Identität und Anpassung im Mittelalter: Aneta und Borwin von Gerda Strehlowüber Rostocks Ursprung und Wandel
Im Zentrum steht eine Epoche, die in der Literatur selten so konsequent aus der Perspektive der slawischen Urbevölkerung (Obodriten/Wenden) erzählt wird. Jahre nach der Niederlage gegen Heinrich den Löwen verstärken sich Zuzug und Machtverschiebung: Bauern, Handwerker und Kaufleute – vor allem die Nemzi (Deutschen) – prägen die neue Ordnung. Daraus entstehen Konflikte, Abhängigkeiten und eintiefgreifender gesellschaftlicher Umbruch. Strehlow interessiert dabei besonders die oft übersehene Seite der\“Verlierer\“- und damit jene Erfahrung, die bis heute nachwirkt: Heimatverlust im eigenen Land und die mühsame Suche nach einem Platz in einem fremdbestimmten System.
Dass der Roman damit hochaktuelle Debatten berührt, zeigt sich exemplarisch an der Figur Lennek von Rybowe: Auf seiner Wanderschaft legt er seinen slawischen Namen ab, um im deutschen Zunftwesen bestehen zu können. Anerkennung und Aufstieg erhält er erst, als er als\“Lenhart von Fischhof\“auftritt. Diese\“namenlose Assimilation\“und der beruflicheÜberlebenskampf in neuen Strukturen machen\“Aneta und Borwin\“zu mehr als einer historischen Erzählung: zu einer Parabel über Identität, Anpassung und Selbstbestimmung.
Zwei Protagonisten, ein dritter Weg
Im Mittelpunkt stehen Aneta, eine slawische Heilerin, die mit Naturwissen, Empathie und Mut zwischen den Lagern vermittelt, und ihr Geliebter Fürst Heinrich Borwin III., der zwischen slawischem Erbe und der dynamischen, deutsch geprägten Stadtentwicklung steht. Beide suchen nach einem gemeinsamen Fundament – einem dritten Weg, der nicht auf Sieg oder Unterwerfung basiert, sondern auf Verständigung und Zukunft.
Strehlow verwebt dabei fiktive Figuren und historisch belegte Persönlichkeiten – darunter Borwin III. und der deutsche Bischof Brunward – zu einem vielschichtigen Panorama. Der Roman zeigt keine schwarz-weißen Heldenbilder, sondern die Grauzonen einer Zeit, in der slawische Ritter und deutsche Kaufleute ebenso kooperieren konnten, wie politische Intrigen, Entführungen und Machtspiele das Zusammenleben vergifteten. Detailreiche Szenen aus Alltagsleben, Festen, Heilkunst, Kirchenbau und dem Druck von Stadtrechten und Zünften machen Geschichte sinnlich erfahrbar.
Regionale Geschichte mit europäischer Dimension
Die Gründung und Formierung Rostocks erscheint als Blaupause für viele europäische Handelszentren: ein Prozess, in dem wirtschaftlicher Aufbruch, Migration und kulturelle Aushandlung untrennbar verbunden sind.\“Aneta und Borwin\“erzählt damit\“Globalisierung im Kleinen\“- und erinnert daran, dass Fortschritt oft mit Anpassung, Verlust und Neuverhandlung von Identität einhergeht.
Über die Autorin
Gerda Strehlow studierte Germanistik und Slawistik an der Universität Rostock und arbeitete langjährig in der Kulturwissenschaft und regionalen Volkskultur Mecklenburg-Vorpommerns, unter anderem als Leiterin des Volkskulturinstituts Mecklenburg und Vorpommern. Als Kulturmanagerin, Herausgeberin und Lektorin regionaler Sach- und Fachbücher verfügt sie über fundierte Kenntnisse der Landesgeschichte.\“Aneta und Borwin\“ist die Fortsetzung ihres 2020 erschienenen Romans\“Mila und Johann\“(vergriffen; eine zweite Auflage ist in Vorbereitung). Zurzeit arbeitet sie an einem neuen Epos, dessen Handlung im 12. Jahrhundert angesiedelt ist und detailliert wie anschaulich vom Leben der Obodriten in dem für sie schicksalhaften Jahrhundert berichtet.
Buchdetails:
– Titel:\“Aneta und Borwin – Slawen und Deutsche an der Warnow\“
– Autorin: Gerda Strehlow
– Verlag: BoD – Books on Demand
– Seitenanzahl: 464
– ISBN: 978-3695195213
– Preis Taschenbuch: 19,90 EUR
– Preis Kindle: 7,99 EUR
– Verfügbarkeit: Ab sofort erhältlich bei u.a. Amazon, Thalia, Hugendubel und überall im Buchhandel
Leseprobe und Bilder-Download – zur Buch-Webseite: https://jetzt-pr.de/roman_gerda_strehlow_aneta_und_borwin_slawen_und_deutsche_an_der_warnow
Categories: Allgemein
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