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Nur nicht in die Armbeuge niesen!

 

Wenn es einen erwischt, hat man kaum ein Chance: Die Nase muss dringend unangenehme, juckende Gefühle loswerden und bezwingt dann auch den härtesten Widerstand – sie niest. Einige schaffen es, das Niesen (fast) zu unterdrücken. Die meisten Menschen aber müssen diesem starken Drang nachgeben und befreien sich mehr oder weniger lautstark von diesem unangenehmen Reiz.
Dabei kommt es zu den unterschiedlichsten Hand- und Nasenhabungen. Während es die einen noch schaffen, in ein Taschentuch zu prusten, fehlt den anderen dafür die Zeit oder auch ein geeignetes Tuch. Die Dritten wiederum haben gelesen, dass man in die Armbeuge niesen soll, während wieder andere ungeniert in die Hand oder irgendwie ins Freie hinein niesen. Gibt es da einen Königsweg?
Wohl kaum. Aber vielleicht ein paar interessante Überlegungen.
Beim Niesen werden Bakterien mit einer Geschwindigkeit von etwa 180 km/h in die Umwelt katapultiert. Dieser Vorgang ist vermutlich deshalb mit solch einer Wucht ausgestattet, damit die lästigen oder auch gefährlichen Bakterien möglichst weit vom eigenen Körper geschleudert werden können. Das mag vor etlichen Zeitaltern richtig und gut gewesen sein. In der heutigen Zeit, in der eine (mit-)menschenleere Umgebung eher zu den Seltenheiten gehört, hilft uns diese erstaunliche Urgewalt nicht mehr so viel. Wenn die Bakterien direkt vor den Nasenlöchern von einem Taschentuch eingefangen werden können, ist das für die nähere Umgebung gut. Deshalb ist die Anwendung eines Taschentuches (Textil oder Papier) sehr zu empfehlen – wenn es zeitlich und von der Verfügbarkeit her machbar ist.
Noch besser ist es allerdings, frei weg zu niesen – ohne Inanspruchnahme der Hände oder eines Tuches irgendwelcher Art. Das gilt aber natürlich nur im Freien, wenn man sicher sein kann, dass die Bakterien in ihrer Überlebensphase niemand anderen behelligen.
Bakterien können bis zu 3 Tagen auf Türklinken, Treppengeländern, Geräten etc., aber auch auf Stoffen und Tuchen überleben. Das sollte man beachten, wenn man „einfach so“ in die Gegend niest oder ein benutztes Taschentuch unachtsam in einen offenen Papierkorb wirft.
Keinesfalls in die Armbeuge
Dieses Wissen ist besonders wichtig, wenn man eine Verhaltensweise oder gar -Regel betrachtet, die sich in den letzten Jahren besonders schnell verbreitet hat: Das Niesen in die Armbeuge. Eltern haben das ihren Kindergarten- und Schulkindern beigebracht, Arbeitskollegen halten sich damit für rücksichtsvoll und das Bedienpersonal an Verkaufstheken glaubt ebenfalls, damit eine Lösung gefunden zu haben, die manchen Kundenekel vermeiden hilft.
Dabei würde ein wenig mehr Nachdenken viel hilfreicher sein, wie Lutz Beyering in seinem Buch „Wenn die Nase juxt“ beschreibt. Denn der gesunde Menschenverstand führt einige triftige Gründe auf, diese Modeerscheinung möglichst schnell wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen.
1. Dass die Nase nicht nur unsichtbare Bakterien ausscheidet, die bei der gewaltigen Explosion im Nasenloch bis zu 3 oder 4 Meter weit geschleudert werden können, ist keine neue Erkenntnis. Die Armbeuge eines Mantels, Anzugs oder entsprechenden Pullovers ordnungs-gemäß zu reinigen, ist umständlich – und manchmal auch ein Hindernis für sparsame Menschen, das überhaupt zu tun.
2. Die schon beschriebene Explosionskraft kann durch Taschentücher weitestgehend gebändigt werden, weil das Tuch eng an den Nasenlöchern anliegen kann. So eng wird kaum jemand seine Nase in die Armbeuge stecken – die meisten Bakterien finden also demnach doch den Weg „in die Freiheit“ und somit auch zum Mitmenschen.
3. Wenn die Bakterien – wie oben beschrieben – bis zu 3 Tage überleben können, tragen wir somit ein offenes „Nest“ an Bakterien mit uns herum, das noch lange Zeit im negativsten (und ansteckenden) Sinne wirksam ist.

Ein Buch mit sehr unterschiedlichen Inhalten
Beyering hat dies in seinem lesenswerten und unterhaltsamen Buch gut nachvollziehbar beschrieben. Nicht nur seriöse Beschreibungen über die Nase, ihre Riech- und sonstigen Leistungen werden gut recherchiert und in sehr unterhaltsamer Weise beschrieben. Der Autor konnte sich auch nicht verkneifen, aus Gründen der Unterhaltung viele kleine Stories, Aphorismen, Satiren und erdachte Geschichtchen rund um die Nase einzubauen. „Es sollte ein Sachbuch werden, das fundiertes Wissen und hemmungslose Blödelei miteinander vereint“, meint Beyering, der sich selbst als lebendes Beispiel für eine solche Kombination bezeichnet. „Ich habe diese Mischung außerordentlich gern und bin fest davon überzeugt, dass es intelligenten Menschen viel leichter fällt, Sach-Informationen zu verarbeiten, wenn diese von erholsamen Phantasie-Anregungen unterbrochen werden. Kochrezepte über „Elefantenpopel“ finden sich in dem Buch genauso wie Informationen darüber, wie Menschen in den letzten Wochen ihres Lebens andere Gerüche verströmen, die Erklärung, dass die ‚Internationale Popelhymne‘ von Kylie Minogue gesungen wurde („Can’t get you out of my head“) wird dem Leser eben so nahegebracht wie der anatomische Aufbau der Nase und meisterliche Riechleistungen…
Der Autor
Lutz Beyering (70) hat jahrzehntelang in Marketing und Werbung gearbeitet, mehrere Fachbücher und Fachartikel verfasst und konzentriert sich seit einigen Jahren – nun im Rentenalter – auf die Dinge, „die mir Spaß machen. Und genau so wie mir großartige Leistungen imponieren und ich auf sachlich-nüchterne Faktenvermittlung Wert lege, erfreue ich mich spielerischem Umgang mit Phantasie und Worten.“ Den Umgang mit Worten, also der deutschen Sprache, übt er seit geraumer Zeit als Coach für Deutsch als Fremdsprache. Er gibt Deutschunterricht an Migranten genauso wie an fremdsprachliche Manager, also an Expats, die für eine gewisse Zeit nach Deutschland versetzt wurden.
Lutz Beyering
Wenn die Nase juxt
Softcover, 245 Seiten
Verlag Campaign House
ISBN: 978-3-9818193-3-5
14,90 Euro

Posted by on 16. Dezember 2018.

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Categories: Bilder, Vermischtes

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