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Rheinische Post: Kommentar / Kein Interesse am Balkan = Von Rudolf Gruber

Mit dem Urteil gegen Ratko Mladic ging der
letzte Kriegsverbrecherprozess vor dem UN-Tribunal in Den Haag zu
Ende. Die Bilanz fällt zwiespältig aus. Jedoch geht die oft gehörte
Kritik, die Verfahren hätten nichts zur Versöhnung der verfeindeten
Völker beigetragen, daneben: Das Gericht war für Aufklärung von
Kriegsverbrechen und Rechtsprechung zuständig, nicht für
Versöhnungspolitik. Ohne dieses Tribunal wären Männer wie Radovan
Karadzic oder Ratko Mladic, die für die schlimmsten Kriegsverbrechen
in Europa seit 1945 verantwortlich sind, sowie Dutzende ihrer
Gefolgsleute nie vor Gericht gekommen. Ohne dieses Gericht wäre der
gewaltsame Tod von 100.000 Menschen ungesühnt geblieben. Ob dies zur
Versöhnung beigetragen hätte, darf stark bezweifelt werden. Das Fazit
bleibt indes frustrierend: Bei der Aussöhnung sind die
ex-jugoslawischen Staaten 22 Jahre nach Kriegsende kaum
weitergekommen. Die westlichen Mächte trifft dabei keine geringe
Mitschuld: Ihr abgeflautes Interesse am Balkan steht im krassen
Gegensatz zu dessen geopolitischer Brisanz für Europa.

www.rp-online.de

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

Original-Content von: Rheinische Post, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 22. November 2017.

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