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Report von Plan International zum Welt-Flüchtlingstag: Mädchen in Beiruter Flüchtlingssiedlungen leiden unter Gewalt und Isolation

Mädchen in Beiruter Flüchtlingssiedlungen sind mit
beunruhigender Regelmäßigkeit sexualisierter und physischer Gewalt
sowie Belästigung in ihrem Alltag ausgesetzt. Fast 70 Prozent der von
Plan International in den beiden großen Beiruter
Flüchtlingssiedlungen Shatila und Bourj Al Barajneh sowie in Nabaa zu
ihrer Lebenssituation befragten Mädchen gaben an, nicht einmal
tagsüber ihre Unterkünfte mit einem sicheren Gefühl verlassen zu
können. Sie fühlen sich bedroht von betrunkenen oder Drogen
konsumierenden Männern in ihrer direkten Umgebung. Sie haben Angst
vor Vergewaltigung und Kidnapping und ihre Eltern verbieten es ihnen,
das Haus alleine zu verlassen. Dreiviertel aller befragten Mädchen
fühlt sich deshalb einsam und isoliert, so die Ergebnisse des Reports
\“Heranwachsende Mädchen in Krisenregionen. Stimmen aus Beirut\“ der
Kinderhilfsorganisation Plan International.

Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International
Deutschland: \“In den völlig überfüllten Flüchtlingssiedlungen sind
die Bedürfnisse von Mädchen unsichtbar. Mittlerweile kommt im Libanon
auf etwa jeden vierten Bewohner ein Flüchtling. Der Druck auf
Ressourcen ist immens, und Mädchen leiden besonders darunter. Aus
Angst vor sexuellen Übergriffen werden sie weggeschlossen und leben
auf kleinstem Raum ohne jede Perspektive. Es ist begrüßenswert, dass
die Bundesregierung Mittel zur humanitären Hilfe vor Ort zur
Verfügung stellt. Jedoch fordern wir, dass sie die Gelder zur
humanitären Hilfe zielgerichtet zur Stärkung und eigenständigen
Entwicklung von Mädchen einsetzt. Jedes Mädchen muss zur Schule gehen
können und vor Frühverheiratung geschützt werden. Außerdem brauchen
sie geschützte Räume, wo sie sich mit Gleichaltrigen treffen können.\“

In Bezug auf Bildungschancen ergaben sich klare Unterschiede
zwischen libanesischen, palästinensischen und syrischen Mädchen. Mehr
als 70 Prozent der wegen des Syrienkrieges ab 2011 nach Beirut
geflohenen syrischen Mädchen gaben an, die Schule gar nicht oder nur
unregelmäßig besuchen zu können. Bei den libanesischen und
palästinensischen Mädchen waren es maximal 30 Prozent. Im Unterschied
zu libanesischen Mädchen und Mädchen aus palästinensischen Familien –
die bereits seit Jahrzehnten unter dem Schutz des UN-Hilfswerks für
Palästinaflüchtlinge (UNRWA) in Beirut leben – scheitert der
Schulbesuch der syrischen Mädchen daran, dass sie die von der UNRWA
bereit gestellten Schulen nicht nutzen dürfen. In den öffentlichen
und privaten Schulen sind die administrativen Hürden wie auch die
Kosten so hoch, dass Eltern es meist aufgeben, ihre Töchter
einzuschulen. Stattdessen betrachten manche eine frühe Heirat als
besten Schutz. Die befragten Mädchen berichteten, dass Bekannte in
ihrem Umfeld bereits ab 13 Jahren heiraten müssen.

Der Libanon ist Heimat für viele Geflüchtete. Neben 450.000
offiziell registrierten palästinensischen Flüchtlingen, die teils
schon seit vielen Jahrzehnten in dem kleinen Land unter
UN-Protektorat leben, kamen infolge des Bürgerkrieges vermutlich mehr
als eine Million Flüchtlinge aus Syrien dazu. Teils Palästinenser,
die bereits in Syrien als Geflüchtete lebten und nun erneut fliehen
mussten, vor allem aber Syrer auf der Flucht vor Gewalt. Damit
beherbergt das kleine Land im Vergleich zu seiner Einwohnerzahl
extrem viele Flüchtlinge. Die vielen Schutzsuchenden haben die
Ressourcen knapp werden und die Spannungen zwischen den verschiedenen
Gruppen zunehmen lassen, zumal die Gruppen alle einen
unterschiedlichen Rechtstatus haben.

Mit dem Report \“Heranwachsende Mädchen in der Krise. Stimmen aus
Beirut\“ gibt Plan Mädchen in einem prekären humanitären Kontext eine
Stimme, um Maßnahmen starten zu können, die auf ihre Bedürfnisse
zugeschnitten sind. Für den Report wurden 400 Mädchen zwischen zehn
und 19 Jahren in den Flüchtlingscamps Shatila, Bourj Al Barajneh
sowie dem dicht besiedelten Vorort Nabaa nahe Bourj Hammoud befragt,
sowie Gespräche mit Eltern, Brüdern, Lehrern und anderen
Entscheidungsträgern durchgeführt.

Die englische Studie finden Sie zum Download in unserem
Pressebereich unter www.plan.de/presse

Weitere Informationen:
Plan International Deutschland e.V., Kommunikation,
Bramfelder Str. 70, 22305 Hamburg
– Sabine Marxen, Leiterin des Presseteams, Tel. 040 61140-278
– Claudia Ulferts, Pressereferentin, Tel. 040 61140-267,
presse@plan.de

Original-Content von: Plan International Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell

Posted by on 18. Juni 2019.

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Categories: Vermischtes

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