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Schrittweise zur Tiefbohr-Großserie: Interview mit Steffen Werz, Sales Director Automotive bei TBT Tiefbohrtechnik

 

Herr Werz, was ist heute bei Anwendern auf dem Gebiet Tiefbohren besonders gefragt?

Steffen Werz, Sales Director Automotive TBT Tiefbohrtechnik GmbH + Co. aus Dettingen/Erms: Üblicherweise liefern wir sonst eine Stand-alone-Anlage mit eigener Kühlschmiermittel-Versorgung und Späneaufbereitung, die allerdings einen großen Platzbedarf besitzt. Einige Kunden setzen bevorzugt auf flexible Fertigungssysteme (FFS) mit mehreren zwei- oder vierspindligen Maschinen, die sich schrittweise auf- und ausbauen lassen. Diese Fertigungslinien sind u.a. wegen der zentralen Kühlschmiermittelversorgung, die separat von der Anlage zum Beispiel im Keller steht, sehr kompakt.

Wann stiegen Sie in das Geschäft mit FFS ein, für wen sind diese Anlagen gedacht?

Werz: Vor rund fünf bis sechs Jahren begannen wir, in Linienlösungen für die Großserienproduktion zu denken. Diese Konzepte lohnen sich erst ab Losgröße 100.000. Von daher haben wir in erster Linie die Automobilindustrie und ihre Zulieferer im Visier.

Wie gehen Sie bei der Konzeption vor?

Werz: Die Auftraggeber holen uns in einer sehr frühen Entwicklungsphase eines Bauteils ins Boot, um mit uns dann gemeinsam eine Anlage zu planen. Dabei planen wir von Anfang an den späteren Ausbau ein: So werden wichtige Funktionen wie die zentrale Kühlschmiermittel-Versorgung auf die Endausbaustufe ausgelegt. TBT erweitert die Linie dann Jahr für Jahr, in dem wir sukzessive neue Maschinen hinzustellen, die dann an die Kühlschmiermittel-Versorgung angeschlossen werden.

Was zeichnet TBT als Hersteller derartiger Anlagen aus?

Werz: Wir setzen auf niedrige Fertigungstiefe. TBT entwickelt und konstruiert die Maschinentechnik, die eigentliche Produktion der Komponenten geschieht bei lizensierten Firmen aus der Region. Wir übernehmen als Systemlieferant die Endmontage, Abnahme und die Prozessverantwortung.

Sie handeln also ähnlich wie die typischen führenden Automobilhersteller, deren wesentliche Kompetenz in der Konzeption, Entwicklung und Montage von kompletten Endprodukten besteht?

Werz: Das trifft zu, denn auch bei uns ist vor allem das Know-how und nicht aus-schließlich die Fertigungskapazität gefragt.

Wie beschreiben Sie einem neuen Kunden Ihr Konzept?

Werz: TBT betreibt in niedriger Fertigungstiefe maßgeschneiderten Sondermaschinenbau aus dem Baukasten, bei dem sich die Anlagen modular erweitern lassen.

Ersetzt diese Bauweise auch beim Tiefbohren die früheren Transferlinien, die beispielsweise im Motorenbau nur zu einem Anwendungsfall entstanden sind?

Werz: Ja, denn FFS mit verketteten Einzelmaschinen lassen sich einfacher an neue Anwendungen anpassen. Für sie spricht auch die modulare Erweiterbarkeit, die eine schnelle und flexible Anpassung an steigende Stückzahlen ermöglicht. Wir liefern z.B. die erste Ausbaustufe mit zwei Maschinen und einer zentralen Kühlschmiermittel-Versorgung, die für maximal sechs Maschinen ausgelegt ist. Der Kunde kauft dann bis zur Endausbaustufe jährlich jeweils zwei weitere Maschinen hinzu. Er befindet sich auf diese Weise auch beim Budget auf der sicheren Seite, denn der weitere Ausbau geschieht in Abhängigkeit von der Auftragslage.

Welche Maschinen kommen zum Einsatz?

Werz: Es handelt sich um Mehrspindelmaschinen ohne jegliche Peripherie, die nur über einen Schaltschrank, eine Steuerung, eine Hochdruck-Pumpe und eine Pumpstation für das Kühlschmiermittel verfügen.

Da es sich etwa bei der Kühlschmiermittel-Versorgung, dem Schaltschrank oder der Steuerung um Zukaufteile handelt: Wer übernimmt im Fall der Fälle den Service?

Werz: TBT ist als verantwortlicher Systemlieferant der Ansprechpartner für alle Komponenten der FFS.

Spielt für Sie – nicht nur mit Blick auf die FFS – das neue Thema der Hannover Messe eine Rolle: Unterstützen Sie Kunden schon in Sachen Predictive Maintenance?

Werz: Wenn es gefordert und gewünscht ist, bieten wir auch die vorbeugende Wartung an. Das ist besonders gefragt bei Anlagen, die sich ja oft sechs bis sieben Tage rund um die Uhr im Dauereinsatz befinden.

Wie sah ihr bisher größter Auftrag aus?

Werz: Für einen großen internationalen Automobilzulieferer entstand ein flexibles Konzept mit sechs Tiefbohrmaschinen und insgesamt 24 Spindeln, das in der Endausbaustufe für mehr als eine Million Teile pro Jahr ausgelegt ist. Damit ein Bediener zwei bis drei Maschinen bedienen kann, setzen wir hier auf eine Anordnung mit Mittelgang und jeweils drei Maschinen auf jeder Seite, die eine stirnseitiger Be- und Entladung ermöglichen.

Dabei handelt es sich sicherlich um ein Konzept mit sehr weitergehender Automatisierung – etwa beim Handling. Ordern Kunden auch FFS ohne dieses Extra?

Werz: Ja, wir haben kürzlich eine Anlage mit sechs zweispindligen Tiefbohrmaschinen mit manuellem Handling verkauft, die bei der Herstellung von Common-Rail-Injektoren zum Einsatz kommt. Der Kunde legte auf die manuelle Beladung wert, um Fehler zu vermeiden. Dabei wechseln die Bediener jeweils zwei bearbeitete Teile gegen die nächsten zwei aus. Ein Ausbau zur Automatisierung mit Roboter ist jedoch jederzeit möglich.

Posted by on 31. Juli 2019.

Categories: Bilder, Vermischtes

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