Wir Kommunalpolitiker müssen Vorbild sein

Ein Parteiwechsel von Politikern ist in der politischen Landschaft Deutschlands mitunter ein bemerkenswerter, aber grundsätzlich kein absolut ungewöhnlicher Vorgang. Während laufender Stadtratskandidatur aus den Reihen der Haarer CSU zu einem politischen Player am äußersten rechten Rand überzutreten, ist allerdings ein Vorgang, der über Parteigrenzen hinaus Anlass zur Sorge geben muss.
„Den Fehler eines anderen muss man dort lassen, wo er ist“, schrieb einst Marc Aurel in seinen Selbstbetrachtungen. Dieser Einsicht folgend, halte ich mich bewusst mit Kritik und guten Ratschlägen zurück. Dennoch gilt es festzustellen, dass mittlerweile auch die dominierende Großpartei in Bayern von dem wachsenden Vakuum an politischer Orientierung und Standfestigkeit in Mitleidenschaft gezogen wird. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern kann für unsere Stadt gefährlich werden. Haar braucht in diesen Zeiten weder Experimente am rechten Rand noch Grabenkämpfe zwischen den politischen Akteuren. Die Bürger in Haar erwarten Lösungen zu wichtigen Sach- und Zukunftsthemen. Gewerbeentwicklung, Verkehrssituation, Realschule, Wohnungsbau und eine solide Haushaltspolitik sind nur einige der Herausforderungen in den kommenden 6 Jahren. Wir können es uns nicht leisten, dass die politische Energie im Rathaus durch Grabenkämpfe und Rechtsruck-Debatten gebunden wird. Das würde nicht nur die Entwicklung von Haar lähmen, sondern auch das Vertrauen unserer Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit der demokratischen Parteien endgültig erschüttern.
Die besten Lösungen entwickelt man erfahrungsgemäß, wenn man miteinander arbeitet, nicht wenn man übereinander redet. Ich empfehle daher allen, sich mit Kritik und Ratschlägen in Richtung des politischen Wettbewerbers zurückzuhalten, um vorhandene Gräben nicht weiter zu vertiefen. Die ausführliche Berichterstattung der letzten Tage in den lokalen Medien hat die Sachlage für die Haarerinnen und Haarer transparent und verständlich gemacht. Es liegt jetzt an jedem einzelnen, bei der Wahl am 8. März 2026 die richtige Konsequenz daraus zu ziehen. Das können und müssen wirden Menschen in einer Demokratie zutrauen. „Eklat in Haar“ oder „Wahlkampf in Haar eskaliert“ sind keine Überschriften, die ich mir für unsere Kommune wünsche. Wir Kommunalpolitiker müssen Vorbild sein und den Blick gemeinwohlorientiert nach vorn richten. Ich lade alle Demokraten ein, gemeinsam an einem Haar zu arbeiten, das für Vielfalt, Weltoffenheit und Stabilität steht. Nicht Parteibücher, sondern gute Ideen bringen unsere Gesellschaft voran.
Ihr
Dr. Peter Siemsen
Mitglied des Haarer Stadtrats und Bürgermeisterkandidat für Haar
Categories: Allgemein
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