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neues deutschland: Kommentar zu Seehofers langen Abschied: Die letzten Meter tun weh

Die Fähigkeit zum würdevollen – vor allem des
rechtzeitigen – Abtritts von der politischen Bühne ist bei der
Vergabe des politischen Geschicks nur sehr rar gesät worden. Der
Glaube an die eigene Unentbehrlichkeit scheint mit dem Alter noch zu
wachsen. Vielleicht ist er geradezu nötig, um überhaupt in
Spitzenämter zu gelangen, was dem Ganzen eine tragische Note
verleihen würde. Denn diesen Glauben hat man zusehends exklusiv.
Während man glaubt, immer mehr mitreden zu müssen, um mit den
Jüngeren mithalten zu können, hat man umgekehrt immer weniger
wirklich zu sagen. Regieren kann man dann trotzdem noch – und das
müssen dann meist die Jüngeren aushalten. Horst Seehofer verdeutlicht
das Problem der gesamten Union, die sich politisch überlebt zu haben
scheint – es ist nur noch nicht als Erkenntnis zu ihr durchgedrungen.
Die Probleme des 21. Jahrhunderts lassen sich nicht mehr mit Mitteln
des längst vergangenen lösen. Natürlich kann man ständig auf
Strohpuppen eindreschen: Asylgesetze verschärfen, um
Rechtsaußenwähler zu umgarnen, statt sich mit Fluchtursachen,
Stichwort Klimawandel, ernsthaft auseinanderzusetzen. Als
Innenminister einen Heimatfimmel entwickeln, den viele andere nicht
ausleben können oder aus ihr verdrängt werden – auch weil der
Bauminister Seehofer anscheinend noch nichts von seinem Amt gehört
hat. Oft gehen Politiker nicht, sie werden gegangen. Nicht nur beim
Marathon, dem Seehofers Politkarriere gleicht, gilt: Die letzten
Meter Laufbahn tun oft weh. Aber nicht nur den Politikern.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

Original-Content von: neues deutschland, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 30. Mai 2019.

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Categories: Vermischtes

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