Hausbesuche im ambulanten Notdienst neu organisiert

Duc Phu Dinh ist Internist und Allgemeinmediziner aus Krefeld. Seit 2006 absolviert er im Rahmen des ambulanten Notdienstes Hausbesuche in der Region. Seit Januar 2026 arbeitet er als Kooperationsarzt im Pilotprojekt der KV Nordrhein für Düsseldorf und Neuss. Ab April 2026 wird dieses Modell auf ganz Nordrhein ausgeweitet. Ziel: flächendeckend besser helfen, Versorgung verlässlich sichern und Praxen entlasten.
Neu: Digitale Steuerung, kurze Wege und mehr Fokus auf die Menschen
Die Abläufe sind präzise und bleiben für Erkrankte bewährt: Die für Patientinnen und Patienten kostenlose Servicenummer 116 117 nimmt die Anrufe außerhalb der Praxisöffnungszeiten (abends, nachts, am Wochenende oder feiertags) entgegen, die Disposition der KV Nordrhein in Köln steuert und bereitet alles für die Diensthabenden vor. Sofort nach dem Erfassen der Patientenbeschwerden sieht Phu Dinh auf seinem Tablet die Einsatzdaten und wichtigen Informationen über den erkrankten Patienten. So kann er direkt noch im Fahrzeug entscheiden: erst telefonische Klärung oder sofortiger Hausbesuch. Fahrerin Bindels bringt ihn direkt vor die Tür der Anrufenden. Das spart Zeit, reduziert Wege, erhöht nachts die Sicherheit.
Der erste Einsatz an diesem Tag: eine 86-Jährige mit Bauchschmerzen. Treppenlift und Rollator weisen auf eingeschränkte Mobilität hin. Die Messung zeigt eine deutlich zu niedrige Sauerstoffsättigung. Mediziner Phu Dinh spricht mit der Patientin und den Angehörigen, organisiert die Einweisung in eine Klinik. Wieder im Auto dokumentiert er direkt digital, auch die Abrechnung läuft automatisiert. Der nächste Auftrag erscheint: ein Altenheim, 2,5 Kilometer entfernt. Verdacht auf Blasenentzündung, Rücksprache mit der Tochter, gemeinsam abwägen – Krankenhaus ja oder nein. So funktioniert ambulante Versorgung amMenschen, klar strukturiert und zügig.
Entlastung für Praxen in Nordrhein
Die Reform dahinter: Seit 1. Januar 2026 ruht die Verpflichtung der niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte, Fahrdienste im Rahmen des ambulanten Notdienstes zu übernehmen. Die Hausbesuche führen nun Ärztinnen und Ärzte aus, die sich bewusst dafür entschieden und eine Kooperationsvereinbarung mit der KV Nordrhein abgeschlossen haben. Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bedeutet das: keine verpflichtenden Fahrdienste mehr, planbare Einsätze und deutlich weniger organisatorischer Aufwand. Und: Bisher mussten viele Niedergelassene im Rheinland für Hausbesuche noch ihren eigenen PKW nutzen. Auch dies gehört nun durch die einheitliche Fahrdienststruktur über die KV Nordrhein derVergangenheit an – ebenso wie spontane Vertretungen oder nächtliche Alleinfahrten für Ärztinnen. Zudem wird für viele Ärztinnen und Ärzte durch eine einheitliche Kostenstruktur der Fahrdienst sogar günstiger – denn die ambulante Versorgung in den Bereitschaftszeiten finanziert sich solidarisch selbst. Der Fahrdienst wird damit zu einereigenständigen, gut strukturierten Tätigkeit – mit digitaler Unterstützung, klaren Abläufen und ohne die bisherigen Belastungen.
Neue Bezirke, mehr Flexibilität
Auch strukturell wird ab April gestrafft: Statt 54 sehr unterschiedlicher Fahrdienstbezirke gibt es ab April 20 neu zugeschnittene Bereiche in Nordrhein. Die Basis dafür legte die Analyse tausender Einsatzfahrten in den letzten Jahren. Die neuen Bezirke ermöglichen eine flexible Steuerung – auch innerhalb einer Schicht, etwa an Brücken- und Feiertagen mit hohem Bedarf. Die Ärztinnen und Ärzte sind während des Dienstes permanent mit der 116 117-Disposition verbunden und erhalten alle relevanten Informationen auf ihr\“Dienst-Tablet\“digital. Das beschleunigt Entscheidungen und verkürzt Wege.
Worum es am Ende geht, erlebt Phu Dinh im Einsatz: ankommen, einschätzen, handeln – und helfen. Für fast zehn Millionen Menschen im Rheinland bedeutet das: verlässliche ärztliche Hilfe außerhalb der Sprechstundenzeiten, jede Nacht, jedes Wochenende.
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