Altschulden sind der Brandbeschleuniger der Insolvenzwelle

J. Engel: Ein wesentlicher Faktor sind die finanziellen Altlasten aus der Corona-Zeit. Staatliche Hilfen haben viele Unternehmen kurzfristig stabilisiert, aber strukturelle Probleme oft nurüberdeckt. Jetzt wirken diese Effekte zeitverzögert.
Redakteur: Welche Rolle spielen Rückforderungen von Fördermitteln?
J. Engel: Eine große. Viele Unternehmen müssen erhaltene Hilfen teilweise zurückzahlen. Gerade wenn Rücklagen fehlen, können solche Forderungen existenzbedrohend werden.
Redakteur: Wie beeinflusst die Zinsentwicklung die Situation?
J. Engel: Die Zinswende trifft Unternehmen hart, die in der Niedrigzinsphase hohe Kredite aufgenommen haben. Anschlussfinanzierungen sind deutlich teurer, was die Liquidität zusätzlich belastet.
Redakteur: Welche Branchen stehen besonders unter Druck?
J. Engel: Stark betroffen sind die Automobilbranche, das Baugewerbe, das Gastgewerbe sowie Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Diese Bereiche kämpfen mit steigenden Kosten, Investitionsbedarf und strukturellen Marktveränderungen.
Redakteur: Sind nur kleine Unternehmen betroffen?
J. Engel: Nein, auch größere Betriebe geraten zunehmend in Schwierigkeiten. Die Zahl der Insolvenzen bei Unternehmen mit über 10 Millionen Euro Umsatz steigt deutlich.
Redakteur: Was können Unternehmen jetzt tun?
J. Engel: Entscheidend ist, frühzeitig zu handeln: Finanzierungsstrukturen prüfen, Kosten senken, Geschäftsmodelle anpassen und professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Wer rechtzeitig reagiert, hat bessere Chancen auf Stabilisierung.
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