Tagebuch einer Katastrophe

Von dieser erzählt diese Autobiografie der dafür noch sehr jungen Duisburger Mutter und Autorin Michaela Ernst, die soeben im Leipziger I.C.H. Verlag mit dem Titel: „Hinter der perfekten Fassade“ erschienen ist. Die Autorin erzählt in dieser über ihr Leben, natürlich, genau genommen über die drei Jahre ihres Lebens, in denen sie aus einer scheinbar heilen eigenen kleinen Familienwelt von einer Sekunde auf die andere in eine, ihre ganz eigene Katastrophe stürzt, die sie alle ihre Kräfte kostet, sie psychisch aber auch physisch an den Rand dessen bringt, was ein Mensch ertragen kann, und die ihr diese ganze Zeit, diese drei Jahre abverlangt, bis sie so allmählich abebbt und ihr so wieder Zeit und Raum zum Atmen schafft.
Und dieses Buch zeigt auf erschreckende Weise auch auf, was man vielleicht so ein bisschen ahnt, aber nicht wirklich glauben möchte, bis man es sieht, oder im Fall der Autorin im eigenen Leben erfahren muss, dass einem nämlich ausgerechnet die Menschen und Institutionen, die einem in schrecklichen Momenten beistehen und helfen sollten, gerade das nicht tun. Ganz im Gegenteil bekommt man beim Lesen den Eindruck, und noch mal, die Autorin berichtet ja von ihren eigenen Erfahrungen, dass hier Menschen in größter Not und Verzweiflung obendrein aller denkbaren Lasten aufgebürdet werden. Denn eine Katastrophe bedeutet ja Veränderung, immer. Und wenn eine junge Frau sich zusätzlich zu ihrem Baby noch umeinen plötzlich quasi invaliden Ehemann kümmern muss, der ihr vom Krankenhaus obendrein immer wieder krank und als Last und Risiko und gegen ihren Wunsch, dem Wunsch der Ehefrau, und entgegen besseres Wissen nach Hause geschickt wird, ist an Arbeiten zum Lebensunterhalt beispielsweise nicht zu denken. Die Kosten und Pflichten des Lebens verschwinden aber deswegen ja nicht, und keine Bank der Welt ist bereit, auf Kreditraten zu verzichten, nur weil sich irgendwo eine persönliche Katastrophe, die ohnehin kaum jemand fassen kann und möchte, ereignet. Im Gegenteil werden die Pflichtenmehr, denn die junge Frau muss sich ja nun auch um ihrem Mann kümmern, sich mit seiner Krankheit vertraut machen und sich um Hilfe von Ämtern bemühen, die diese natürlich nicht so ganz ohneWeiteres gewähren, auch wenn sie das offiziell so gerne täten. Also müssen Anträge ausgefüllt und Rechtfertigungen geschrieben werden, muss die Autorin sich auch hier einarbeiten, was wiederum Kraft kostet. Und auch das ist nur die Spitze des berühmten Eisbergs, der Michaele Ernst Stück für Stück weiter erdrückt. Denn Behörden fordern nicht nur immer und immer wieder. Nein, sie setzten Fristen, ohne auch nur zu ahnen, was diese schon Menschen antun können, die nicht gerade leiden und völlig erschöpft sind.
Doch gibt es natürlich auch Lichtblicke in dieser für die Autorin schweren Zeit. Menschen, die sich anbieten, wenigstens ein bisschen zu helfen, oft ganz uneigennützig und spontan, einen Arbeitgeber, der es der unter ihrer Situation leidenden Frau so leicht wie möglich macht, dann nicht arbeiten zu müssen, wenn sie einfach nicht arbeiten kann, sie aber trotzdem bezahlt und ihr vor allem den Arbeitsplatz freihält und ihr sogar einen Kredit anbietet, oder ganz schlicht eine Therapeutin, die die Symptome und das Leiden ihrer Patientin ernst nimmt, behandelt du beim Heilen hilft. Eigentlich ja eine Selbstverständlichkeit. Doch ausgerechnet nicht gewährte Selbstverständlichkeiten und unerwartete und völlig banale Hindernisse sind oder waren es ja, die Michaela so unnötig lange in ihrer Katastrophe halten.
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Honorarfreie Verwendung, Beleghinweis erbeten,
780 Wörter; 5041 Zeichen
Categories: Allgemein
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