Integrationspreis\“Norderneyer Engel\“geht an Faraz Shariat für\“Staatsschutz\“

Faraz Shariat zählt zu den markanten Stimmen eines jungen, politisch wachen deutschen Kinos. Bereits mit seinem vielfach ausgezeichneten Debütfilm\“Futur Drei\“machte er auf sich aufmerksam. Mit\“Staatsschutz\“legt Shariat nun seinen zweiten Kinofilm vor und führt seine Auseinandersetzung mit Identität, Zugehörigkeit, Ausgrenzung und gesellschaftlichen Machtverhältnissen konsequent weiter. Der Film feierte 2026 in der Sektion Panorama der Internationalen Filmfestspiele Berlin Premiere und wurde dort unter anderem mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet.
Im Mittelpunkt von\“Staatsschutz\“steht die deutsch-koreanische Staatsanwältin Seyo Kim. Nach einem rassistischen Anschlag auf ihr Leben nimmt sie den Kampf gegen ihre Angreifer auf – und stößt dabei auf Strukturen, die rechtsextreme Gewalt verharmlosen, verschleiern oder ausblenden. Der Film erzählt damit nicht nur von einer persönlichen Suche nach Gerechtigkeit, sondern auch von der Frage, ob ein beschädigtes System aus sich selbst heraus veränderbar ist. Das Internationale Filmfest Emden-Norderney beschreibt den Film als\“aufrüttelnd und wütend, aber nie ohne Hoffnung\“.
Gerade diese Verbindung aus gesellschaftlicher Analyse, emotionaler Wucht und filmischer Spannung macht\“Staatsschutz\“zu einem Werk, das in besonderer Weise zum Anliegen des\“Norderneyer Engel\“passt. Der Film schaut dorthin, wo Wegsehen bequemer wäre. Er erzählt von rechter Gewalt nicht als abstraktem Thema, sondern als konkrete Erfahrung eines Menschen, der in seiner Würde, seiner Sicherheit und seinem Vertrauen in staatliche Institutionen erschüttert wird.
Kurdirektor Wilhelm Loth griff diesen Gedanken in seiner Rede auf und stellte den Bezug zur Insel Norderney her. Der\“Norderneyer Engel\“sei ein Preis, der zu Norderney passe,\“denn Norderney ist seit jeher ein Ort des Ankommens\“. Menschen kämen auf die Insel, um Kraft zu schöpfen, Abstand zu gewinnen, gesund zu werden oder Urlaub zu machen – aber auch, um hier zu arbeiten, zu leben und Teil der Inselgemeinschaft zu werden.
Loth verwies darauf, dass auf Norderney Menschen aus rund 60 Nationalitäten zu Hause sind. Diese Vielfalt sei für eine Insel dieser Größe beeindruckend und zugleich weit mehr als eine statistische Zahl. Dahinter stünden Menschen, die in Hotels, Restaurants, Kliniken, Betrieben, im Einzelhandel, in der Pflege, im Handwerk, im Tourismus und auch im Staatsbad arbeiten, leben, Familien gründen und die Inselgemeinschaft täglich mittragen.
\“Gastlichkeit ist eben mehr als Service. Gastlichkeit ist eine Haltung\“, betonte Loth. Sie beginne dort, wo Menschen einander mit Respekt begegneten, wo Herkunft nicht trenne, sondern bereichere, und wo Zusammenhalt täglich neu gelebt werde.
Der\“Norderneyer Engel\“zeichnet Filme aus, die ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz setzen. Mit\“Staatsschutz\“gelinge Faraz Shariat dies auf besonders eindringliche Weise. Der Film stelle unbequeme Fragen, schaue dorthin, wo man vielleicht lieber wegsehen würde, und erinnere daran, dass Gerechtigkeit nicht abstrakt sei, sondern immer konkrete Menschen betreffe.
\“Ihr Film kommt nicht mit einfachen Antworten. Aber er fordert uns auf, wach zu bleiben. Hinzusehen. Haltung zu zeigen\“, sagte Loth an Faraz Shariat gerichtet. Genau darin liege eine der wichtigsten Aufgaben von Kunst: nicht zu beruhigen, sondern zu bewegen.
Im Namen der Insel Norderney, des Internationalen Filmfestes Emden-Norderney sowie aller bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger gratulierte Wilhelm Loth Faraz Shariat herzlich zum\“Norderneyer Engel – dem Integrationspreis der Insel Norderney 2026\“.
Mit der Auszeichnung würdigt die Insel Norderney ein filmisches Werk, das gesellschaftliche Verantwortung sichtbar macht und den Dialog über Zusammenhalt, Vielfalt und Menschenwürde stärkt. Und wie schaut die Zukunft des Regisseurs aus:\“Ich plane gerade ein ganz anderes Projekt, eine Komödie mit einem 70jährigen Ehepaar. Lasst euch überraschen!\“
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