Haus gekauft, Traum geplatzt: 1 Mio. Kaufpreis, 330.000 Euro Provision–legale Abzocke?
Die Masche von Immo-Tommy lebt in einer neuen Vermögensverwaltung weiter: Laut SPIEGEL-Recherchen wurden Häuser teils für rund eine Million Euro vermittelt, mit Provisionen und Aufschlägen von bis zu 330.000 Euro. Formal legal, vertraglich abgesichert – für viele Käufer jedoch wirtschaftlich kaum nachvollziehbar. Besonders problematisch: Die tatsächlichen Kostenstrukturen waren für Käufer oft erst im Nachhinein transparent.
Der Fall ist kein Ausrutscher, sondern ein Lehrstück darüber, wie leicht Käufer den Überblick verlieren, wenn Vertrieb, Beratung und Vermittlung ineinander verschwimmen. Nachfolgend erfahren Sie, woran Käufer solche Konstrukte frühzeitig erkennen und wie man beim Hauskauf vermeidet, Hunderttausende Euro zu viel zu bezahlen.
1. Angebote kritisch hinterfragen und Strukturen prüfen
Ein zentrales Risiko liegt in der Struktur vieler Kapitalanlageangebote. Immobilien werden häufig gemeinsam mit Altersvorsorge- oder Finanzprodukten verkauft. Grundsätzlich ist das nicht per se problematisch.. Problematisch wird es jedoch dann, wenn die Zusammenhänge unklar bleiben oder einzelne Bestandteile nicht transparent erklärt werden.
Gerade bei hohen Investitionssummen sollten Käufer darauf bestehen, jedes Detail zu verstehen. Bleiben Fragen offen oder erscheinen Abläufe unnötig kompliziert, ist Zurückhaltung geboten. Wer als Laie sechs- oder siebenstellige Beträge investiert, sollte nicht zögern, externe Fachleute wie Steuerberater, Wirtschaftsprüferoder Rechtsanwälte einzubeziehen. Die Kosten solcher Prüfungen stehen in keinem Verhältnis zu den finanziellen Risiken, die andernfalls eingegangen werden.
2. Notarverträge anwaltlich prüfen lassen – Abtretungen sind ein Alarmsignal
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft notarielle Kaufverträge. Viele Käufer verlassen sich darauf, dass der Notar die wirtschaftliche Angemessenheit prüft. Das ist jedoch ein Irrtum. Der Notar beurkundet, er vertritt keine Partei und übernimmt keine inhaltliche Kontrolle im Interesse des Käufers.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn im Vertrag Abtretungen vorgesehen sind, bei denen Teile des Kaufpreises nicht direkt an den Verkäufer fließen. Der Kaufpreis gehört grundsätzlich dem Verkäufer, während Kosten wie die Grundbucheintragung direkt vom Grundbuchamt erhoben werden. Abweichende Konstruktionen sind ein klares Warnsignal. Wer nicht regelmäßig Immobilien kauft, sollte notarielle Verträge daher stets von einem eigenen, unabhängigen Anwalt prüfen lassen und sich nicht auf die rechtliche Vertretung der Gegenseite verlassen.
3. Mit Referenzkunden sprechen– aber kritisch bleiben
Seriöse Anbieter können in der Regel Referenzen vorweisen. Käufer sollten diese Möglichkeit nutzen und aktiv das Gespräch mit früheren Kunden suchen. Ergänzend empfiehlt sich eine gründliche eigene Recherche, etwa über öffentliche Quellen oder Erfahrungsberichte.
Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Referenzkunden, die vom Vermittler selbst benannt werden, sind nicht zwangsläufig unabhängig. Auch hier gilt es, Informationen zu hinterfragen und sich nicht allein auf vorselektierte Aussagen zu verlassen. Erst ein Gesamtbild aus verschiedenen Quellen ermöglicht eine realistische Einschätzung.
4. Sachverständige zur objektiven Bewertung einschalten
Ein wiederkehrendes Muster in vielen Fällen ist die massive Überbewertung der vermittelten Immobilien. Käufer zahlen Preise, die mit dem tatsächlichen Marktwert nur wenig zu tun haben. Dieses Risiko lässt sich vergleichsweise einfach reduzieren.
Unabhängige Sachverständige oder Gutachter können Immobilien kurzfristig und zuverlässig bewerten. Wichtig ist dabei, dass diese nicht vom Verkäufer oder Vermittler empfohlen werden. Eine eigene Auswahl sichert Unabhängigkeit und Objektivität. Der finanzielle Aufwand ist überschaubar, der Erkenntnisgewinn jedoch erheblich, insbesondere bei Investitionen dieser Größenordnung.
Fazit
Wer Immobilien kauft, sollte sich nicht von vermeintlicher Sicherheit oder persönlichem Vertrauen leiten lassen. Transparenz, externe Prüfung und kritisches Nachfragen sind keine Zeichen von Misstrauen, sondern notwendige Voraussetzungen für fundierte Entscheidungen. Werden diese Grundsätze beachtet, lassen sich viele der heute bekannten Problemfälle frühzeitig erkennen und teure Fehlentscheidungen vermeiden.
Über Dr. Peter Burnickl:
Dr. Peter Burnickl hat sich zur Aufgabe gemacht, mit einem neuen Ansatz für nachhaltige, optimierte und wirtschaftliche Gebäude zu sorgen. Er ist der Geschäftsführer der Pro Bauherr GmbH und eingetragener Sachverständiger für Baukosten und technische Gebäudeausstattung. Als Ingenieur, Projektentwickler und Ex-Bauträger kennt er die Branche außerdem genau. Mit seinem Team unterstützt er Bauherren dabei, so zu bauen, dass alle Kosteneinsparpotentiale voll ausgeschöpft sind. Weitere Informationen unter: https://www.pro-bauherr.com/.
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