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Finanzwissen entsteht neu: Warum Banken jetzt vom Produktanbieter zum finanziellen Orientierungspartner werden müssen

 

Noch nie waren Informationenüber Geldanlage, Vermögensaufbau und Altersvorsorge so leicht verfügbar wie heute. Suchmaschinen, soziale Netzwerke, Finanzportale, Podcasts und zunehmend auch KI-Anwendungen liefern innerhalb weniger Sekunden Antworten auf nahezu jede Finanzfrage. Eineaktuelle Veröffentlichung von Springer Professionalzeigt, wie stark das Finanzwissen von Verbrauchern inzwischen durch das Internet, das persönliche Umfeld und Banken geprägt wird. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Anleger an moderne Finanzdienstleistungen. Personalisierte Investmentangebote und KI-gestützte Beratung gewinnen an Bedeutung.

Diese Entwicklung ist aus Sicht der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH von besonderer Relevanz. Denn sie bestätigt eine Entwicklung, die wir auch im Rahmen unserer aktuellen Studien und Testreihen beobachten: Der Zugang zu Finanzinformationen verändert sich fundamental. Die Bedeutung hochwertiger Beratung nimmt dadurch jedoch nicht zwangsläufig ab. Im Gegenteil. Je größer die Informationsmenge wird, desto wichtiger werden Orientierung, Einordnung und persönliche Relevanz.

Aus einem Informationsproblem wird zunehmend ein Orientierungsproblem

Über viele Jahre wurde die Diskussion über Finanzbildung vor allem unter einem Gesichtspunkt geführt: Verbraucher verfügen über zu wenig Wissen. Diese Diagnose greift heute zu kurz. Die Herausforderung besteht längst nicht mehr ausschließlich darin, Informationen verfügbar zumachen. Das Internet hat den Zugang zu Finanzwissen demokratisiert. Wer heute wissen möchte, wie ein ETF funktioniert, welche Auswirkungen Inflation auf die Kaufkraft hat oder wie sich eine mögliche Rentenlücke berechnen lässt, findet innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Antworten.

Doch mehr Informationen führen nicht automatisch zu besseren Entscheidungen. Verbraucher müssen Quellen bewerten, unterschiedliche Meinungen einordnen und allgemeine Informationen auf ihre persönliche Lebenssituation übertragen. Gerade bei komplexen Themen wie Vermögensbildung und Altersvorsorge entsteht damit eine neue Herausforderung: Aus dem früheren Informationsdefizit wird zunehmend ein Orientierungsdefizit. Genau an dieser Stelle können Banken eine neue und wichtige Rolle übernehmen.

Banken sind weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Finanzbildung

Die Ergebnisse zeigen, dass Banken das Finanzwissen ihrer Kunden weiterhin mitprägen. Das ist eine wichtige Botschaft für die Kreditwirtschaft. Denn Finanzbildung ist keineswegs ausschließlich eine Aufgabe von Schulen, Politik oder unabhängigen Informationsplattformen. Banken stehen regelmäßig an entscheidenden finanziellen Wegpunkten ihrer Kunden.

Das erste eigene Konto, der Berufseinstieg, die erste Geldanlage, eine Immobilie, die Familiengründung oder die private Altersvorsorge sind Situationen, in denen finanzielle Entscheidungen konkrete Auswirkungen auf das weitere Leben haben. Banken verfügen damit über etwas, das viele digitale Informationsangebote nicht besitzen: einen direkten Zugang zur individuellen finanziellen Lebenssituation ihrer Kunden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Banken Finanzbildung anbieten sollten. Die Frage lautet vielmehr: Wie gut gelingt es ihnen, Wissen, Orientierung und konkrete Handlungsmöglichkeiten miteinander zu verbinden?

Finanzbildung darf nicht an der Wissensvermittlung enden

Genau diese Fragestellung steht im Mittelpunkt unserer aktuellen Aktivitäten bei der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH. Mit der Studie „NextGen Finanzbildung 2026“ untersuchen wir, wie Regionalbanken heute Finanzkompetenz vermitteln und junge Kundinnen und Kunden bei Finanzfragen erreichen. Dabei betrachten wir Finanzbildung bewusst nicht als isolierte Sammlung von Ratgebertexten.

Entscheidend ist das Gesamtbild. Sind Bildungsangeboteüberhaupt sichtbar und auffindbar? Werden relevante Kanäle genutzt? Wie verständlich und didaktisch überzeugend sind die Inhalte? Passen Sprache und Formate zur jungen Zielgruppe? Wie breit ist das Angebot? Und gelingt es Banken, mit innovativen Ansätzen aus Information tatsächlichOrientierung zu schaffen? Diese Fragestellungen bilden die Grundlage des von uns entwickelten Financial Education Measurement Index, kurz FEMI.

Unser Ziel ist es, Finanzbildung messbarer und damit vergleichbarer zu machen. Denn zwischen einem einzelnen Blogbeitragüber ETFs und einer strategisch aufgebauten Finanzbildungswelt besteht ein erheblicher Unterschied.

Junge Kunden informieren sich anders

Unsere„NextGen Studie 2026“ mit mehr als 1.000 Befragten im Alter zwischen 18 und 30 Jahren zeigt deutlich, wie stark sich die Informationswege bereits verändert haben. Junge Menschen nutzen digitale Angebote selbstverständlich. Finanz-Apps, soziale Netzwerke und neue Informationsplattformen gehören für viele längst zum Alltag. Bei konkreten Finanzfragen gewinnt auch künstliche Intelligenz erheblich an Bedeutung.

Diese Entwicklung verändert die Ausgangslage für Banken. Das erste Informationsgespräch findet möglicherweise nicht mehr in der Filiale statt. Es findet auf Instagram, über eine Suchmaschine, in einer Finanz-App oder im Dialog mit einer KI statt.

Wenn der Kunde anschließend mit einem Berater spricht, bringt er häufig bereits Informationen, Meinungen und konkrete Fragen mit. Damit verändert sich auch die Aufgabe des Beraters. Er muss nicht mehr ausschließlich Wissen vermitteln. Er muss Wissen einordnen.

Beratungsqualität wird durch mehr Finanzwissen nicht überflüssig

In der Diskussionüber digitale Finanzangebote entsteht gelegentlich der Eindruck, besser informierte Kunden benötigten weniger Beratung. Wir halten diese Schlussfolgerung für falsch. Ein höheres Informationsniveau verändert vielmehr die Anforderungen an Beratungsqualität. Unsere NextGen Studie zeigt, dass 78 Prozent der jungen Befragten persönliche Beratung mindestens als wichtig einstufen. Gleichzeitig sehen lediglich 53 Prozent diesen Anspruch aktuell als erfüllt an.

Darin klafft eine erhebliche Lücke. Junge Kunden erwarten keine Rückkehr zur klassischen Beratung alter Prägung. Sie wünschen sich die Verbindung aus digitalen Möglichkeiten, einfacher Information und persönlicher Unterstützung. 67 Prozent der von uns Befragten wünschen sich persönliche Beratung in Kombination mit digitalen Investment-Features.

Die Zukunft liegt deshalb aus unserer Sicht weder ausschließlich in der App noch ausschließlich im persönlichen Gespräch. Die Zukunft liegt in einer intelligenten Verbindung beider Welten.

Altersvorsorge zeigt besonders deutlich, warum Orientierung notwendig ist

Kaum ein Finanzthema verdeutlicht diese Herausforderung besser als die private Altersvorsorge. Verbraucher finden heute unzählige Informationen zu ETFs, Versicherungen, Immobilien, Aktien und möglichen neuen staatlich geförderten Vorsorgemodellen. Gleichzeitig bestehen erhebliche Wissenslücken gerade beim Thema Altersvorsorge und Börsenwissen, wie auch aktuelle Untersuchungen des Bankenverbands zeigen.

Die zentrale Frage eines Kunden lautet jedoch häufig viel einfacher:

„Was bedeutet das konkret für mich?“

Wie groß ist meine persönliche Rentenlücke? Welches Versorgungsniveau kann ich erwarten? Wie viel müsste ich zusätzlich sparen? Welche Schwankungen kann und möchte ich akzeptieren? Und welche Lösung passt zu meiner Lebensplanung?

Diese Fragen lassen sich nicht allein durch eine möglichst große Menge an Informationen beantworten. Sie benötigen Struktur. Und genau deshalb rückt das Thema Altersvorsorge auch stärker in den Fokus unseres Bankentests „BESTE BANK vor Ort 2027“. Wir wollen untersuchen, wie gut Banken Kunden bei einem der wichtigsten finanziellen Zukunftsthemen tatsächlich begleiten. Dabei geht es nicht allein darum, ob ein Produkt angeboten wird. Entscheidend ist, ob die persönliche Ausgangssituation nachvollziehbar analysiert, eine mögliche Versorgungslücke verständlich dargestellt und ein geeigneter Lösungsweg gemeinsam mit dem Kunden entwickelt wird.

KI wird den Informationsvorsprung klassischer Beratung weiter reduzieren

Künstliche Intelligenz wird diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen. Schon heute können Verbraucher komplexe Finanzfragen in natürlicher Sprache formulieren und innerhalb weniger Sekunden strukturierte Antworten erhalten. Damit verliert der reine Zugang zu Fachwissen weiter an Bedeutung.

Für Banken und Berater ist das eine wichtige Entwicklung. Der Wissensvorsprung allein wird künftig kaum noch ausreichen, um den Wert persönlicher Beratung zu begründen.

Der Mehrwert entsteht vielmehr durch Kontext, Individualisierung, kritische Einordnung und Verantwortung. Eine KI kann allgemeine Szenarien erklären. Eine hochwertige Beratung muss daraus gemeinsam mit dem Kunden einen persönlichen finanziellen Fahrplan entwickeln. Genau darin sehen wir eine der zentralen Aufgaben zukünftiger Beratungsqualität.

Finanzbildung und Beratung müssen stärker zusammengedacht werden

Die aktuelle Veröffentlichung zeigt aus unserer Sicht vor allem eines: Finanzbildung findet längst statt – jeden Tag und auf zahlreichen Kanälen. Die Frage ist deshalb nicht mehr, ob sich Kunden informieren.

Die entscheidende Frage lautet: Wer prägt ihr Finanzwissen und wer hilft ihnen anschließend, aus Informationen gute Entscheidungen zu entwickeln?

Banken haben weiterhin die Chance, dabei eine zentrale Rolle zu spielen. Dafür müssen Finanzbildung, digitale Sichtbarkeit und persönliche Beratungsqualität allerdings stärker zusammengedacht werden.

Mit„NextGen Finanzbildung 2026“, dem Financial Education Measurement Index FEMI und der Weiterentwicklung unserer Bankentests beschäftigen wir uns genau mit dieser Schnittstelle.

Denn die Bank der Zukunft muss nicht zwingend die meisten Informationen bereitstellen. Sie muss ihren Kunden helfen, aus Informationen Orientierung zu gewinnen.

Quelle und Impuls: Springer Professional,„Internet, Umfeld und Banken prägen Finanzwissen“

Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH zählt zu den führenden unabhängigen Testinstituten für Beratungsqualität und Kundenorientierung in der deutschen Finanzbranche. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen wissenschaftlich fundierte Analysen, Praxistests und Studien zu den Themen Beratung, Service, Digitalisierung, Baufinanzierung, Vermögensberatung, Finanzbildung und Kundenerlebnis.

Mit ihren bundesweiten Testreihen wie„BESTE BANK vor Ort“, „SEHR GUT in der Baufinanzierung“, den Private-Banking-Tests sowie den NextGen-Analysen untersucht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung jährlich mehrere tausend Kundenkontakte und digitale Berührungspunkte. Die gewonnenen Erkenntnisse dienensowohl Verbrauchern als Orientierungshilfe als auch Finanzinstituten als Grundlage zur Weiterentwicklung ihrer Beratungs- und Servicequalität.

Darüber hinaus veröffentlicht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung regelmäßig Fachbeiträge, Studien und Marktanalysen zu aktuellen Entwicklungen im Banking und engagiert sich insbesondere für die Stärkung der Finanzbildung sowie die Förderung einer kundenorientierten Beratungskultur.

Getreu dem Unternehmensmotto„Weil wir Qualität prüfen.“ verfolgt sie das Ziel, Qualität sichtbar, vergleichbar und nachhaltig wirksam zu machen.

Posted by on 17. Juli 2026.

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Categories: Allgemein

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