Neue Podcast-Folge: An und hinter der Front. Vergessene Soldatinnen

Das allgemeine Abbild des Krieges ist männlich. Für den Zeitraum der Moderne, des 17. Jahrhunderts bis heute, gilt: der Archetyp des Soldatischen ist ein kämpfender Mann. Ob zu Pferd, zu Fuß, motorisiert, zu Wasser oder in der Luft, in der allgemeinen Erinnerungskultur hatten Frauen keinen Platz. Ausnahmen wie Jeanne d Arc inFrankreich oder Friederike Krüger in Deutschland, nach der im vergangenen Jahr die Hindenburg-Kaserne in Münster umbenannt wurde, bestätigten nur als Ausnahmen diese Regel. Die historischen Fakten jedoch sprechen eine andere Sprache. Männer kämpften nie allein, sondern mit Frauen inihrem Rücken, mitunter auch an ihrer Seite. Vom 17. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert spannt sich ein Bogen, der Frauen in allen europäischen Armeen einen beachtlichen Anteil im militärischen Gefüge und eine permanent größer werdende Aufgabenfülle zuwies. Das bezog die Uniformierung, die militärische Unterstellung, die soldatische Entlohnung und zuweilen den Kampfeinsatz mit ein.
Frauen an und hinter der Front
So bewerkstelligten Frauen in den Trossen und Trains der europäischen Armeen des 17. und 18. Jahrhunderts das, was wir heute\“Logistik\“nennen. Sie transportierten Material, schanzten oder organisierten die Feldküchen, was die Versorgung der Soldaten in der Kampflinie miteinbeziehen konnte. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt belegen Quellen, dass Frauen Uniformen ihrer jeweiligen Einheiten trugen und bei Einsätzen auf dem Schlachtfeld bewaffnet waren. Eine erste vollwertige, dabei nur kurzweilige Anerkennung als Soldatinnen erfuhren Frauen 1792 als offiziell titulierte\“Femme Soldats\“während der französischen Revolution. Im 19. Jahrhundert wäre das sich seit dem Krimkrieg (1853-1856) rasant entwickelnde militärische Sanitätswesen ohne den massiven Einsatz von Frauen gar nicht denkbar gewesen. In den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts kamen Frauen als kämpfende Truppen zum Einsatz, in Russland und in der polnischen Heimatarmee, der Armia Krajowa. In allen anderen Armeen dienten Frauen im Fernmeldewesen, dem Sanitätswesen, der Verwaltung, der Logistik, der Luftabwehr, als Pilotinnen, Kraftfahrerinnen, Autoschlosserinnen, Schweißerinnen oder Mechanikerinnen, in mehr als 130 originär soldatischen Verwendungen.
Bewusste Provokation
Mit dem Buchtitel\“Vergessene Soldatinnen\“habe sie bewusst provozieren wollen, sagt Autorin und Gesprächspartnerin im Podcast Prof. Dr. Karen Hagemann. Der Titel wolle mit einer Denktradition brechen, die Frauen im militärischen Einsatz jahrhundertelang die Rolle als\“Helferin\“, nicht jedoch die der Soldatin zuspreche. Was aber unterschied zum Beispiel den Sanitätssoldaten am Krankenbett von der\“Helferin\“? Eigentlich nichts. Oder was die 160000 deutschen\“Flakhelferinnen\“von den\“Flaksoldaten\“? Das Buch gibt die Antwort: ebenfalls nichts. Darum ist der Buchtitel nicht nur Provokation, sondern legitime Aussage zugleich.
Die Podcast-Folge können Sie auf Apple Podcast, Spotify, Youtube (https://www.youtube.com/watch?v=KfYd4UeBMgo), oder der Website des ZMSBw (https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/vergessene-soldatinnen-frauen-im-militaer-6101528) hören.
Pressekontakt:
Oberstleutnant Michael Gutzeit
Leiter der Informationsarbeit
Telefon: 0331 9714 400
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Original-Contentvon: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, übermittelt durch news aktuell
Categories: Allgemein
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