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Dyeana&Nick Betschart: Zwei Stunden pure Intensität

 

Es gibt Konzerte, bei denen man hinterher das Gefühl hat, etwas Wichtiges verpasst zu haben, weil man zu früh gegangen ist. Und es gibt Abende, an denen man selbst nach dem vermeintlichen Ende noch einmal von den Sitzen gerissen wird. Der Auftritt von Dyeana und Nick Betschart im Diamonds Live Sounds in Hamburg gehörte unmissverständlich zur zweiten Kategorie. Was am Samstagabend zwischen 22:00 Uhr und 00:30 Uhr in dem relativ neuen Keller-Nachtclub stattfand, war mehr als nur ein Konzert. Es war eine Aussage, ein Statement und gleichzeitig eine Vorschau auf das, was ab dem 31. Juli 2026 unter dem Titel Halfway Gone auf die Weltlosgelassen wird.

Halfway Gone – Pre-Save / Pre-Release

Der Rahmen: Ein moderner Keller, 342 Körper und ein Eintritt, der sich lohnte

Das Diamonds Live Sounds ist kein klassischer Rockclub mit klebrigen Böden und rauchgeschwängerten Wänden. Es handelt sich um einen relativ neuen Keller-Nachtclub mit klarer, moderner Einrichtung – dunkle Flächen, gezielte Lichtführung, eine Bühne, die trotz der begrenzten Raumhöhe überraschend großzügig wirkt, und eine Akustik, die für diese Größe bemerkenswert trocken und direkt ist. Der reguläre Club-Eintritt liegt bei 15 Euro. An diesem Abend zahlten die meisten 35 Euro. Wer ein offizielles Merch-Shirt von Dyeana&Nick Betschart trug, kam zum halben Preis rein. Eine clevere, aber auch faire Regelung, die den Abend von Anfang an einen Touch von\“wir gehören dazu\“gab.
Laut Veranstalter fanden 342 Gäste und Fans Platz. Das ist für den Raum eine volle, aber nicht erdrückende Auslastung. Man konnte sich noch bewegen, aber man spürte die Dichte. Und genau diese Dichte sollte im Laufe des Abends zu einem entscheidenden Faktor werden.

Der eigentliche Set: 14 Songs, kein Playback-Kompromiss und ein authentisches Missgeschick

Die vorab veröffentlichte Setlist umfasste 14 Titel. Dyeana und Nick Betschart spielten sie in dieser Reihenfolge:
1. Subsonic
2. Absolute Zero
3. The Call
4. Golden Mess
5. Savage Symphony
6. A Thousand Nights
7. Comment Section
8. Lifeline
9. A Million Last Words
10. 4:07
11. Family First
12. Consequence
13. West Coast Fever
14. Not Your Bitch

Dyeana&Nick Betschart Playlist

Was sofort auffiel: Dyeana verzichtete fast vollständig auf Playback. Ihre Stimme lag roh, präsent und mit einer erstaunlichen Dynamik über dem Mix. Nick Betschart bewegte sich zwischen Sänger, Erzähler und gelegentlichem Rap-Part mit einer Bühnenpräsenz, die nie aufgesetzt wirkte. Die beiden agierten wie ein eingespieltes Duo,das trotzdem jederzeit bereit ist, die Kontrolle abzugeben und dem Moment zu folgen.
Besonders eindrücklich war der Moment während\“Golden Mess\“. Die beiden Backstage-Anhänger, die sie um den Hals trugen, verhedderten sich. Sie blieben hängen, die beiden versuchten lachend, sie zu lösen, und für ein paar Sekunden war die professionelle Show-Fassade durchbrochen. Es war eines dieser kleinen, ungestellten Missgeschicke, die einen Auftritt menschlicher unddamit größer machen. Das Publikum lachte mit, und man spürte, dass hier keine abgezirkelte, überproduzierte Performance ablief, sondern echte Präsenz.

Der Moment vor\“Not Your Bitch\“: Sarkasmus, Warnung und ein Solo-Gewitter

Bevor der vierzehnte Song der Setlist begann, trat Nick Betschart an den Mikrofonständer, grinste sarkastisch und sagte nur einen Satz:\“Weicheier sollten sich nun die Ohren zuhalten.\“
Der Satz hing einen Moment in der Luft. Dann legte Dyeana los – allein.\“Not Your Bitch\“wird ausnahmsweise nicht als Duo, sondern ausschließlich von ihr vorgetragen beziehungsweise gerappt. Und was dann folgte, war einer der drei fragwürdigsten, schärfsten und kompromisslosesten Tracks des Abends (neben\“Golden Mess\“und dem späteren\“Rip the Curtain\“).
Der Song ist ein verbaler Amoklauf. Er beginnt mit dem Intro\“Planet of piss stains buckle your seatbelt / I m about to skull fuck every sacred cow you worship\“und steigert sich in eine Kaskade aus gesellschaftskritischen, absichtlich ekelhaften und politisch unkorrekten Bildern. Ballot Boxes voller\“corporate cum\“, Bomben wie Konfetti auf Hochzeitskindern, schmelzende Eiskappen, Jeff Bezos\“dick shaped rocket\“, TikTok-Propheten, Billionäre, die Daten\“for masturbation\“ernten, Polizeigewalt, Impfstoffe als Profitmodell, Religion als\“glory hole for your guilt\“, Gender-Debatten neben verseuchten Ozeanen, NFT-Affen, die mehr wert sind als die eigene Mutter, Climate-Summits mit Kaviar und Foie Gras. Der Refrain hämmert\“Fuck you world / I m the middle finger eclipse / Not your bitch / Not your glitch / Not your apocalypse\“und endet mit der Ankündigung, den Gott im Urlaub zu ersetzen und seinen Namen zu stehlen.
Es ist kein Song, den man nebenbei hört. Es ist ein Angriff. Dyeana trug ihn mit einer Mischung aus kalter Wut und kontrollierter Ekstase vor. Die Stimme blieb klar, die Artikulation messerscharf, die Körperhaltung herausfordernd. Teile des Publikums schrien mit, andere standen wie erstarrt. Genau das war offenbar die Absicht.\“Not Your Bitch\“ist kein Ohrwurm. Es ist eine Provokation, die bewusst die Grenzeüberschreitet und danach fragt, ob man sie aushält.

Die Pause, die keine war – und das Halfway-Gone-Inferno

Als der letzte Ton von\“Not Your Bitch\“verklungen war, verließen Dyeana und Nick die Bühne. Die Lichter gingen an, die üblichen\“Das war s\“-Gespräche begannen. Viele glaubten, der Abend sei vorbei. Es vergingen etwa zwanzig Minuten.
Dann wurden sämtliche Lichter ausgeschaltet. Der Club lag in stockdunkler Schwärze. Für einen Moment war nur noch der Atem der 342 Menschen und das leise Summen der Technik zu hören. Plötzlich setzte ein harter, rockiger Beat ein, begleitet von aggressiven Stroboskop-Blitzen. Die beiden Künstler standen wieder auf der Bühne – und spielten drei noch unveröffentlichte Songs ihrer kommenden Sechs-Track-Pop-Rock-EP Halfway Gone, die erst am 31. Juli 2026 erscheint.

Like a Rockstar eröffnete den Überraschungsblock. Der Track ist ein swaggernder, hochenergetischer Alternative-Rock-Charakterstudie über eine magnetische Frau, die jeden Raum als vorübergehend betrachtet und jede Regel als optional. Dyeana verkörpert die zentrale Figur, Nick liefert die Beobachterperspektive. Der gemeinsame Chorus macht aus einer privaten Legende ein kollektives Statement. Die Zeile\“And she s halfway gone by the time you re in bed\“verbindet den Song direkt mit dem EP-Titel und setzt den Ton: leben mit voller Geschwindigkeit, Spuren hinterlassen, nie auf Erlaubnis warten.

Turned It Into Light folgte als emotionales Zentrum. Der Song erzählt von jemandem, der hunderte Städte kennt, aber nie gelernt hat zu bleiben. Aus Verlust und Rastlosigkeit wird hier etwas anderes: Licht, das man in sich trägt und an Fremde weitergibt. Die Call-and-Response-Struktur zwischen Dyeana und Nick macht aus zwei Einzelstimmen eine gemeinsame Aussage. Es ist der Moment, in dem die EP ihren tieferen Kern zeigt – nicht nur Rebellion, sondern Transformation.

Gasoline Paradise schloss den Trio-Block ab. Ein neon-getränkter, nächtlicher Travel- und Nightlife-Anthem, in dem Küsten, Casinos, Salzwasser und schlechte Entscheidungen kollidieren. Der Song feiert den gefährlichen Moment, in dem Flucht zu Freiheit wird und eine geplante Nacht aus den Fugen gerät. Die Live-Umsetzung war roh, treibend undmit einer physischen Wucht, die den Club noch einmal nach vorne riss.

Diese drei Songs -\“Like a Rockstar\“,\“Turned It Into Light\“und\“Gasoline Paradise\“- wurden mit einer Power und Präzision interpretiert, die klar machte: Halfway Gone ist kein Nebenprojekt. Es ist der nächste Schritt.

Der finale Vorhang:\“Rip the Curtain\“mit Sára Zakari

Als Abschluss kam\“Rip the Curtain\“- gemeinsam mit der Rapperin und DJ Sára Zakari. Auch dieser Track gehört zu den drei\“fragwürdigsten\“des Abends. Beim ersten Beat ließ der hintere Bühnenvorhang fallen. Plötzlich war die Bühne tiefer, die Kulisse offener, die Energie noch einmal gesteigert. Der visuelle Effekt war simpel und genial zugleich. Das Publikum schrie auf, die Stimmung kippte von\“unglaublich\“zu\“jetzt ist gar nichts mehr heilig\“.
Sára Zakari brachte eine zusätzliche, schärfere Kante in den Sound. Der Track fühlte sich an wie ein gemeinsames Statement, das die Nacht nicht sanft, sondern mit einem letzten, unversöhnlichen Schnitt beendete.

Gesamteindruck: Authentizität, Risiko und eine EP, die man jetzt schon spürt

Was Dyeana und Nick Betschart an diesem Abend abgeliefert haben, war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Die fast vollständige Verzicht auf Playback bei Dyeana, die sarkastische Ansage vor\“Not Your Bitch\“, das ehrliche Missgeschick mit den Backstage-Anhängern, die plötzliche Rückkehr nach der Pause und der fallende Vorhang am Ende – all das ergab zusammen ein Bild von zwei Künstlern, die nicht nur spielen, sondern riskieren.
Die kommende EP Halfway Gone (Label: R3cords Three Production Studios, Katalognummer TR4097, UPC 882100502161, Release 31. Juli 2026) wird sechs Tracks umfassen. Neben den drei live gehörten Stücken enthält sie unter anderem\“Gold All Over It (Summer Edition)\“,\“Dirty Hands\“und die Originalversion von\“Gold All Over It\“. Die Produktion ist High-Resolution Lossless Stereo WAV, die Gesamtlänge liegt bei 25:25. Die Songwriting-Credits liegen größtenteils bei Nick Betschart und Diego Rinaldi, mit weiteren Beiträgen unter anderem von Dyeana Dyer und Sára Zakari.
Der Abend im Diamonds Live Sounds war kein reines Promotion-Event. Es war eine Demonstration. Dyeana und Nick Betschart zeigten, dass sie in der Lage sind, ein Publikumüber zwei Stunden zu halten, zu provozieren, zu überraschen und am Ende noch einmal zu übertrumpfen. Die 342 Anwesenden haben das gespürt. Und wer am 31. Juli Halfway Gone hört, wird denselben roten Faden wiederfinden: die Bereitschaft, Komfortzonen zu zerreißen, heilige Kühe zuschlachten und trotzdem – oder gerade deshalb – Licht zu hinterlassen.
Wir von Muzic Timez waren nicht nur beeindruckt. Wir waren begeistert. Und wir sind gespannt, was als Nächstes kommt.

Muzic Timez – Redaktion
Hamburg, 27. Juli 2026

Posted by on 27. Juli 2026.

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Categories: Allgemein

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