Das Handwerk bleibt Fundament der Region–aber unter Druck

Die Handwerkskammer Region Stuttgart kann für das Jahr 2025 erneut einen Betriebsrekord vermelden. „Wir erleben ein Handwerk, das gegen die schlechte Wirtschaftslage ankämpft und sich behauptet. So zieht es immer noch viele Existenzgründer an, aber da geht noch mehr“, betont Präsident Rainer Reichhold bei der Jahrespressekonferenz am Montag in Stuttgart.
Der Zuwachs ist auf die zulassungsfreien Gewerke zurückzuführen – diese legten um 9,8 Prozent auf nun 9.643 Betriebe zu. Sorgen bereitet Reichhold der Rückgang bei den meisterpflichtigen Unternehmen: Hier verzeichnet die Kammer ein Minus von 1,4 Prozent, der Bestand schrumpft auf 19.939 Betriebe. Besonders betroffen ist erneut das Bau-und Ausbaugewerbe, das allein 161 Betriebe verloren hat – darunter viele Fliesenleger, Stuckateure und Maurer. Einzelne Lichtblicke gibt es bei den Elektrotechnikern (+35), Installateuren und Heizungsbauern (+9) und Konditoren (+13).
Positive Impulse dringend nötig
Der Aufwärtstrend beim Existenzgründungsgeschehen könne die strukturellen Sorgenfalten nicht glätten, so Reichhold. „Wir brauchen eine wirtschaftliche Erholung, die bei Industrie und Baugewerken ankommt. Gerade im Hinblick auf die anstehenden Investitionen von Land und Kommunen, die durch das Sondervermögen ermöglicht werden, benötigen wir ein starkes Bauhandwerk, das die Aufträge auch umsetzen kann“, mahnt der Handwerkspräsident. Viele Betriebe hätten ihre Investitionen zurückgestellt, die Stimmung am Markt sei verhalten geblieben. Damit das Handwerk weiterArbeits- und Ausbildungsplätze bieten kann, muss endlich ein wirtschaftlicher Aufschwung spürbar sein – Voraussetzung dafür sind die richtigen politischen Signale.
Was das Handwerk von der Landespolitik erwartet
Damit das Handwerk in zukunftstragenden Themen weiterhin seinen Beitrag leisten kann, ist eine Landespolitik erforderlich, die die richtigen Weichen stellt. Deshalb hat die Handwerkskammer klare Forderungen an die künftige Landesregierung formuliert:
Wirtschaftsstandort stärken: Reichhold fordert von der Politik ein Ende lähmender Bürokratie und eine schnelle, echte Modernisierung von Verwaltungsabläufen. „Der Standort Baden-Württemberg muss wieder mutig in Infrastruktur und Digitalisierung investieren, vornehmlich in Verkehr, Stromnetze und Breitbandversorgung“, betont der Präsident. Ziel muss es sein, die Investitionen – nicht zuletzt mithilfe des Sondervermögens – zügig, transparent und mittelstandsfreundlich umzusetzen. Eine faire Vergabepraxis, etwa durch Fach- und Teillosvergaben, soll auch kleinen und mittleren Unternehmen der Region Zugang zu öffentlichen Aufträgen sichern.
Fachkräftesicherung in den Mittelpunkt stellen: Geld allein baut nicht. Nach wie vor fehlen qualifizierte Fachkräfte, insbesondere in Bau- und Elektro-Berufen sowie der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Ohne eine engagierte Fachkräfteoffensive drohen Überlastung und Verzögerungen – die Politik muss aktiver werden, Arbeitsmarktdrehscheiben und Fachkräfteallianzen stärken und die Vermittlung zwischen Industrie und Handwerk forcieren“, so der Kammerpräsident. Es brauche außerdem eine verlässliche Betreuung der Kinder in der Kita und an den Schulen, damit mehr Eltern im Handwerk arbeiten oder einen Betrieb übernehmen können – dafür müsse das Land die Kommunen und Schulen besser ausstatten.
Rückzahlung der Corona-Soforthilfen: Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat angekündigt, dass das Land Baden-Württemberg bereits geleistete Rückzahlungen der Corona-Soforthilfen, die als rechtswidrig gelten, zügig erstatten möchte. „Es ist nur richtig, dass die Betriebe, die sich an alle Vorgaben des Landes gehalten haben, jetzt nicht dafür bestraft werden. Das Recht, das die klagenden Betriebe vor Gericht bekommen haben, gilt auch für die vielen anderen, die den rechtswidrigen Rückforderungen gehorcht haben“, erklärt Reichhold. Wichtig seinun, dass die Rückzahlung unkompliziert und zügig erfolge. „Wir erwarten von der amtierenden Landesregierung, dass sie dies noch bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode umsetzt und damit keinen Wahlkampf betreibt.”
„Das Handwerk packt an und steht bereit, wenn es um Klimawende, Energieeffizienz und die Modernisierung unserer Infrastruktur geht. Was wir brauchen, ist eine Landespolitik, die uns mit Zuversicht und guten Rahmenbedingungen in die Zukunft starten lässt. Wir stehen als Partner bereit –jetzt müssen Land und Politik ebenfalls liefern“, fasst Präsident Rainer Reichhold zusammen.
Weitere Informationen: www.hwk-stuttgart.de/statistik
Categories: Allgemein
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