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Professionelle Zahnreinigung – Was hilft wem? / Patienten brauchen Klarheitüber Nutzen (FOTO)

 


\“Verdacht auf Abzocke bei professioneller Zahnreinigung\“ oder \“Die
Zahnreinigung vom Profi ist umstritten\“: Am 6. Mai 2019 erschienen in
verschiedenen Tageszeitungen im Stuttgarter Raum Artikel zum Thema
professionelle Zahnreinigung (PZR), die hohe Wellen geschlagen und
viele Patienten verunsichert haben. Die Artikel ziehen
Schlussfolgerungen – neben PZR auch zum Thema Mundhygieneinstruktion
(MHI) -, die in dieser Form weder sachlich haltbar noch für Patienten
hilfreich sind. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG
PARO) plädiert für mehr Klarheit im Umgang mit den Begrifflichkeiten.
Parodontitis-Patienten müssen aufgeklärt werden, dass sie
weitergehende und häufigere Unterstützung brauchen als junge
parodontal Gesunde.

Eine gründliche Zahnreinigung bedeutet, die Zähne rundum von
Zahnbelägen (zumeist bakterielle Plaque) zu befreien. Die Bakterien
können die Zähne und das Zahnfleisch angreifen und Karies oder
Zahnfleischentzündungen verursachen. Bei einer Parodontitis breitet
sich die Entzündung auf den Zahnhalteapparat aus. Wird sie nicht
behandelt, können die Zähne ihren Halt verlieren, sich lockern und
letztlich ausfallen. Zahnarztpraxen bieten eine professionelle
Zahnreinigung (PZR) an, um Karies oder einer Zahnfleischentzündung
vorzubeugen sowie nach einer Parodontitis-Behandlung zu verhindern,
dass die Entzündung zurückkehrt.

Was bringt die PZR?

Die aktuelle Berichterstattung rund um das Thema PZR suggeriert,
dass die professionelle Zahnreinigung für Patienten verzichtbar sei
und keinen zusätzlichen Vorteil für die Mundgesundheit bringe. Prof.
Dr. Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie an der
Goethe-Universität Frankfurt, wurde in den Artikeln zitiert und
stellt klar: \“Ja, bei parodontal gesunden jungen Erwachsenen ist die
PZR verzichtbar, da eine Zahnreinigung zusätzlich zur
Mundhygieneinstruktion (MHI) keinen zusätzlichen medizinischen Nutzen
bewirkt.\“ Durch die MHI kann die eigene Mundhygiene effektiv und
nachhaltig verbessert werden – auch bei parodontal Gesunden. In den
Tageszeitungen hieß es, \“die MHI hätte den Vorteil, dass man sie im
Idealfall nur einmal braucht\“. Diese Annahme weist Eickholz zurück.
Menschen für eine effektive Mundhygiene zu schulen, brauche immer
wieder Anstöße. Eine einmalige MHI führe nur im absoluten
Ausnahmefall zu lebenslang effektiver Mundhygiene. Auch für die MHI
müssen die Patienten je nach individuellem Risiko und Putzerfolg zum
Teil mehrfach pro Jahr zum Zahnarzt gehen. Eickholz warnt, hier durch
pauschale Darstellungen in den Medien falsche Hoffnungen –
insbesondere für an Parodontitis erkrankte Menschen – zu wecken.

Patienten mit unterschiedlichen Bedürfnissen

Das Gesagte gilt nur für junge parodontal gesunde Menschen, nicht
für den überwiegenden Teil der Gesamtbevölkerung. Laut Fünfter
Deutscher Mundgesundheitsstudie (DMS V) leiden in der Gruppe der 35-
bis 44-Jährigen 10 Prozent an schweren und weitere 48 Prozent an
moderaten Parodontalerkrankungen. In der Gruppe der jungen Senioren
liegen die entsprechenden Zahlen bei 25 bzw. gut 50 Prozent. Für
diese Patienten geht es nicht allein um MHI oder PZR, sondern um die
systematische Therapie von Parodontopathien oder unterstützende
Parodontitistherapie (UPT). Insofern besteht zwischen den Aussagen
von Prof. Eickholz, der der PZR für junge parodontal gesunde Personen
den zusätzlichen Nutzen über die MHI hinaus abspricht, und dem in den
Zeitungsartikeln ebenfalls zitierten Vorsitzenden der
Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Wolfgang Eßer, kein
Gegensatz. Eßer bezeichnet die PZR als anerkannte Präventionsleistung
und hat dabei nicht primär die jungen parodontal Gesunden im Auge.
Entscheidend ist also die individuelle Mundgesundheitssituation der
Patienten, die der Zahnarzt als Experte richtig einschätzen und
entsprechende Präventions- oder Therapieempfehlungen patientengerecht
aussprechen kann.

Mehr Klarheit bei Begrifflichkeiten

Die Begriffe MHI, PZR und UPT werden häufig durcheinander geworfen
und PZR wie ein Überbegriff verwendet. Dabei umfasst die PZR
grundsätzlich das Reinigen, Polieren und Fluoridieren der Zähne,
nicht aber die MHI (siehe Infobox \“Auf einen Blick\“). Das führt zu
Missverständnissen und verunsichert Patienten. Wichtig zu wissen ist
außerdem, dass Patienten, die an Parodontitis erkrankt sind, nicht
allein mit MHI oder PZR auskommen. Eickholz macht darauf aufmerksam,
dass sie systematisch aktiv parodontal therapiert und anschließend
kontinuierlich nachbetreut werden müssen. Die UPT wird jedoch leider
bisher – ebenso wie die PZR und die MHI – nicht von der gesetzlichen
Krankenversicherung übernommen und muss von den Patienten selbst
bezahlt werden. Das schürt auch Skepsis gegenüber dem Nutzen dieser
wichtigen Nachsorge bei Parodontitispatienten. Aufgrund der
Begriffsverwirrung bezeichnen viele Patienten, aber möglicherweise
auch manche Zahnärzte das, was UPT ist, falsch als PZR. Die UPT geht
aber weit über die PZR hinaus – eine wesentliche Information für
Patienten, damit sie die einzelnen Schritte einer Behandlung
nachvollziehen können und die Kosten für sie transparent sind.
Insofern kann die aktuelle Diskussion dazu beitragen, zukünftig
besser zwischen MHI, PZR und UPT zu differenzieren.

Fazit: Die durch die aktuelle Berichterstattung angestoßene
Diskussion lässt sich nutzen, sorgfältiger mit den Begrifflichkeiten
MHI, PZR und UPT umzugehen und mehr Klarheit für Patienten zu
schaffen. Pauschale Urteile über den Nutzen bestimmter Maßnahmen für
alle Patientengruppen helfen niemandem. Die DG PARO unterstützt
dieses Streben nach Klarheit durch Publikationen,
Patientenaufklärung, Fortbildungsveranstaltungen und
Öffentlichkeitsarbeit seit Jahren.

Auf einen Blick: MHI, PZR und UPT – was ist was?

Mundhygiene-Instruktion (MHI)

– Für wen: grundsätzlich für jeden Patienten empfehlenswert
– Wie oft: bis zu viermal jährlich
– Was wird gemacht: Informationen über die Zusammenhänge von
bakteriellen Zahnbelägen (Plaque), Karies und Parodontitis;
Anfärben der Plaque auf den Zähnen; Erhebung von Indizes zur
Quantifizierung der Menge der Zahnbeläge und des Ausmaßes der
Zahnfleischentzündung; Erläuterung von Schwachstellen der
eigenen Mundhygiene und Demonstration von individuell geeigneten
Mundhygienemaßnahmen und -hilfsmitteln für zuhause

Professionelle Zahnreinigung (PZR)

– Für wen: Patienten mit erhöhtem Karies- und/oder
Parodontitis-Risiko; Patienten, die eine MHI bekommen haben,
aber die alten Beläge nicht selbst wegputzen möchten; zur
Entfernung kosmetisch störender Zahnbeläge (z.B. durch Rauchen,
Kaffee, Tee)
– Wie oft: in Abhängigkeit vom individuellen Risiko bzw. Bedarf
(Verfärbungen) bis zu viermal jährlich
– Was wird gemacht: Reinigen und Entfernen von bakteriellen
Zahnbelägen und Verfärbungen an den Zahnoberflächen; Polieren;
Fluoridierung der Zähne (Leistungsbeschreibung nach
Gebührenordnung für Zahnärzte [GOZ])

Unterstützende Parodontitistherapie (UPT)

– Für wen: Patienten, die bereits an Parodontitis erkrankt waren
und sich einer aktiven Behandlung (systematische
Parodontitistherapie) unterzogen haben
– Wie oft: je nach individuellem Patientenrisiko ein- bis viermal
jährlich
– Was wird gemacht: Mundhygiene-Instruktion und Motivation des
Patienten; professionelle mechanische Plaqueentfernung; Erhebung
des aktuellen Entzündungs- und Mundhygienezustandes; Messung der
Zahnfleischtaschentiefen (Parodontalstatus); falls notwendig:
Reinigung (wieder-) erkrankter und vertiefter Zahnfleischtaschen

Quellen:

Hugoson A, Lundgren D, Asklöw B, Borgklint G: Effect of three
different dental health programmes on young adult individuals: a
randomized, blinded, controlled evaluation of oral hygiene behavior
on plaque and gingivitis. J Clin Periodontol 2007;34:407-415.

Jordan, A. R. & Micheelis, W. (2016): Fünfte Köln: Deutscher
Zahnärzte Verlag DÄV. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V).

Pressekontakt:
Gesellschaft:
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V.
Neufferstraße 1
93055 Regensburg
Tel.: +49 (0) 941/942799-0
kontakt@dgparo.de
www.dgparo.de

Agentur:
Dr. Martina Neunecker
Accente BizzComm GmbH
Lortzingstraße 1
65189 Wiesbaden
Tel.: +49 (0) 611/40 80-619
martina.neunecker@accente.de

Original-Content von: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 23. Mai 2019.

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Categories: Bilder, Gesundheit & Medizin

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