\“nd.DerTag\“: Spargelige Angelegenheit – Kommentar zur Debatte um den Mindestlohn in der Saisonarbeit

Laut einem süddeutschen Branchenverband entfallen etwa 45 Prozent des Spargelpreises auf die Lohnkosten, ein großer Teil auf Saisonarbeitskräfte. Das sind oft Spargelstecher aus Osteuropa. Eine mögliche mittelbare Ungleichbehandlung der überwiegend aus Osteuropa stammenden Saisonarbeitskräftesei durch legitime Ziele gerechtfertigt und verhältnismäßig, verlautbart der Deutsche Bauernverband. Im Klartext: Für den Spargelpreis soll das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz umgangen werden. Osteuropäer*innen dürfen die Triebe gerne weiter stechen. Aber eben für weniger Bezahlung.
Dabei ist die Branche auf Arbeiter*innen aus dem Ausland angewiesen. Drückt man ihren Lohn, drückt man automatisch auch jenen der Fachkräfte in der Landarbeit und über die Branche hinaus. Dem Bauernverband geht es nicht nur um den Spargel, sondern um\“besonders mindestlohnbetroffene Branchen\“wie den arbeitsintensiven Obst-, Gemüse- und Weinanbau. Eine Formulierung, als wäre der Mindestlohn ein Grauschimmel, der im Frühjahr den Spargel befällt und so die Ernte zerstört.
Löhne anzugreifen, um die Preise in Supermärkten zu senken, ist ein Versuch, den Gaul von hinten aufzuzäumen. Inzwischen weist vieles, beispielsweise Nachforschungen der Monopolkommission, darauf hin, dass der Ertrag der gestiegenen Lebensmittelpreise vor allem in den Taschen von Supermarkt-und Industrieriesen landet. Mit Transparenz und Kontrolle dort anzusetzen, könnte zu faireren Preisen für Arbeiter*innen führen. Und zu Spargel auf den Tischen.
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