Wenn Erfahrung in Rente geht: Der Mittelstand steht vor einem dramatischen Wissensverlust

Besonders relevant für die kommenden Jahre sind die Größenordnungen unmittelbar vor dem Renteneintritt. Bereits 2024 standen 4,4 Millionen Erwerbspersonen im Alter von 60 bis 64 Jahren im Übergang zum Ruhestand. Das entsprach einer Erwerbsquote von 68 Prozent in dieser Altersgruppe. Direkt dahinter folgtenweitere 5,6 Millionen Erwerbspersonen im Alter von 55 bis 59 Jahren mit einer Erwerbsquote von 85 Prozent. Zusammen stellen diese beiden Altersgruppen 10,0 Millionen Erwerbspersonen und damit mehr als die 45 bis 54 Jährigen mit 9,3 Millionen oder die 35 bis 44 Jährigen mit 9,8 Millionen. Für die nächsten fünf bis zehn Jahre bedeutet das: Nicht einzelne Fachkräfte, sondern zwei außergewöhnlich große Erfahrungskohorten verlassen Schritt für Schritt den Arbeitsmarkt.
Auch im längeren Zeithorizont bleibt die Entwicklung massiv. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft werden bis 2036 die verbliebenen rund 16,5 Millionen Babyboomer das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben. Bereits 2023 bezogen 4,5 Millionen Babyboomer eine gesetzliche Altersrente. Der Wissensabfluss steht also nicht erst bevor, er hat längst begonnen.
_\“In vielen Unternehmen verschwindet mit dem Renteneintritt nicht nur Arbeitskraft, sondern auch jahrelang aufgebautes Erfahrungswissen\“, sagt Wichard von Alvensleben, Geschäftsführer der WIRTSCHAFTSWUNDER Consulting GmbH&Co. KG.\“Es geht um Entscheidungslogiken, gewachsene Kundenbeziehungen, implizite Abläufe und praktisches Wissen, das häufig nie systematisch dokumentiert wurde.\“_
Gerade in inhabergeführten Unternehmen, im Handwerk und in mittelständischen Strukturen mit hoher Personenbindung ist dieses Risiko besonders groß. Wenn langjährige Unternehmer, Führungskräfte oder Mitarbeitende ausscheiden, geht oft nicht nur Fachwissen verloren, sondern auch Beziehungswissen, Kontextwissen und das Verständnis dafür, warum Entscheidungen im Unternehmen über Jahre hinweg auf eine bestimmte Weise getroffen wurden. Fraunhofer empfiehlt deshalb ausdrücklich, Wissen vor dem Ausscheiden systematisch zu sichern und Übergaben strukturiert vorzubereiten.
WIRTSCHAFTSWUNDER begleitet Unternehmen in genau diesenÜbergangsphasen. Im Mittelpunkt stehen die frühzeitige Identifikation kritischen Wissens, die Strukturierung von Übergabeprozessen und die Sicherung von Erfahrungswissen im Unternehmen. Künstliche Intelligenz versteht WIRTSCHAFTSWUNDER dabei nicht als Ersatz für Erfahrung, sondern alsWerkzeug, um Wissen greifbar, dokumentierbar und anschlussfähig zu machen.
_\“KI ersetzt keine unternehmerische Erfahrung\“_, ergänzt André Glaser, Prokurist bei WIRTSCHAFTSWUNDER. _\“Aber sie kann helfen, Wissen zu strukturieren, Gespräche auszuwerten, implizite Abläufe sichtbar zu machen und relevantes Know-how im Unternehmen zugänglich zu halten. Entscheidend ist, dass dieser Prozess rechtzeitig begonnen und aktiv begleitet wird.\“_
Aus Sicht von WIRTSCHAFTSWUNDER wird Wissenssicherung damit zu einer der zentralen Führungsaufgaben der kommenden Jahre. Wer den Ruhestand der Babyboomer nur als Personalthema betrachtet, greift zu kurz. Es geht um Wettbewerbsfähigkeit, Kontinuität und die Frage, ob unternehmerische Erfahrung im Unternehmen bleibt oder mit einer Generation verschwindet.
Categories: Allgemein
No Responses Yet
You must be logged in to post a comment.