelegt und erste Forschungsvorhaben gestartet.
Neben den bereits erfolgten universitären Berufungen für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kardiologie, Rheumatologie, Endokrinologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Orthopädie, Strahlentherapie und Radioonkologie, Notfallmedizin, Dermatologie und Geriatrie ist derzeit das Fach Onkologie im Besetzungsverfahren. Das Berufungsverfahren für die W3-Professur in der Augenheilkunde wird voraussichtlich ab 2028 begonnen.
Mit der Neubesetzung in der Lungenheilkunde mit Chefarzt Dr. Klaus Henning Thomas und der etablierten Thoraxchirurgie unter der Leitung von Dr. Valdivia haben wir eine exzellente Versorgungsqualität erreicht und haben das Lungenkrebszentrum OWL mit dem Klinikum Herford und dem Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ) gegründet.
Eine bedeutende Veränderung setzte das Klinikum Bielefeld mit einer neuen Konzernstruktur beginnend ab Juni 2025um: Im Zuge der Krankenhausplanung NRW, der Verschiebung einzelner Leistungsgruppen sowie der zunehmenden Verzahnung einzelner Fachrichtungen erarbeiteten die Führungskräfte aus Medizin, Pflege undVerwaltung gemeinsam eine umfassende Neustrukturierung. Die Bildung von standort- und fachrichtungsübergreifenden Zentren unter universitärer Führung trägt der zunehmenden Bedeutung der Universitären Medizin Rechnung.
Das Klinikum investierte rund 60 Mio. EUR in das neue Notfall- und Intensivmedizinische Zentrum sowie den neuen Haupteingang am Standort Mitte. Mit dem neuen Notfall- und Intensivmedizinischen Zentrum stärkt das Klinikum Bielefeld seine Rolle als Haus der Maximalversorgung und als zentraler medizinischer Versorger mit den Partnern im Universitätsklinikum OWL für die Region Ostwestfalen-Lippe. Gleichzeitig verbessert der Neubau nicht nur die Versorgung der Bevölkerung, sondern auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Medizin, Pflege und Rettungsdienst.
Gesamtaussage
Das Klinikum Bielefeld befindet sich in einer weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Gesamtlage. Steigende Personal- und Sachkosten, strukturelle Veränderungen aus Gesundheitsreform und Reformen der Krankenhausfinanzierung sowie der anhaltende Fachkräftemangel werden die wirtschaftliche Entwicklung des Krankenhaussektors weiterhin maßgeblich und andauernd beeinflussen.
\“Das Geschäftsjahr 2025 war geprägt von wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen. Wir steuern unseren Konzern im aktuellen Spannungsfeld der Krankenhausfinanzierung mit dem Fokus auf Versorgungsqualität und Arbeitsplatzsicherheit. Ich bin sehr glücklich, dass wir ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht haben. Damit gehören wir zu den wenigen Kliniken in Deutschland mit positiven Jahresergebnissen. In der Aufsichtsratssitzung im Juni genehmigte der Aufsichtsrat den vorgelegten Jahresabschluss und der Wirtschaftsprüfer erteilte den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk,\“kommentiert Michael Ackermann, Geschäftsführer des Klinikums Bielefeld.
Durch die strategische Weiterentwicklung des Leistungsportfolios, die Weiterführung eigener Konsolidierungsmaßnahmen sowie die Nutzung der Chancen aus der Krankenhausplanung Nordrhein-Westfalen sieht sich das Klinikum grundsätzlich gut positioniert, um die zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen und seine Rolle als leistungsstarker regionaler Gesundheitsversorger weiter auszubauen.
Der Aufsichtsrat der Klinikum Bielefeld gem.GmbH hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, das Ausschreibungsverfahren zur Nachbesetzung einer Medizinischen Geschäftsführung (m/w/d) über eine fachbezogene Personalagentur mit Beginn des zweiten Halbjahrs 2026 aufzunehmen.
Bis dahin wurde Dr. rer. nat. Janina Noster-Schrader als kommissarische Direktorin für Universitäre Medizin und Teil der Betriebsleitung der Klinikum Bielefeld gem.GmbH berufen. Dr. Janina Noster-Schrader (38) ist seit dem 01.04.2024 als Referentin für Wissenschaftsmanagement in der Direktion für Universitäre Medizin tätig.
Ausblick 2026
Für das Wirtschaftsjahr 2026 wird ein positives Gesamtergebnis erwartet. Die wesentlichen Eckpunkte und besonderen Maßnahmen der Planung 2026 am Klinikum Bielefeld stellen sich dabei wie folgt dar:
– Steigerung der Leistungsfähigkeit durch Schaffung neuer effektiver Schwerpunkte und zusätzlicher Leistungsausweitungen, insbesondere infolge der erfolgten Chefarztneubesetzungen,
– Weiterentwicklung von Leistungsbereichen sowie Anpassungen von Leistungen mit ambulantem Potential,
– Verbesserter Zugang zu klinischen Studien und der gesamten Infrastruktur einer Universitätsklinik mit deutlichem Attraktivitätsgewinn im Bereich der Universitären Medizin,
– Steigerung der roboterassistierten Chirurgie in weiteren Leistungssegmenten am Standort Mitte, in der Thoraxchirurgie sowie Allgemein- und Viszeralchirurgie,
– Ausbau des Adipositas-Zentrums am Standort Rosenhöhe sowie
– Ausweitung von Kooperationen.
Das Klinikum Bielefeld muss sich fortwährend an die sich verändernden politischen und marktwirtschaftlichen Bedingungen anpassen, insbesondere im Hinblick auf die Zentralisierung von Leistungsangeboten und den digitalen Wandel. Gleichzeitig steht die Krankenhausfinanzierung im Umbruch, auch durch die aktuell stark diskutierte Reform zur Beitragssatzstabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherungen von Ministerin Nina Warken. Trotz der vorgesehenen Einführung einer Vorhaltefinanzierung im Zuge der Krankenhausreform ab dem Jahr 2030 ist derzeit noch offen, in welchem Umfang die Finanzierung des Investitionsbedarfs langfristig gesichert werden kann.
\“Das aktuell vorbereitete Spargesetz (GKV – Beitragssatzstabilisierungsgesetz) wird die Versorgungslandschaft ab 2027 negativ verändern. Das wird auch für uns eine sehr große Herausforderung, die Preiskürzungen zu verkraften. Unsere Ausgangslage mit dem neuen NIZ bedeutet aber auch Chancen, die wir nutzen wollen.\“so Ackermann.
Pressekontakt:
Nadja Jüstel
Leiterin Unternehmenskommunikation
Klinikum Bielefeld
Unternehmenskommunikation
Teutoburger Straße 50, 33604 Bielefeld
E-Mail: nadja.juestel@klinikumbielefeld.de
Telefon: +49 05 21. 5 81 – 20 83
Mobil: +49 01 72. 2 69 7429
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Categories: Allgemein
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