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Handwerk fürs Siegertreppchen: Landesentscheid in Mannheim kürt die Besten der Besten

 

Zwei Tage lang war die Bildungsakademie der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald Zwischenstopp für junge Handwerkerinnen und Handwerker auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft im Handwerk (DMH). Vier Maler und Lackierer sowie sechs Fahrzeuglackierer kämpften in ihrem Gewerk um den Landesentscheid. Am Ende entschied Selina Mohr aus Heidelberg, die den Bezirk der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald vertrat, das Rennen bei den Malern für sich. Bei den Fahrzeuglackierern ging der Landestitel an Denis Dell von der Handwerkskammer Freiburg.Hoch konzentriert ans WerkMan hätte in der Malerwerkstatt eine Stecknadel fallen hören können. So leise ist es an jenem Donnerstagmittag, als die vier Maler und Lackierer, allesamt Kammersieger ihrer Region, noch ganz am Anfang der Arbeit stehen und sich hoch konzentriert in ihr Handwerk vertiefen. Zwölf Stunden Zeit für sechs Aufgaben und ein Ziel: die bestmögliche Leistung erbringen, um als Sieger beim Landesentscheid den nächsten Schritt auf Bundesebene zu gehen. Ganz zum Schluss könnte für den einen oder anderen sogar die Aufnahme ins Nationalteam winken. Wie knapp die Zeit werden würde, konnte sich angesichtsder Fülle an To-Dos jeder im wahrsten Wortsinn „ausmalen“. Alind Mohammed Yousif Yousif aus Krailsheim, der einzige Mann neben drei Frauen, wusste es von Anfang an. Er hatte die Aufgabe, die jeder im Vorfeld erhielt, schon einmal im Probelauf durchexerziert. „Es war ganz schön knapp“, sagt er. „Ich habe nun einiges geändert, sodass es jetzt klappen sollte.“Nina Rießle aus St. Märgen hatte sich vorab nur in Gedanken mit der Aufgabenstellung befasst. „Ist jetzt eine Premiere“, lacht sie und beugt sich über die große Platte, auf der von Hand das vorgegebene Muster ausgemalt werden muss. Eine gerade Linie ganz ohne Hilfsmittel ziehen – gar nicht so einfach. Es ist nur eine Herausforderung. Das Muster überhaupt maßgenau von einer vorgegebenen Zeichnung auf eine zwei Meter hohe Wandfläche zu übertragen, eine andere. Schablonen gibt es dafür nicht. Bleistift, Lineal und Zeichengeräte müssen reichen. „Im Grunde sind es Anforderungen aus der Gesellenprüfung“, sagt Claudius Wolfrum, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands des Maler- und Lackiererhandwerks Baden-Württemberg, der zum Auftakt des Landeswettbewerbs nach Mannheim gekommen war. „Unterschied sind Menge, Kreativität und Schwierigkeitsgrad. Unter Zeitdruck zurechtzukommen, das ist eine Herausforderung.“Respekt für den AufgabenDamit das klappt, muss man auch wissen, wie am besten vorzugehen ist. Schließlich gilt es Trocknungszeiten einzuhalten, was wiederum heißt: Die Reihenfolge beim Vorgehen ist für die cleverste Lösung ausschlaggebend. Dazu: „eine saubere Lackierung, verschiedene Kreativtechniken in der Umsetzung, Maßgenauigkeit, scharfe Kanten, …“, zählen Robert Beier, Ausbildungsmeister in der Mannheimer Bildungsakademie, sowie Maler- und Lackierermeister Ferrit Kellouche auf, die den Wettbewerb nebst Ausbildungs- und Nachwuchssicherungsberater Leonard Kopp als Aufsichtspersonen begleiten. „Ich habe schon Respekt vor all den Aufgaben“, sagt Selina Mohr aus Heidelberg andiesem Eröffnungstag. Noch weiß sie nicht, dass sie am Ende die Beste unter den vier Vertretern verschiedener Kammerbezirke sein wird. Dafür vertieft sie sich sofort wieder ins Ausmessen und Abkleben. Die Zeit drängt.Viel Aufwand, wenig ZeitGleich nebenan ist in der Werkstatt der Fahrzeuglackierer der Geräuschpegel ein ganz anderer. Nicht, weil dort weniger konzentriert gearbeitet würde, sondern weil das Arbeitsgerät ein anderes ist. In der Lackierkabine zischt und rauscht es, wenn Farbe durch die schnell strömende Druckluft mit hohem Tempo aus der Düse der Lackierpistole spitzt. Dazu knattertund brummt der Kompressor im Hintergrund. Die jungen Leute sehen in ihren Schutzanzügen und Atemschutzmasken wie von einem anderen Stern aus. Auch hier gilt: höchste Konzentration, gutes Zeitmanagement und wissen, was man wann tut. In nur eineinhalb Tagen ist eine Drei-Schicht-Effektlackierung aneinem Kotflügel vorzunehmen, ein Stoßfänger durch Spot-Repair instand zu setzen, eine vorgegebene Design-Lackierung zu machen und nach eigenem Entwurf Carshapes zu lackieren. „Zu viel Aufwand in der kurzen Zeit“, findet Valeria aus Stuttgart, die am Ende Rang zwei belegt. Da muss alles sitzen. „Wenn etwas schiefläuft, bleibt keine Zeit zu korrigieren.“Von Jury bewertetDie sechs Teilnehmenden, vier Frauen und zwei Männer, müssen sich auch untereinander absprechen, damit jeder in der Lackierkabine zum Zug kommt. Das ist eine zusätzliche Herausforderung, die nur gemeinsam gelingt. Auch das ist ein Aspekt der Deutschen Meisterschaft im Handwerk. Andere Handwerkerinnen und Handwerker kennenlernen, sich austauschen, Erfahrungen miteinander teilen, den eigenen und andere Berufe über den Tellerrand des Gewohnten hinaus kennenlernen. Dass sie alle gut sind, haben sowohl die Maler und Lackierer als auch die Fahrzeuglackierer als die Besten ihrer jeweiligen Kammergebiete bereits bewiesen. Umso höher liegt dieMesslatte sowohl bei der Aufgabenstellung als auch in der abschließenden Bewertung durch jeweils eine dreiköpfige Experten-Jury. „Von den Kammersiegern erwartet man natürlich ein gewisses Niveau“, sagt Thomas Petzold von der Maler- und Lackiererinnung Westlicher Bodensee, der zusammen mit seinen Kollegen Steffen Schweizer (Maler- und Lackiererinnung Neckar-Fils) und Carsten Höflinger (Maler- und Lackierer-Innung Hohenlohe) die Arbeiten begutachtet.Bei den Fahrzeuglackierern werfen Guido Bertz, Fachgruppenleiter beim Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks Baden-Württemberg, Dennis Roberts, technischer Lehrer an der Berufsschule Aalen, und Lorenzo Salerno, Lehrer an der Schule für Farbe und Gestaltung Stuttgart, einen genauen Blick auf Oberflächen und Strukturen, Staubeinschlüsse, gleichmäßige Farbverläufe, Sauberkeit und Finish. Ihr Eindruck: Passt!Manch einem hätte vielleicht tatsächlich noch ein wenig mehr Zeit gutgetan. Landessieger Denis Dell reichte sie. Er war schon eine halbe Stunde früher fertig. Noch was nachbessern? Lieber nicht. Manchmal ist das Erstergebnis doch das Beste. Platz eins bestätigt den jungen Fahrzeuglackierer.

Posted by on 5. Oktober 2026.

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Categories: Allgemein

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