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NRZ: Lindners rechter Weg – von JAN JESSEN

Nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche war in
den politischen Salons und in der veröffentlichten Meinung der
Schuldige zügig ausgemacht: FDP-Chef Christian Lindner. Er habe ein
abgekartetes Spiel gespielt, die Prinzipientreue sei nur
vorgeschoben, das Scheitern sei schon eingepreist gewesen, so lautete
der Tenor vieler Meinungsäußerungen. Das stimmt alles. Nun ist es
aber so: Ein Jamaika-Bündnis wäre eine krisenanfällige Konstruktion
gewesen, und Lindner hat schon sehr früh zu erkennen gegeben, dass er
wenig Herzblut dafür opfern werde. Gleichwohl haben sich er und seine
FDP-Mitstreiter auf Gespräche eingelassen und können jetzt zweierlei
sagen: Wir haben staatspolitische Verantwortung und Rückgrat
bewiesen. Das gefällt insbesondere einer Wählergruppe, die Lindner
bereits länger im Visier hat: den bürgerlichen AfD-Wählern. Für sie
hatte der FDP-Chef schon vor der Wahl Locksignale ausgesandt. Harte
Linie gegenüber dem Autokraten Erdogan (bedient die Islamophobie der
AfD-Anhänger), weichere Linie gegenüber dem Autokraten Putin (bedient
ihre Russophilie) und klare Kante in der Flüchtlingsfrage. In den
Sondierungsgesprächen soll die FDP selbst die CSU ab und an rechts
überholt haben. Eine FDP, die auf einen nationalliberalen Kurs
einschwenkt, könnte perspektivisch zu einer Bedrohung für die AfD
werden. Wenn Lindners Strategie dazu führt, dass sich künftig Wähler
von den reaktionären Rechtsauslegern abwenden, wäre das zumindest
ein Gewinn für Deutschland.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

Original-Content von: Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 21. November 2017.

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