Ausbildung braucht Aufmerksamkeit: Was das ANDERS aus dem ersten IHK-Ausbildungstag mitnimmt
Gäste betreuen, Veranstaltungen vorbereiten, Dienstpläne abstimmen: Im Hotelalltag konkurrieren viele Aufgaben um Aufmerksamkeit. Ausbildung ist dabei täglich Teil der Arbeit. Zeit, die eigenen Ausbildungsaufgaben und Abläufe zu überdenken, entsteht jedoch nicht von allein. Für Doreen Garn, stellvertretende Hoteldirektorin des
ANDERS Hotel Walsrode, war der
erste Tag der Ausbildung der IHK Lüneburg-Wolfsburgdeshalb eine Gelegenheit, sich gezielt mit diesen Fragen zu beschäftigen.Am 28. Oktober 2026 kamen in der Ritterakademie Lüneburg nach Angaben der IHK rund 120 Ausbildungsverantwortliche zusammen. Auf dem Programm standen unter anderem Künstliche Intelligenz in der Ausbildung, die Eigenverantwortung von Auszubildenden und der Umgang mit psychischen Belastungen. Neben den fachlichen Impulsen war für Garn besonders der Austausch mit anderen Ausbildungsverantwortlichen wertvoll. Der Tag schuf Raum für Themen, die zwischen Gästewünschen und organisatorischen Aufgaben manchmal in den Hintergrund treten.Wenn KI die Antwort liefert, wird das Gespräch über den Lösungsweg wichtigerGarn besuchte den KI-Workshop. Eine Frage beschäftigt sie seitdem besonders: Wie müssen Ausbildungsaufgaben aussehen, damit junge Menschen selbst beobachten, nachdenken und ihre Entscheidungen begründen?Eine fachlich richtige Antwort allein zeigt noch nicht, ob jemand eine Aufgabe verstanden hat. Eine allgemeine Frage zum Umgang mit einer Gästebeschwerde lässt sich mit KI schnell beantworten. Für die Ausbildung wird es deshalb wichtiger, konkrete Situationen aus dem eigenen Betrieb aufzugreifen: Was ist geschehen? Welche Informationen lagen vor? Was war dem Gast wichtig? Warum wurde eine bestimmte Lösung gewählt?Auch solche Aufgaben können mit KI bearbeitet werden. Entscheidend ist deshalb das anschließende Gespräch: Können die Auszubildenden ihre Beobachtungen erläutern, Rückfragen beantworten und mögliche Alternativen abwägen? Ein gut formulierter Text ist ein Ausgangspunkt. Ob der Inhalt verstanden wurde, muss sich darüber hinaus zeigen.Für das ANDERS ist das ein Ansatz, zusätzliche Lernaufträge stärker mit dem tatsächlichen Arbeitsalltag zu verbinden. KI kann beim Strukturieren und Überarbeiten unterstützen. Die Auseinandersetzung mit der Situation bleibt Teil der Ausbildung.Aus Ausbildungsinhalten sollen passende Aufgaben für den Hotelalltag werdenAuch bei der Vorbereitung solcher Lernaufträge möchte Garn KI erproben. Der Ausbildungsrahmenplan gibt die zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse vor. Daraus Aufgaben zu entwickeln, die zum Betrieb und zum jeweiligen Ausbildungsstand passen, braucht Zeit.Hier könnte KI zusätzliche Vorschläge liefern: Welche praktische Aufgabe eignet sich für einen bestimmten Ausbildungsinhalt? Wie lässt sich daraus eine kleine Schulung entwickeln? Wie können Themen behandelt werden, die im Tagesgeschäft selten vorkommen?Ein denkbarer Auftrag wäre, einen betrieblichen Ablauf zu untersuchen und Verbesserungsvorschläge zu begründen. Die Auszubildenden müssten dafür zunächst verstehen, warum der Ablauf bisher so organisiert ist und welche Folgen eine Veränderung hätte. Die gemeinsame Auswertung würde anschließend zeigen, welche Überlegungen tragen und wo noch Wissen fehlt.Ein weiteres Vorhaben betrifft die Planung der Ausbildungsstationen. Garn möchte ausprobieren, ob KI einen brauchbaren Entwurf dafür erstellen kann, wann welche Auszubildenden in welchen Abteilungen eingesetzt werden. Berufsschule, Urlaub, Ausbildungsstand und die Betreuung in den Abteilungen müssen dabei zusammenpassen.Ob bei Lernaufträgen oder Einsatzplänen: Die Vorschläge sollen fachlich geprüft und an die tatsächlichen Bedingungen im Hotel angepasst werden. Ob die Unterstützung den Alltag erleichtert, wird sich beim Ausprobieren zeigen.Austausch hilft, den eigenen Ausbildungsalltag wieder genauer anzusehenAuch das Veranstaltungsthema psychische Belastungen beschäftigte Garn. Sie nahm vor allem den Impuls mit, pauschale Urteile über eine vermeintlich besonders belastete junge Generation zu hinterfragen und individuelle Situationen genauer anzusehen.Für sie lag der Wert des Tages damit ebenso in neuen Ideen wie in der Gelegenheit, die eigene Praxis zu überdenken. Der Austausch mit anderen Ausbildungsverantwortlichen half, den Blick wieder auf Fragen zu richten, für die im laufenden Betrieb häufig zu wenig Zeit bleibt.Aus Lüneburg bringt Garn konkrete Vorhaben mit: Lernaufgaben mit stärkerem Praxisbezug entwickeln, zusätzliche Anregungen aus dem Ausbildungsrahmenplan ableiten und Unterstützung bei der Einsatzplanung erproben. Dafür muss nun im Hotelalltag Platz entstehen.Im ANDERS tragen
AuszubildendeNamensschilder mit dem Zusatz„Ich lerne noch“. Nach dem Tag in Lüneburg passt dieser Satz auch zu denen, die sie ausbilden.
Posted by on 30. Oktober 2026.
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