Ergebnisse der Miebach Studie 2026: Outsourcing wächst weiter–doch Erwartungen und Realität klaffen zunehmend auseinander

Die Ergebnisse zeigen: Outsourcing bleibt auf Wachstumskurs, wird jedoch komplexer. Während die grundlegende Aufgabenteilung zwischen Verladern und Logistikdienstleistern weitgehend stabil bleibt, nehmen die Anforderungen an Entscheidungsfindung, Governance, Transparenz und Implementierungsfähigkeit deutlich zu. Digitalisierung und Automatisierung verändern Outsourcingmodelle nicht grundlegend, erhöhen jedoch die Komplexität in Ausschreibung, Vergabe und Umsetzung.
„Digitalisierung und Automatisierung verändern Outsourcing – sie machen Entscheidungen in der Ausschreibung und Vergabe komplexer. Wer heute auslagert, muss nicht nur Kosten und Leistung unterschiedlicher Automatisierungskonzepte bewerten, sondern auch Steuerung, Transparenz und Implementierungsfähigkeit im Blick behalten“, sagt Prof. Dr. Bernd Müller-Dauppert, Head of Business Unit Digital&Transformation bei Miebach.
Wesentliche Studienergebnisse
Outsourcing weiter auf Wachstumskurs– ausgelagerte Funktionen bleiben operativ geprägt
Mit Blick auf die Zukunft bleibt die Grundstimmung positiv:Über alle Regionen hinweg rechnen 65 Prozent der Befragten mit einem weiteren Anstieg des Outsourcings. In Deutschland erwarten 62 Prozent der Verlader und 60 Prozent der Logistikdienstleister eine Zunahme.
Logistikoutsourcing konzentriert sich dabei weiterhin stark auf klassische operative Leistungen. Transport- und Lagerprozesse bilden nach wie vor den Kern der ausgelagerten Dienstleistungen, während strategische Management- und Steuerungsfunktionen überwiegend intern bleiben.
Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen haben Transportleistungen bereits vollständig ausgelagert, 25 Prozent betreiben ihre Lagerlogistik vollständig extern. Gleichzeitig sehen viele Unternehmen weiteres Potenzial für zusätzliche Outsourcingaktivitäten – insbesondere in der Lagerhaltung mit 21 Prozent und in der Kommissionierung mit 18 Prozent. Noch deutlicher wird das Potenzial bei konkret geplanten Projekten: 57 Prozent der Befragten planen Outsourcingprojekte im Bereich Lagerung, 46 Prozent in der Kommissionierung und 34 Prozent im Transport.
Kostenflexibilität, Investitionsvermeidung und Kernkompetenzen bleiben zentrale Motive
Aus Sicht der Verlader wird Outsourcing weiterhin vor allem aus wirtschaftlichen Gründen betrieben. Die wichtigsten Motive sind die Variabilisierung der Kosten mit 80 Prozent, die Vermeidung von Investitionen mit 79 Prozent sowie die Konzentration auf Kernkompetenzen mit 77 Prozent. Reine Kostenreduktion bleibt mit 73 Prozent relevant, steht jedoch nicht mehr allein im Mittelpunkt.
Neue Themen wie Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit gewinnen an Bedeutung, stehen aber nicht an der Spitze der Entscheidungskriterien. Digitalisierung wird von 53 Prozent der Verlader als Grund für Outsourcing genannt, Automatisierung von 45 Prozent und Nachhaltigkeit von 34 Prozent.
Regional zeigen sich klare Unterschiede: Deutsche Verlader stehen stärker unter Kostendruck, während Service, Kapazitätserweiterung, Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit international eine größere Rolle spielen.
Wirtschaftlicher Erfolg bleibt hinter den Erwartungen zurück
Trotz positiver Wachstumserwartungen bleibt die Zufriedenheit der Verlader mit den Ergebnissen von Outsourcingprojekten verhalten. In Deutschland hat sich nur bei 34 Prozent der Befragten ein wirtschaftlicher Erfolg durch Outsourcing eingestellt. Im restlichen Europa (ohne Deutschland) liegt dieser Wert bei 42 Prozent, in Lateinamerika bei 65 Prozent.
Ein wesentlicher Treiber der Unzufriedenheit ist die mangelnde Transparenzüber Kosten und Leistungen. Viele Auftraggeber können nicht nachvollziehen, warum Raten steigen oder welche Leistungen konkret berechnet werden. Zu den Top-Gründen für Unzufriedenheit zählen mangelnde KPIs und Transparenz, Preisgestaltung, IT- und Digitalisierungsfähigkeiten, Qualität sowie Automatisierungsinitiativen.
„Kostensteigerungen ohne klare Nachvollziehbarkeit sind ein zentraler Treiber der Unzufriedenheit. Offene Kommunikation, Transparenz und belastbare Kennzahlen sind der Schlüssel für eine nachhaltige Dienstleisterbeziehung“, sagt Dr. Klaus-Peter Jung, Head of Industry bei Miebach.
Abhängigkeit wird zum größten Risiko
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die veränderte Risikowahrnehmung der Verlader. Die Abhängigkeit vom Dienstleister wird inzwischen in allen Regionen als größtes Risiko wahrgenommen. In Deutschland nennen 85 Prozent der Befragten dieses Risiko – gegenüber 72 Prozent in der Studie 2023.
Klassische Risiken wie Kontrollverlust und Qualitätsprobleme bleiben weiterhin relevant, haben aber im Vergleich zur vorherigen Befragung an Gewicht verloren. In Deutschland nennen 63 Prozent Kontrollverlust und 60 Prozent Qualitätsrisiken als zentrale Risiken. Damit verschiebt sich die Wahrnehmung zunehmend von kurzfristigen operativen Risiken hin zu langfristigen strategischen Abhängigkeiten.
Ausschreibungszyklen verändern sich – Qualität der Ausschreibung und Implementierung wird zum kritischen Erfolgsfaktor
Die Studie zeigt: Ausschreibungen gewinnen weiter an Bedeutung– allerdings mit unterschiedlichen Dynamiken in Transport und Lager. Im Transportbereich nimmt die Ausschreibungsfrequenz deutlich zu. In Deutschland schreiben inzwischen 55 Prozent der Verlader Transportdienstleistungen jährlich aus; in der vorherigen Befragung lag dieser Wert noch bei rund37 Prozent.
Im Lagerbereich zeigt sich ein anderes Bild hin zu längerfristigeren Ausschreibungs- und Vertragszyklen. Der Anteil der Unternehmen, die Lagerdienstleistungen nur alle fünf Jahre oder alle sieben Jahre und länger ausschreiben, ist in Deutschland gegenüber 2023 von 14 auf 22 Prozent gestiegen. Im restlichen Europa liegt dieser Anteil mit 23 Prozent auf ähnlichem Niveau, während LATAM mit 11 Prozent kürzere Zyklen zeigt.
Erhebliches Verbesserungspotenzial wird bei der Qualität von Ausschreibungen aus Sicht der Dienstleister gesehen. Besonders kritisch bewertet werden mangelnde Informationen, nachträgliche Änderungen, enge Zeitpläne, unrealistische KPIs sowie unklare Governance-Strukturen.
Für den Erfolg von Outsourcingprojekten werden daher eine detaillierte Planung der Implementierung, präzise Prozessbeschreibungen, detaillierte Ausschreibungsunterlagen, Vor-Ort-Besuche sowie ausreichende Ressourcen auf beiden Seiten als zentrale Erfolgsfaktoren genannt. Mit zunehmender Automatisierung verschiebt sich der Fokus noch stärker auf eine strukturierte Implementierungsplanung.
Insourcing als strategische Ergänzung
Neben dem anhaltenden Outsourcingtrend bleibt auch Insourcing relevant. In Deutschland ist ein deutlicher Anstieg der Unternehmen zu beobachten, die in den vergangenen Jahren Insourcing betrieben haben. Für die Zukunft planen 72 Prozent der befragten Verlader in Deutschland ein Insourcing, global sind es 62 Prozent.
Dabei geht es nicht um eine grundsätzliche Abkehr vom Outsourcing, sondern um hybride Modelle: Unternehmen nutzen Insourcing gezielt, um Abhängigkeiten zu begrenzen, Kontrolle zu sichern und kritische Kompetenzen im eigenen Unternehmen zu halten.
Report anfordern
Der vollständige Studienreport „Outsourcing unter Spannung – Zwischen Erwartung und Realität im globalen Vergleich“ kann auf der Miebach Website angefordert werden: https://www.miebach.com/de/de/news-und-publikationen/studien/2026/miebach-studie-2026-outsourcing-waechst-weiter
Über die Studie
In Kooperation mit der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) führte Miebach Consulting im Februar 2026 die zehnte Auflage der Outsourcing-Studie durch. Befragt wurden 198 Verlader und 164 Logistikdienstleister aus Deutschland, dem restlichen Europa und Lateinamerika. Ziel war es, den aktuellen Stand, langfristige Entwicklungen, Auswahlkriterien und Erfolgsfaktoren im Logistikoutsourcing zu identifizieren und mit den Ergebnissen früherer Studien zu vergleichen.
Categories: Allgemein
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