Eine Geschichte auf der Grenze von Leben und Tod

Eine fürchterliche Chance. „Gold in der Asche“ gewissermaßen. So ganz sicher auch darum der Name dieses Romans des Norderstedter Autors und Juristen Ulrich Mertins, soeben erschienen im Leipziger EINBUCH Buch- und Literaturverlag.
Nichts kann mit einem Male mehr sein, wie es war, und Viktor Perdens beginnt das erste Malüberhaupt ernsthaft, sein Leben zu reflektieren und in Betracht zu ziehen, tatsächlich Dinge zu ändern, sie wirklich anzufassen, ohne den leichten Ausweg in den Tod, das eigene Koma, die Drogen zu suchen. Das machen ihm weder die Umstände, also seine nicht mehr wirklich intakte Familie,die ungeliebte Arbeit und auch nicht der angeheiratete Reichtum leichter. Der Wohlstand hilft natürlich, wie auch die bis dahin kaum beachtete Nachbarin Traudel, die schnell mehr als nur das sein wird. Denn das Leben, so traumatisch und vernichtend es manchmal auch sein mag, macht keine Pause, fragt nicht nach einzelnen Schicksalen, sondern bleibt von weit oben betrachtet immer und immer in seinen Bahnen, zeigt sich wie das Schaffen in einem Ameisenhaufen völlig unbeeindruckt von den kleinen oder großen Unfällen hier und da. Und das ist ja durchaus so gewollt und heilend und somiteigentlich genau das, was Viktor Perdens braucht.
Natürlich könnte man fragen, ob es richtig ist, die offensichtliche Zuneigung der Nachbarin so einfach hinzunehmen und letztendlich für sich auszunutzen, obwohl die eigene Frau einige Kilometer entfernt im Krankenhaus im Koma liegt, die natürlich (gemeint ist Traudel, die Nachbarin) beeindruckt ist, von dem, was da neben ihr Schreckliches passiert ist und von dem sie Stück für Stück mehr erfährt, die beeindruckt ist, was dieser Mann erleben muss und wie er es aus ihrer Sicht meistert, und die sich selbstverständlich anbietet ihm zu helfen. Andererseits kann man es verstehen. Wer würde denn nicht nach einem weichen Schoß suchen, einer Schulter zu anlehnen, jemanden, der einem geduldig zuhört, wenn das schon diejenigen nicht machen, die das tun sollten, wie etwa der Sohn von Perdens und seiner ohnmächtigen Frau, oder deren Eltern. Da wird allerdings von Schuld gesprochen und schon das Erbe verteilt. Obendrein ist Viktor Perdens seit Jahrzehnten depressiv und weiß sich schon ganz allgemein kaum selbst zu helfen, wenngleich er es ganz gut schafft, zumindest nach außen den Anschein eines gesunden und aktiven Mannes aufrecht zu erhalten, und sich nur seiner Frau, vor allem aber Paul, seinem Arzt, der auch behauptet, sein Freund zu sein, offenbart. Der wiederum macht sich gerne zum Dealer allerlei wirksamster Medikamente, also in diesem Fall natürlich Betäubungsmittel aus derpharmazeutischen Schatzkiste unserer Industrie, und gleich auch noch zum Liebhaber der Ehefrau Perdens. Viktor Perdens erfährt das alles jetzt so nach und nach, wusste es aber irgendwie schon immer. Wer also möchte ihm hier die Schuld geben, dass er seine Nachbarin mehr und mehr genießt.
Und es passiert noch deutlich mehr in diesem Roman, bei allem Krankenhausschrecken, aller Tristesse und allem Verrat. Durchaus schöne Dinge, die dem Protagonisten zeigen, dass er am Leben war und ist. Schuldgefühle, Gewissensbisse, Lebensunfähigkeit bleiben allerdings hartnäckig, und auch die Drogen halten noch lange den Zugang aus dieser Welt hinaus offen. Bis sich dann doch allmählich Licht in Viktors Leben zeigt.
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Honorarfreie Verwendung, Beleghinweis erbeten,
609 Wörter; 4012 Zeichen
Categories: Allgemein
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