Tierschützer dringen in Lidl-Konzernzentralen ein – und fordern ein Ende des Erstickens von Garnelen / Polizei-Einsatz unter Verdacht des Hausfriedensbruchs

Warum Garnelen?
Garnelen gehören zu den meistgegessenen Tieren der Welt: hierzulande werden Schätzungen zufolge jedes Jahr etwa 2,5 Milliarden verkauft. Wissenschaftliche Studien wie z.B. ein Review der London School of Economics, kommen zu dem Schluss, dass Krebstiere wie Garnelen schmerz- und leidensfähig sind. Dieelektrische Betäubung vor der Tötung gilt als wirksame, kommerziell verfügbare Methode, um dieses Leid zu verringern.
Polizei-Einsatz bei Lidl – Aktivisten rechtfertigen zivilen Ungehorsam
Zur Mittagszeit hielt eine Gruppe von Aktivist:innen eine Rede im Betriebsrestaurant der Schwarz-Gruppe – nach Angaben der Beteiligten vor mehreren hundert Mitarbeitenden. Die Polizei wurde gerufen, doch die Aktivist:innen verließen das Gelände friedlich vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte, nachdem sie dazu aufgefordert worden waren. Die Identitäten der Aktivisten wurden unter dem Verdacht des Hausfriedensbruchs festgestellt; Festnahmen gab es nicht.
\“Eine E-Mail ist leicht zu ignorieren. Wenn ein halbes Dutzend Aktivist:innen in der Konzernzentrale steht, kommt die Botschaft anders an\“, sagt Jonas Becker, Head of Invertebrate Welfare Policy bei ICAW.\“Wir haben mit Lidl jahrelang gesprochen, leider erfolglos. Hunderte Millionen Tiere ersticken weiterhin jedes Jahr, bevor sie bei Lidl verkauft werden. Um darauf aufmerksam zu machen, sehe ich friedlichen, zivilen Ungehorsam als berechtigtes Mittel.\“
Die Aktion ist Teil einer Kampagne des International Council for Animal Welfare (ICAW), die unter lidlshrimp.com eine Petition veröffentlicht haben. Die Aktivist:innen fordern Lidl auf, die schlimmsten Praktiken der Garnelenindustrie zu beenden, und wandten sich direkt an die Lidl-Chefs Friedrich Fuchs (Lidl Deutschland) und Kenneth McGrath (Lidl International).
Die Forderungen
Die Tierschützer fordern Lidl auf, die bereits für Großbritannien eingeführten Garnelen-Standards auf das gesamte weltweite Sortiment auszuweiten: ein Verbot der sogenannten Augenstielablation und die Einführung der elektrischen Betäubung oder effektiverer Methoden mit einem konkreten Datum.
Bei der Augenstielablation wird den weiblichen Garnelen im Zuchtbetrieb bei lebendigem Leib ein Augenstiel abgetrennt, um die Eiproduktion anzukurbeln. Getötet werden Garnelen üblicherweise, indem sie in Eiswasserbäder getaucht werden. Recherchen zeigen allerdings, dass viele Tiere kurz darauf wieder zu Bewusstsein kommen. Teils werden die Tiere gar nicht betäubt, sondern in der Sonne zum Ersticken liegen gelassen – ein Todeskampf, der mehrere Minuten dauern kann. Mit der elektrischen Betäubung, die bereits auf vielen Farmen in Lateinamerika eingesetzt wird, ist nach Aussage von ICAW eine bessere Alternative verfügbar.
\“Aldi zeigt, dass es auch anders geht.\“
Andere Unternehmen sind bereits vorangegangen: Aldi hat als erstes Unternehmen weltweit eine entsprechende Selbstverpflichtung abgegeben. Lidl Großbritannien hat die Augenstielablation für seine Eigenmarken-Garnelen bereits zum Januar 2026 beendet und führt die elektrische Betäubung bis Ende 2026 ein. Für Hummer – wie Garnelen ein Krebstier – schreibt Lidl Deutschland die elektrische Betäubung längst vor.
\“Aldi zeigt, dass es auch anders geht.\“, so Becker.\“Von Lidl Deutschland hören wir, dass sie einer Forschungskoalition beigetreten sind, aber kein verbindliches Ausstiegsdatum nennen wollen. Das ist inkonsistent: denn Lidl Großbritanien hat sich bereits allen anderen britischen Supermärkten angeschlossen und diese Tierquälerei verboten.\“
Hintergrund
Nach Kampagnen von ICAW und anderen Gruppen haben sich in den letzten zwei Jahren in Großbritannien inzwischen alle zehn großen Supermarktketten zu Garnelen-Tierschutzstandards verpflichtet.
Ressourcen
– Video der Aktion: https://www.instagram.com/p/DaBkWx3hDe5/
– Bilder: https://drive.google.com/drive/folders/1f3v1C4J8ymgR1PsSWbaBc38HWntlI73-
– Sendefertiges Interview&Manuskript: im obigen Ordner und auf pointoflistening.de
Pressekontakt:
Jonas Becker
Head of Invertebrate Welfare Policy
International Council for Animal Welfare (ICAW)
Tel.: +49 1573 234 5379
E-Mail: jbecker@i-caw.org
Original-Contentvon: International Council for Animal Welfare,übermittelt durch news aktuell
Categories: Allgemein
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