Sparreflex statt Strategiedenken: KMUs im Blindflug

Im Vergleich zu grossen Unternehmen und Konzernen sind sich KMUs seltener darüber im Klaren, welchen, konkreten Mehrwert ein unabhängiger Blick von aussen für die Strategie, die Organisation oder die Nachfolge bringen kann. In erster Linie werden die möglichen Kosten der Beratung gesehen – nicht der Nutzen, durch den sich Fehlentscheidungen, Umwege oder Krisen vermeiden liessen. Entsprechend suchen viele KMUs erst dann Unterstützung, wenn der Druck durch Umsatzrückgang, Fehlentscheidungen bei Investitionen oder interne Konflikte bereits hoch und der Handlungsspielraum deutlich kleiner geworden ist.\“In vielen Fällen tragen der hohe operative Zeitdruck im Tagesgeschäft und die geringe Priorisierung strategischer Themen dazu bei, dass eine professionelle Begleitung oft erst sehr spät in Anspruch genommen wird. Die Arbeit eines Beraters gleicht dann eher einem Feuerwehreinsatz\“, berichtet Dr. Heidi Z\’graggen, Unternehmensberaterin und Expertin für Verhandlungen bei der Innerschweizer Agentur URimpuls, aus ihrem Alltag.
Krisensituationen, in denenSofort-Hilfeunter Zeitdruck erforderlich ist, sind keine Seltenheit. So wollte ein kleines KMU eine für seine Verhältnisse bedeutende Investition in erneuerbare Energien tätigen. Die Installation einer Solaranlage mit Speicher war geplant, obwohl die finanziellen Mittel knapp waren. Die Suche nach Fördergeldern und Investoren zog sich hin. Dadurch wuchs nicht nur der finanzielle Druck im Betrieb, sondern auch die Unzufriedenheit der Mitarbeiter, Partner und Lieferanten, die sich unzureichend über die Situation informiert fühlten. Die Stimmung verschlechterte sich zusehends und die Kommunikation brach stellenweise ab.\“Es bahnte sich eine ernsthafteKrisefür das Unternehmen an.\“Zunächst bestand unsere Aufgabe darin, systematisch alle Finanzierungsmöglichkeiten – von öffentlichen Zuschüssen über Förderprogramme bis hin zu Stiftungen – zu prüfen und die erforderlichen finanziellen Mittel zu sichern. Parallel dazu haben wir den Unternehmer in Gesprächen entlastet, sodass wieder eineKommunikationmit allen Betroffenen möglich war\“, schildert Bruno Dobler, ebenfalls Unternehmensberater bei URimpuls.
Als der strategische Handlungsspielraum wieder gegeben war, wurde ein runder Tisch organisiert, an dem alle Beteiligten ihre Sichtweise einbringen und gemeinsam tragfähige Lösungen erarbeiten konnten. So liess sich die Investition geordnet realisieren, ohne dass die Konflikte weiter eskalierten oder Geschäftsbeziehungen dauerhaft Schaden nahmen. Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig innezuhalten, um Klarheit über Ziele, Finanzierung und Kommunikationswege zu schaffen.\“Die Investition in eine professionelle Begleitung zahlt sich daher immer aus, um komplexe Vorhaben strukturiert abzuwickeln, Missverständnisse zu vermeiden und selbst unter engen Ressourcenbedingungen Ruhe in anspruchsvolle Entscheidungsprozesse zu bringen\“, sagt Verhandlungsexpertin Dr. Heidi Z\’graggen.
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