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Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber im Interview: \“Den Druck habe ich mir einfach schöngeredet\“ / Monoskifahrerin steht zur Wahl zum \“Sport-Stipendiat des Jahres\“ / Wahl unter sportstipendiat.de

Als fünffache Titelverteidigerin trat
Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber bei den Paralympics 2018 in
Pyeongchang an – und hielt dem enormen Druck mit zwei Gold- und einer
Silbermedaille bravourös stand. Beinahe nebenbei meisterte die
25-Jährige, die Mathematik und Wirtschaft auf Lehramt studiert, im
sechsten Semester ihre Zulassung zum ersten Staatsexamen. Geholfen
hat ihr dabei ein konsequenter Plan.

(Hinweis: rechtefreies Fotomaterial zum Download:
https://bit.ly/2zXx9Yg)

Deutsche Sporthilfe: Anna, bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang
hast Du Deine Goldmedaillen Nummer sechs und sieben eingefahren – und
das in sieben Rennen in Serie. Ist die Nationalhymne für Dich
inzwischen zur Routine geworden?

Anna Schaffelhuber: Nein, überhaupt nicht. Für mich persönlich war
die erste Goldmedaille in Pyeongchang der emotionalste und auch
größte Sieg. Die Ausgangssituation war diesmal eine ganz andere, denn
nach den fünf Goldenen von Sotschi war der Druck gigantisch. Es ist
extrem schwer, nach oben zu kommen, aber es ist noch schwerer, oben
zu bleiben. Dass ich gleich im ersten Rennen wieder Gold gewinnen
konnte, hat mich sehr stolz gemacht.

Wie hast Du diesen Druck wahrgenommen?

Ich hatte das Gefühl, dass Siege von mir nach Sotschi
gewissermaßen als selbstverständlich wahrgenommen werden. Im Training
stand ich unter Dauerbeobachtung von Trainern und anderen Sportlern.
Es ist extrem schwierig, die riesigen Erwartungen, die fast alle
Menschen an mich haben, zu erfüllen. Und dann will man ja auch selbst
seine Erfolge bestätigen.

Hast Du ein spezielles Rezept entwickelt, mit diesem Druck
umzugehen?

Vor den Spielen von Pyeongchang habe ich mir irgendwann klar
gemacht, dass nicht ich den Druck habe, sondern eigentlich die
anderen, weil ich die Goldmedaillen ja bereits zu Hause habe. Das war
zwar ein Stück weit Schöngerede, hat mir aber einfach gut getan.

Und war erfolgreich: In Pyeongchang gab es bei Deinen ersten
beiden Starts gleich zweimal Gold, anschließend noch einmal Silber.
Wie viele Steine fielen Dir da vom Herzen?

Beim zweiten Rennen und nach der zweiten Goldmedaille war es für
mich emotional schon deutlich einfacher als beim ersten, weil ich
wusste: ich habe wieder abgeliefert und kann hier nichts mehr
verlieren. Richtig genießen kann ich Großereignisse eigentlich nicht
mehr.

Wie hat sich Dein Alltag seit dem endgültigen Durchbruch in
Sotschi verändert?

Vor allem hat sich mein Tätigkeitsfeld verändert. Ich musste eben
nicht \“nur\“ Training und Studium unter einen Hut bringen. Mit den
vielen Terminen für Medien, Sponsoren und Veranstaltungen ist eine
ganz große dritte Komponente hinzugekommen. Das darf man nicht
unterschätzen. Es macht mir zwar Spaß, aber effektiv geht es von
meiner Trainings- und Lernzeit ab. Hinzu kommt die Dauerbeobachtung –
beim Sport, aber auch an der Uni.

Deine Kommilitonen und Dozenten haben also ein besonderes Auge auf
Dich?

Am Anfang musste ich tatsächlich Professoren und Kommilitonen
Autogramme geben, was zwar ein bisschen komisch war, sich inzwischen
aber normalisiert hat. Man kennt sich ja und ich bin eine mehr oder
weniger normale Studentin. Trotzdem stehe ich etwa bei Prüfungen
immer ein bisschen mehr im Fokus als andere.

Stößt Du generell an der Uni auf Verständnis für Deinen
Leistungssport?

Vor allem seit meinem Wechsel von Jura zu Lehramt vor drei Jahren
ist das Verständnis sehr hoch. Die Unterstützung und Koordinierung
funktioniert super. Klar gibt es ab und zu Schwierigkeiten, die aber
bislang immer zu lösen waren. Da muss ich mich wirklich bei meiner
Universität bedanken.

Bei Deinem vollen Terminkalender bleibt keine Zeit für einen
typischen Studenten-Job. Wie wichtig ist für Dich die Unterstützung
durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium?

Das Deutsche Bank Sport-Stipendium und die Förderung durch die
Sporthilfe sind ganz entscheidend für mich. Anders wäre der Spagat
zwischen Uni und Sport ehrlich gesagt auch nicht machbar. Mit einem
Job als zusätzlicher Baustelle würde ich definitiv über meine
Belastungsgrenzen hinausgehen.

Anders als vor Sotschi hast Du diesmal vor Pyeongchang kein
Urlaubssemester genommen.

Ich wollte jetzt einfach das Studium durchzuziehen. Vor meinem
ersten Unitag habe ich die komplette Planung bis zum Ende gemacht –
schon ein bisschen bescheuert (lacht). Aber die Großereignisse stehen
ja lange im Voraus fest, so habe ich gewusst, was wann machbar ist.
Im Wintersemester war ich glaube ich nicht einen Tag an der Uni, habe
aber trotzdem meine Zulassungsarbeit zum Staatsexamen geschrieben.
Aber klar, in der Zeit, in der manche Athleten regenerieren, sitze
ich am Schreibtisch.

Du studierst im sechsten Semester Wirtschaft, Recht und Mathematik
auf Lehramt. Wie kam es zu dieser Wahl?

Ich mag es gerne logisch. Auswendig lernen ist nicht so mein Ding,
aber zu erkennen, wie Systeme funktionieren und Lösungen zu
erarbeiten, das gefällt mir schon. Hier gibt es übrigens eine
Parallele zum Sport. Auch dort muss ich immer neue Strategien
entwickeln.

Viel Arbeit mit dem Kopf also. Wie wichtig ist Dir diese geistige
Herausforderung als Ausgleich zum Sport?

Es tut mir schon gut, wenn ich neben dem Sport noch etwas anderes
mache. Klar ist es cool, sich nur auf den Sport konzentrieren zu
können, aber eine Ausgleichskomponente finde ich ganz wichtig. Ein
zweites Standbein neben dem Skifahren zu haben gibt mir auch etwas
mehr Freiheit, wenn ich oben am Start stehe.

Wo würdest Du die Auszeichnung zum Sport-Stipendiat des Jahres
einordnen?

Sie hätte einen sehr hohen Stellenwert, weil es eine ganz andere
Art der Ehrung ist. Beim Sport-Stipendiat wird nicht nur meine
sportliche Leistung gewürdigt, sondern auch der Spagat zwischen Uni
und Sport, den ich nun schon seit vielen Jahren meistere. Außerdem
wäre ich die erste paralympische Sportlerin, die die Auszeichnung
bekäme – dafür ist es mal Zeit.

——————————————–
Steckbrief Anna Schaffelhuber (* 26. Januar 1993 in Regensburg)
Sportart: Para Ski alpin
Wohnort: München / Höhenkirchen-Siegertsbrunn
Verein: TSV Bayerbach
Größte Erfolge: 7-fache Paralympics-Siegerin
9-fache Weltmeisterin
6-fache Gewinnerin des Gesamtweltcups
Studium: Lehramt für Mathematik, Wirtschaft und Recht
Universität: Ludwig-Maximilians-Universität München
——————————————–

Die Deutsche Bank unterstützt im Rahmen der Sporthilfe-Förderung
studierende Spitzenathleten mit 400 Euro im Monat. Aktuell
profitieren rund 400 Sporthilfe-geförderte Athleten vom Programm, das
mit einem Zeitbonus über die Regelstudienzeit hinaus gewährt wird.
Die besonderen Leistungen der studierenden Athleten sollen mit der
Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres zusätzlich herausgestellt und
gewürdigt werden. Der Preisträger erhält für 18 Monate von der
Deutschen Bank den doppelten Stipendiumsbetrag von 800 Euro pro
Monat. Die weiteren vier Finalisten erhalten für den gleichen
Zeitraum eine Zusatzförderung in Höhe von 200 Euro pro Monat.

Diese Sporthilfe-Athleten stehen zur Wahl: Malte Jakschik
(Rudern/Maschinenbau), Clara Klug (Para Biathlon/Computerlinguistik),
Thomas Röhler (Speerwurf/Strategy, Management and Marketing), Anna
Schaffelhuber (Para Ski alpin/Lehramt) und Richard Schmidt
(Fechten/Jura). Bis zum 19. August 2018 kann jeder unter
www.sportstipendiat.de den Nachfolger von Theresa Stoll,
Europameisterschafts-Zweite im Judo und Studentin der Humanmedizin,
wählen. Unter allen Teilnehmern des Online-Votings wird eine Reise
für zwei Personen zum Sporthilfe Club der Besten verlost.

HINWEIS AN DIE REDAKTIONEN:

Abdruck honorarfrei. Quelle: Deutsche Sporthilfe

Wir bieten kosten- und rechtefreies Video- und Foto-Material an:

– einen sendefertig geschnittenen und vertonten Video-Beitrag, der
die fünf Finalisten sowohl als Sportler als auch als Student
vorstellt. Wir zeigen spektakuläre Einblicke in die
Trainingsarbeit und schauen beim Studium über die Schulter.
– Zum Download: https://vimeo.com/281276461
– Zum Embedden aus dem Sporthilfe Youtube-Kanal:
https://youtu.be/PgTMBdAz1Ro

– Rechtefreies Fotomaterial steht zum Download auf der Homepage
der Deutschen Sporthilfe bereit: https://bit.ly/2zXx9Yg

Pressekontakt:
Stiftung Deutsche Sporthilfe
Fabian Müller
Otto Fleck-Schneise 8
60528 Frankfurt am Main
Tel: 069/67803 – 514
Fax: 069/67803 – 599
E-Mail: Fabian.Mueller@Sporthilfe.de
Internet: www.sporthilfe.de und www.sportstipendiat.de

Original-Content von: Stiftung Deutsche Sporthilfe, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 30. Juli 2018.

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Categories: Vermischtes

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