Niederlande und Frankreich als Warnsignal: Warum Deutschland jetzt eine verantwortungsvolle Tabaksteuerpolitik braucht

Beide Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Tabaksteuern massiv erhöht – mit gravierenden Konsequenzen. Statt eines nachhaltigen Rückgangs des Tabakkonsums kam es zu einer starken Verlagerung der Käufe ins Ausland, zu explodierenden Schwarzmarktaktivitäten und zu erheblichen fiskalischen Verlusten. Für Deutschland, als großes Binnenland mit mehreren Niedrigpreisnachbarn, wäre dies ein Szenario mit weitreichenden Folgen.
Niederlande: Hohe Preise – massive Ausweichkäufe
Besonders die jüngste Preisentwicklung des Jahres 2025 zeigt dies in aller Schärfe. In den Niederlanden stiegen die Preise nach einem Aufschlag von 24 % bereits 2024 auf über 11 Euro pro Packung und erhöhten sich 2025 weiter auf 13 Euro bei Premiummarken. Der legale Zigarettenmarkt brach weiter um über ein Fünftel ein; Feinschnitt verlor sogar fast 40% Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Einbrüche spiegeln gerade keinen gesundheitspolitischen Erfolg wider, sondern eine massive Verlagerung der Käufe ins Ausland – denn rund 60% aller Tabakprodukte wurden 2024 nach Umfragedaten der Behörde Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM) von niederländischen Rauchern im Ausland gekauft, hauptsächlich in Deutschland und Luxemburg. Deutschland war nach dieser Umfrage dabei mit knapp 80% die wichtigste Bezugsquelle niederländischer Konsumenten. Auch Studien von Kantar und WSPM bestätigen, dass über 40% der konsumierten Zigaretten 2025 nicht aus den Niederlanden stammen. Aufgrund dieser Entwicklungen hat die niederländische Regierung die Tabaksteuer für 2025 und 2026 eingefroren und ausdrücklich von weiteren Anhebungen abgesehen. Wie die niederländische Regierung selbst einräumt, haben Tabaksteuererhöhungen dort ihre fiskalische Wirkung vollständig verloren. Nach Angaben des niederländischen Finanzministeriums – veröffentlicht im September 2025 – sollten fünf Cent mehr pro Packung ursprünglich rund 7 Mio. Euro zusätzliche Einnahmen generieren. Diese Prognose wurde inzwischen auf null korrigiert, weil grenzüberschreitende Einkäufe die erwarteten Mehreinnahmen vollständig zunichtemachten.
Frankreich: boomender illegaler Markt
Auch in Frankreich hat die Steuerpolitik der vergangenen Jahre einen dramatischen Strukturwandel beim Konsum ausgelöst. Dort kostet eine Packung Zigaretten etwa 64% mehr als in Deutschland. In den Grenzregionen kauft mehr als die Hälfte aller Haushalte regelmäßig Tabak im Ausland – nach Angaben des französischen Statistikamtes Insee vor allem in Luxemburg, Belgien, Spanien oder Deutschland. Parallel dazu wächst der illegale Markt rapide Laut einer KPMG-Studie erreichte der Anteil illegal konsumierter Zigaretten 2024 mit 38 % einen neuen Höchststand. Die Folgen: über 900 Mio. Euro Steuerausfälle.
Laut dem offiziellen Bericht der französischen Sozialversicherung (CCSS-Bericht) brechen die Tabaksteuereinnahmen seit 2021 kontinuierlich ein. Für den Zeitraum 2023-2026 wird mit einem Steuerverlust von rund 2 Mrd. Euro gerechnet. Überzogene Steuererhöhungen schwächen die Steuerbasis langfristig, statt sie zu stärken.
Großbritannien: Hohe Tabaksteuern – sinkende Einnahmen und wachsender Schattenmarkt
Auch in Großbritannien zeigt sich, dass drastische Steuererhöhungen die gewünschten Effekte verfehlen. Seit 2021 wurden über die Verbrauchsteuer 3,75 GBP auf den Verkaufspreis von Zigaretten und 8,37 GBP auf 30 Gramm Feinschnitt aufgeschlagen. Anders als die Niederlande setzt die britische Regierung diesen rigiden Kurs fort – mit klar negativen Ergebnissen. Die Tabaksteuereinnahmen sind seit 2021 um fast 20 % gesunken, was einem Minus von rund zwei Milliarden GBP entspricht. Gleichzeitig ist nach KPMG seit 2021-2024 der Anteil nicht im Inland versteuerter Zigaretten von 22 auf 38 % gestiegen.Die Raucherprävalenz hingegen ist im selben Zeitraum lediglich um 1,7 Prozentpunkte zurückgegangen- ein klares Zeichen, dass hohe Steuerlasten zwar den legalen Markt schwächen, aber kaum zu einem echten Rückgang des Rauchens führen.
Deutschland: Warnung vor Wiederholung alter Fehler
Vor diesem Hintergrund warnt der BVTE eindringlich vorüberzogenen Steuererhöhungen in Deutschland. BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke macht deutlich:\“Die Erfahrungen aus Frankreich und den Niederlanden zeigen klar, dass Deutschland nicht in dieselbe Steuerfalle tappen darf.\“Mit Blick auf die aktuelle Finanzierungsdebatte um die Krankenkassen ergänzt er:\“Wer glaubt, abrupt höhere Tabaksteuern könnten Haushaltslöcher schließen, irrt – auch die deutsche Steuerpolitik der Jahre 2003 bis 2005 hat das eindeutig gezeigt\“. Damals solltenüberzogene Steueranhebungen die Krankenkassen stabilisieren, doch die erhofften Mehreinnahmen blieben aus und der Anteil unversteuerter Zigaretten stieg massiv. Deutschland darf diesen Fehler kein zweites Mal machen.
Ansprechpartner für Rückfragen:
Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE)
Jan Mücke
Hauptgeschäftsführer
Georgenstraße 25
10117 Berlin
Tel. +49 30 88 66 36 – 123
presse@bvte.de
www.bvte.de
Original-Content von: Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE),übermittelt durch news aktuell
Categories: Allgemein
No Responses Yet
You must be logged in to post a comment.