Industrieversicherungsmarkt zeigt weichere Tendenzen
Frankfurt am Main, 10. März 2026 – Nach mehreren Jahren steigender Prämien und Selbstbehalte zeichnet sich im Industrieversicherungsmarkt eine Trendwende ab: In vielen Sparten nimmt der Wettbewerb wieder zu und der Markt nähert sich einer weicheren Phase. So lautet das Fazit des Risikoberaters und Versicherungsmaklers Willis in seinem MarktSpot, dem halbjährlichen Trendreport zur Industrieversicherung. „Es ist jetzt wieder möglich, Versicherungsschutz zu angemessenen Preisen zu erhalten. Kapazitäten kehren zurück und Konditionen werden verhandelbar“, sagt Safak Okur, Head of Broking Deutschland und Österreich bei Willis, einem Geschäftsbereich von WTW. „Unternehmen sollten daraufhin ihr aktuelles Versicherungsprogramm überprüfen und die Chancen auf bessere Bedingungen nutzen.“
Nichtsdestotrotz bleibt die Risikolage dynamisch und wird vor allem vom geopolitischen Geschehen sowie technologischen Entwicklungen wie der Künstlichen Intelligenz geprägt. „Gerade weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen teilweise sprunghaft verändern können, ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Risiken proaktiv managen“, sagt Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk&Broking Deutschland undÖsterreich bei Willis. „Nur mit belastbaren Daten und klaren Präventionsmaßnahmen schaffen sie die nötige Transparenz, damit sie mit ihrem Versicherer auf Augenhöhe verhandeln.“
Iran-Krieg zeigt erneut: Geopolitische Schocks können jeden treffen
In der geopolitischen Analyse wird es für Unternehmen immer wichtiger, die Risikoprofile aller Länder zu kennen, in denen sie tätig sind. Dazu zählen etwa Enteignungsrisiken, politische oder terroristische Gewalt, politische Instabilität oder staatliches Versagen. „Der Krieg im Iran zeigt einmal mehr, wie schnell sichdie Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ändern können, wie volatil alles ist“, sagt Nazaruk. Unternehmen müssten deshalb mögliche Szenarien – etwa Störungen von Lieferketten – systematisch durchspielen und deren Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit bewerten. „Es wird immer mehr zum entscheidenden Faktor, wie schnell Unternehmen künftig in der Lage sein werden, zu reagieren und beispielsweise auf andere Transportwege auszuweichen.“
Ein zentraler Ansatz zur Risikominimierung besteht darin, Abhängigkeiten zu reduzieren – etwa indem Firmen Produkte oder Rohstoffe über mehrere Lieferanten beziehen – und verbleibende Risiken gezielt über Versicherungslösungen abzusichern. „Und diese Lösungen müssen auch international tragfähig sein“, sagt Okur. „Unternehmen sollten die Bedrohungslage ernst nehmen und handeln. Die Frage ist nicht, ob geopolitische Unsicherheiten ein Unternehmen treffen, sondern wann.“
Regulierung und KI erhöhen den Handlungsdruck
Auch im digitalen Raum nehmen Bedrohungen zu. Zusätzlich hat der Gesetzgeber mit der Umsetzung der NIS2-Richtlinie die IT-Sicherheitsregeln verschärft. Knapp 30.000 Organisationen sind nun verpflichtet, ein systematisches Risikomanagement für ihre Cybersicherheit einzuführen. „Steigende Schäden durch Cyberangriffe, Spionage undSabotage verdeutlichen, wie notwendig diese gesetzgeberische Maßnahme ist“, so Okur. „Zudem herrschen bei vielen Mittelständlern und politiknahen Institutionen noch erhebliche Defizite in der Cyberresilienz.“
Trotzdem bleibt der Cyberversicherungsmarkt käuferfreundlich. Zahlreiche neue Anbieter belebten den Wettbewerb bereits 2025 und sorgen weiterhin für gute Deckungsqualität, umfangreiche Versicherungssummen sowie günstige Prämien – sofern die Security-Maßnahmen den Anforderungen der Versicherer gerecht werden.
Ein weiteres Cyberrisiko ergibt sich aus dem zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz: Unternehmen weiten ihre Anwendungsfelder aus – von generativen KI-Anwendungen über KI-Agenten bis hin zur Analyse von Daten in Fertigungsumgebungen. Es gilt, die damit verbundenen Risiken zu identifizieren, zu bewerten und zu reduzieren. So lassen sich potenzielleDatenschutzverletzungen, Haftungsansprüche oder sogar Sachschäden minimieren.
Versicherung wird Gestaltungsfeld
Der lebhafte Wettbewerb in vielen Sparten eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, ihren Versicherungsschutz hinsichtlich Prämie und Deckungsumfang zu optimieren. Um diese Chance nutzen zu können, bleibt aber ein sauberes Risikoprofil unerlässlich: Transparente Risikoinformationen, belastbare Daten und ein Plan für die Prävention sind dabei für die Anbieter in der Industrieversicherung entscheidend. Nazaruk: „Nur wer seine Risiken aktiv steuert, profitiert von den Konditionen im weichen Markt.“
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