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Der Weg zum geschlossenen Kunststoffkreislauf:

 

Das europäische Forschungsprojekt INCREACE setzt einen Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft: Ein Verbund aus Universitäten, Forschungsinstituten und Industriepartnern hat ein umfassendes Grundlagenwerk sowie ein neues Bewertungstool vorgestellt, die den Einsatz von recycelten Kunststoffen in Elektronikprodukten deutlich voranbringen sollen.

Mit»Developing Recyclable Electronic Devices: A playbook for design for&from recycling« präsentieren Theresa Aigner (Fraunhofer IZM) und Thijs Feenstra (PEZY Group) ein Buch, das die Realität zirkulärer Produktgestaltung offenlegt – und konkrete Wege aufzeigt, wie Design, Materialentwicklung und Recycling enger zusammenrücken können. Die Publikation versteht sich als Playbook: eine Sammlung praxisnaher Empfehlungen, die zeigt, dass Rezyklierbarkeit nicht am Ende eines Produktlebens beginnt, sondern bei der ersten Designentscheidung.

Ein Playbook für zirkuläre Elektronik

Das Werk bündelt vier Jahre Forschung, industrieübergreifende Zusammenarbeit und Praxistests und macht deutlich, warum zirkuläre Elektronik oft weniger an fehlender Ambition scheitert als an mangelnder Abstimmung zwischen den Akteur*innen. In fünf praxisnahen Fallstudien haben Stakeholder*innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Recycling bis Produktdesign – lebensnahe Tipps, praktische Handreichungen und Hinweise für die Arbeit von Designer*innen, Ingenieur*innen oder Produktentwickler*innen in dem Playbook festgehalten. So können diese direkt in die Umsetzung zirkulärer Geräte kommen, ohne dass die Entwicklungsteams selbst Recyclingexpert*in werden müssen. Das E?Book ist eine Veröffentlichung des von Horizon Europe geförderten Projekts INCREACE. Es steht zum kostenlosen Download bereit unter:https://increace-project.eu/increace-results/increace-book/.[1]

Am 26. März 2026 wurde das Buch im CIC Berlin erstmals der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Im Rahmen eines ganztägigen Workshop-Programms erhielten die Teilnehmenden – zumeist Produktenwickler*innen und -designer*innen – die Tipps aus dem Playbook unmittelbar auszuprobieren. Ein Besuch bei Open Funk im MotionLab zeigte zirkuläres Design direkt in der Praxis.

Bei dieser Gelegenheit betonte die Autorin und Expertin für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft Theresa Aigner vom Fraunhofer IZM: „Wir haben nicht die eine Lösung gesucht, sondern wollten verstehen, wie Recyclingsysteme in der Realität funktionieren, denn jedes Produkt bringt seine eigenen Einschränkungen, Risiken und Chancen mit sich. Beim zirkulären Design geht es daher nicht um die Optimierung hin zu einem einzigen Ideal, sondern darum, fundierte und transparente Kompromisse einzugehen. Mit diesem Leitfaden möchten wir Produktentwickler*innen und

-designer*innen motivieren und dabei unterstützen, den Einstieg zu finden und auf den Erkenntnissen aufzubauen, die wir im Laufe der Jahre gesammelt haben.“

Neues Bewertungstool für die Produktentwicklung

Neben dem Buch hat das INCREACE-Konsortium im Rahmen des Projekts ein praxisorientiertes Tool für zirkuläres Produktdesign entwickelt: das Recyclability Assessment Tool (RAT). Das RAT dient der unabhängigen und standardisierten Bewertung der Recyclingfähigkeit von Elektronikprodukten. Es wurde von Philips und PEZY entwickelt und von Partner*innen aus der Industrie getestet und optimiert. Damit können Design- und Entwicklungsteams bereits in einer frühen Phase des Entwicklungsprozesses kritische Faktoren erkennen, die die Recyclingfähigkeit ihrer Produkte beeinträchtigen könnten – wie beispielsweise problematische Materialien, Verbindungen oder Oberflächenbehandlungen –, um mögliche Alternativen zu finden.

Zur breiteren Einführung des Tools bietet das Konsortium am 9. April 2026 ein Webinar an. Michel Henning (PEZY) und Sharina Ligtelijn (Philips) demonstrieren dort die Anwendung des RAT und zeigen, wie Produktentwickler*innen Rezyklierbarkeit schon im Designprozess berücksichtigen können. Interessierte können sichhieranmelden.

Bedeutung für die EU?Kunststoffstrategie

Das Buch und das Tool bilden gemeinsam ein neues Fundament für zirkuläre Entwicklung elektronischer Produkte in Europa. Die Maßnahmen und Veröffentlichungen des INCREACE-Konsortiums, wie das Playbook und das RAT-Tool zeigen noch einmal, wie wichtig es für die Kunststoffstrategie der EU ist, Recycling schon in der Designphase mitzudenken und Handreichungen für die Produktentwicklung der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Erst im Dezember 2025 betonte die EU-Kommissarin für Umwelt, Wasserresilienz und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft Jessika Roswall bei der Verabschiedung des aktuellen Maßnahmenkatalogs zur Förderung der Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen in der EU, dass dringende Maßnahmen auf EU- und Mitgliedstaatenebene erforderlich seien, um das Recycling und die Verwendung von recycelten Materialien zu erleichtern und Innovationen zu fördern. Laut ihr können die Ziele des Wettbewerbsfähigkeits-Kompasses, des Clean Industrial Deal und des RESourceEU Aktionsplans nur mit stärkeren und besseren koordinierten Maßnahmen vollständig verwirklicht werden. Genau hier setzt das INCREACE-Konsortium an und hat direkte Tools entwickelt, die bereits beim Produktdesign ansetzen, denn mit dem Playbook und dem RAT helfen sie Produktentwickler*innen, Rezyklate zu verwenden und Produkte für das Recycling zu entwerfen.[2]

Der feierliche Abschluss des Projekts INCREACE folgt am 20. Mai 2026 in Brüssel im Hoek 38 – einem Veranstaltungsort und Treffpunkt für Forschung und Wissen, der vom FWO (Fonds voor Wetenschappelijk Onderzoek – Vlaanderen) betrieben wird. Bei dieser Gelegenheit wird das Playbook »Developing Recyclable Electronic Devices« offiziell an Vertreter*innen der EU, die für die Umsetzung der EU-Strategie verantwortlich sind, übergeben. Weiterhin werden die Projektergebnisse in Präsentationen vorgestellt, innovative Demonstratoren gezeigt und interaktive Workshops angeboten.

Dieser Termin richtet sich an Vertreter*innen aus der Recycling-Branche sowie an Produktentwickler*innen, Forschende, OEMs, politische Entscheidungsträger*innen und die Presse. Interessierte findenhiermehr Informationen zum Festakt und zur Anmeldung der kostenlosen Informationsveranstaltung.

Download:

Das E-Book»Developing Recyclable Electronic Devices« und das »Recyclability Assessment Tool« stehen ab sofort zum Download bereit:

https://increace-project.eu/increace-results/increace-book/

[1]Das Buch ergänzt den bereits veröffentlichten Leitfaden des Vorgängerprojekt PolyCE aus dem Jahr 2021 mit dem Titel „Design For Recycling. Design From Recycling.“ Diese Handlungsempfehlungen für ein effektives Kunststoff-Recycling wurden dem damals für den Green Deal zuständigen Kommissar für Klimaschutz und Vizepräsidenten der EU-Kommission Frans Timmermans übergeben.https://www.izm.fraunhofer.de/de/news_events/tech_news/circular-product-development-the-secrets-to-design-for-and-from-recycling.html

[2]https://environment.ec.europa.eu/document/download/60277c52-77f0-4860-b6cc-cdaf6665e336_en?filename=COM_2025_805_1_EN_ACT_part1_v3.pdf

Über das INCREACE-Projekt:

INCREACE zielt darauf ab, die Produktion hochqualitativer, sekundärer Kunststoffe aus Elektroaltgeräten, sowie die Verwendung dieser in Produkten durch innovative und interdisziplinäre Lösungen zu steigern. Die Zusammenarbeit relevanter Akteure entlang der Wertschöpfungskette des Kunststoffrecyclings ermöglicht es, holistische Lösungen zu entwickeln, eingebettet in einen systemischen Rahmen mit Schwerpunkt auf Elektro- und Elektronikgeräten (EEE). Auf dieser Grundlage leistet INCREACE Beiträge zur EU-Kunststoffstrategie, zum ersten und zweiten Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft sowie zum Green Deal, der im Besonderen Maßnahmen für ressourcenintensive Branchen wie die Elektronik und den Kunststoffsektor vorsieht.

DasINCREACE-Projektwird von der Europäischen Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales (HaDEA) der Europäischen Kommission im Rahmen des Horizon Europe Cluster 4 Programms gefördert. Beteiligte Partner sind das Fraunhofer IZM (Koordinator), Fraunhofer IVV, Vlaamse instelling voor technologisch onderzoek (VITO), Katholieke Universiteit Leuven – KU Leuven, Pezy Group, Plastika Skaza, Vorwerk Elektrowerke GmbH, Neste Oyj, Partners for Innovation, Mirec, Cabka Spain Sociedad Limitada, Universiteit Maastricht, SAP SE, PNO Innovation, Philips Electronics Nederland, Erion Compliance Organization S.c. a r.l. und ETH Zürich.

Dieses Projekt wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm“Horizon Europe” der Europäischen Union im Rahmen der Vereinbarung Nr. 101058487 finanziert. 

Das Fraunhofer IZM ist weltweit führend bei der Entwicklung und Zuverlässigkeitsbewertung von Technologien für die Aufbau- und Verbindungstechnik von zukünftiger Elektronik. Hierdurch entstehen Eigenschaften, die bislang eher untypisch für Mikroelektronik sind: zum Beispiel wird sie dehn- oder waschbar, hochtemperaturbeständig oder extrem formangepasst. Die Forschenden des Fraunhofer IZM setzen dabei ebenso Maßstäbe für die Umweltverträglichkeit von Elektronik.

Posted by on 30. März 2026.

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Categories: Allgemein

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