IWiG–Nutzen Sie die Energie des Widerstands

Veränderung erzeugt Unsicherheit. Mitarbeitende fragen sich, ob neue digitale Systeme ihre Arbeit erleichtern oder zusätzlich belasten. Sie sorgen sich um den Verlust eingespielter Routinen, um steigende Anforderungen oder darum, ob ihre langjährige Erfahrung künftig noch ausreichend berücksichtigt wird. Gerade im Gesundheitswesen, in dem Verantwortung, Patientensicherheit und Teamarbeit eine zentrale Rolle spielen, sind solche Fragen verständlich und berechtigt.
Widerstand wird deshalb häufig vorschnell als mangelnde Veränderungsbereitschaft interpretiert. Tatsächlich steckt dahinter meist etwas anderes: der Wunsch nach Orientierung, Sicherheit und Beteiligung. Wer Bedenken äußert, zeigt häufig nicht Ablehnung, sondern übernimmt Verantwortung für die Qualität der zukünftigen Arbeitsabläufe.
Aus organisationspsychologischer Sicht liefern Widerstände wertvolle Informationen. Sie machen sichtbar, wo Prozesse noch unklar sind, Kommunikationslücken bestehen oder Risiken übersehen wurden. Werden diese Hinweise ernst genommen, entstehen bessere Lösungen als durch eine rein top-down gesteuerte Umsetzung.
Prof. Dr. Michael Greiling, Leiter des Instituts für Workflow-Management im Gesundheitswesen (IWiG), bringt diesen Gedanken auf den Punkt: „Widerstand ist selten das eigentliche Problem. Problematisch wird es erst, wenn Organisationen aufhören zuzuhören.“
Deshalb beginnt erfolgreiches Workflow-Management nicht mit der Einführung neuer Prozesse, sondern mit dem Dialog. Mitarbeitende werden frühzeitig eingebunden, gemeinsame Ziele werden transparent entwickelt und Verbesserungsvorschläge systematisch aufgenommen. Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag fließen unmittelbar in die Prozessgestaltung ein.
Gerade bei der Einführung digitaler Anwendungen zeigt sich, wie wichtig dieses Vorgehen ist. Wenn Pflegekräfte oder Ärztinnen und Ärzte den Nutzen neuer Lösungen nachvollziehen können und ihre Erfahrungen in die Gestaltung einfließen, steigt die Akzeptanz deutlich. Neue Technologien werden dann nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen, sondern als Unterstützung im Arbeitsalltag.
Workflow-Management schafft hierfür einen strukturierten Rahmen. Probleme werden gemeinsam analysiert, Ursachen nachvollziehbar bewertet und Lösungen interdisziplinär entwickelt. Dadurch entstehen Veränderungen, die fachlich stichhaltig sind und gleichzeitig von den Mitarbeitenden mitgetragen werden.
Organisationen, die Widerstände als Informationsquelle nutzen, gewinnen doppelt: Sie reduzieren Fehlentwicklungen bereits während der Umsetzung und stärken gleichzeitig Vertrauen, Beteiligung und Veränderungskompetenz. Aus Skepsis entstehen häufig die besten Verbesserungsideen – wenn Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Erfahrungen einzubringen.
Fazit
Widerstand ist kein Hindernis für Veränderung, sondern ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Organisationsentwicklung. Hinter Ängsten und Bedenken stehen oft wertvolle Hinweise auf Risiken, Verbesserungspotenziale und Unterstützungsbedarfe. Kliniken, die den Dialog suchen und ihre Mitarbeitenden aktiv in Veränderungsprozesse einbeziehen, schaffen nicht nur höhere Akzeptanz, sondern entwickeln tragfähigere und nachhaltigere Lösungen für die Herausforderungen des Gesundheitswesens.
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\“Wir ermutigen Einrichtungen im Gesundheitswesen, ein systematisches Workflow-Management zur Routine zu machen, um Zeit zu sparen und Verschwendung zu vermeiden, indem wir eine engagierte Kommunikation führen und die Akteure motivieren, ihre Kompetenzen erfolgreich weiterzubilden.\“
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