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NOZ: Drehbuchautor beklagt mangelnde Wertschätzung

Drehbuchautor beklagt mangelnde Wertschätzung

Grimmepreisträger Holger Karsten Schmidt: Werden teilweise wie
Menschenmaterial behandelt – Stuttgarter Tatort-Ermittler erfunden
und dann nie wieder eine Folge geguckt

Osnabrück. Der Drehbuchautor und dreifache Grimmepreisträger
Holger Karsten Schmidt (53) beklagt eine mangelnde Wertschätzung
seines Berufsstands bei Film und Fernsehen: \“Der Umstand der
Geringschätzung speist sich auch aus dem Umstand, dass viele Leute in
der Filmbranche nicht sonderlich interessiert daran sind, den Anteil
von Autoren am Film überhaupt zu benennen,\“ sagte Schmidt im
Interview mit der \“Neuen Osnabrücker Zeitung\“ (NOZ). \“Dass wir zum
Teil nicht mal im Abspann auftauchen, zeigt aber auch, dass Autoren
ständig aus den eigenen Projekten geworfen, ausgetauscht und
teilweise wie Menschenmaterial behandelt werden – das muss man so
sagen.

Auch er selbst habe solche Erfahrungen machen müssen, berichtete
Schmidt weiter: \“Ich habe mal über viele Jahre einen Film entwickelt.
Der Regisseur hat mich dann mit Deckung eines Sendermitarbeiters in
die letzte Überarbeitung vor dem Dreh geschickt, aber hinter meinem
Rücken wurde auf sein Betreiben hin bereits ein anderer Autor
engagiert, der ebenfalls bereit war, mir in den Rücken zu fallen,
während ich noch an der Überarbeitung saß. Ohne mir etwas davon zu
sagen, sollte der zwei Monate vor Drehbeginn das Buch umschreiben.
Und tat das auch. Der Regisseur und der Sendermitarbeiter haben mich
also arbeiten lassen, obwohl sie schon wussten, dass sie meine
Drehfassung nicht abnehmen werden.\“ Diese \“Dimension an Niedertracht\“
sei auch ihm neu gewesen. Erst nachdem er Senderverantwortliche von
den Vorgängen in Kenntnis gesetzt habe, seien Regisseur und Redaktion
vom Sender ausgetauscht und sein Buch umgesetzt worden.

Ein Einzelfall sei dieser Vorgang nicht, sagte Schmidt: \“Es gibt
ein durchaus alltägliches Phänomen, das Oliver Berben mal als
Regiehörigkeit bezeichnet hat: In dem Moment, in dem ein Regisseur an
Bord kommt, lassen Redaktion und Produktion ganz oft ihre
dramaturgische Überzeugung fallen, die sie zwei Jahre während der
Stoffentwicklung mit dem Autor gemeinsam getragen haben. Dann kommt
der Regisseur, will in einer Szene genau das Gegenteil von dem
inszenieren, was im Buch steht, und die sagen: Ja, das ist doch
super. Das haben wir auch schon immer gefunden. Obwohl sie zwei Jahre
lang exakt der gegenteiligen Meinung waren. Das ist leider nicht die
Ausnahme, sondern die Regel.\“

Schmidt, der vor über zehn Jahren das Stuttgarter Tatort-Duo
Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) entwickelte und die
Drehbücher zu den ersten drei Folgen schrieb, hat sich seitdem keine
einzige Episode mit den beiden Ermittlern mehr angeschaut: \“Ich kann
ja nur verlieren, weil es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder legt
der nächste Autor so einen Super-Tatort hin, dass ich denke: Mist,
warum ist mir das nicht gelungen? Oder der nächste Autor macht es
schlecht, dann denke ich: Wie behandelt ihr meine Figuren? Aber ich
lese und höre, es läuft gut.\“

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

Original-Content von: Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 29. Juni 2019.

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